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Schwerpunkt 1: Warum gibt es und wer sind "Jugendliche ohne Ausbildung"?

Warum gibt es überhaupt noch Jugendliche, die keine Ausbildung absolvieren - wenn doch fast 90 Prozent ihrer Altersgenoss(inn)en dies tun? Dieses Problem ist nicht allein der Tatsache geschuldet, dass es zu wenig Ausbildungsplätze gibt. Hier wird über Ausbildungsoffensiven auf Bundes- und Länderebene sehr viel getan und im Prinzip wäre es denkbar, dass jeder Jugendliche eine Ausbildung - und sei es eine außerbetriebliche oder rein schulische Ausbildung - erhält. Doch ein Teil dieser Jugendlichen bemüht sich - wie wir aus zahlreichen Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung wissen - gar nicht erst um eine Ausbildung oder bricht die Ausbildung ab. Man könnte demzufolge meinen, es sind die individuellen Dispositionen dieser Jugendlichen, es ist ihr individuell gewähltes Schicksal. Damit ist allerdings noch nicht beantwortet, warum sie so handeln. Soziologisch stellt sich hier die Frage, warum es sozialstrukturell bestimmte Gruppen sind, die hier wesentlich in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Warum gibt es nicht in allen Schichten der Bevölkerung gleichermaßen Jugendliche ohne Ausbildung? Das tieferliegende soziologische Problem ist: Durch welche gesellschaftlichen Faktoren wird diese Gruppe "produziert"? Im Mittelpunkt unserer Untersuchungen stehen:

  • das segregierte deutsche Bildungssystem als "Produzent" unterschiedlicher Qualifikationsgruppen und Schultypen als institutionalisierte ungleiche Lern- und Sozialisationsumwelten und
  • die Bedeutung der familiären Ressourcen für das "Durchlaufen" des deutschen Schul- und Ausbildungssystems.

 

Zur Bearbeitung dieser Fragestellungen wurden zwei Dissertationen angefertigt:
Familiäre Herkunftsbedingungen und Schullaufbahnen von Jugendlichen ohne berufliche Ausbildung in (West)Deutschland (Sandra Wagner)

Does School Integration Matter? Comparing Educational Attainments of Youth with Physical Disabilities in Germany and the United States (Justin Powell)