Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Entwicklung

Im Mittelpunkt des Forschungsbereichs Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Entwicklung (Direktor: Karl Ulrich Mayer) standen die Beziehungen zwischen Familie, Bildungswesen und Arbeitsmarkt im Kontext sich wandelnder Wohlfahrtsstaaten. Der Forschungsbereich bestand von 1983 bis 2005.

Der Kern des Forschungsprogramms bildete die Analyse von Lebensverläufen als Schnittpunkt zwischen institutionellen Umwelten, menschlicher Entwicklung und sozioökonomischem Wandel. Die empirischen Untersuchungen des Forschungsbereichs stellten daher nicht nur ein Beitrag zur Grundlagenforschung dar, sondern waren auch von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz. Im Forschungsbereich wurden im Wesentlichen drei Fragestellungen bearbeitet:

  1. In welcher Weise und mit welchen Auswirkungen formen gesellschaftliche Institutionen das Leben von Individuen? In dieser Perspektive untersuchten die Wissenschaftler*innen die Beziehungen zwischen den Strukturen auf Makroebene der Gesellschaft und Mustern in den Lebensverläufen der einzelnen Menschen. Soziale Normen, Institutionen und Gelegenheitsstrukturen prägen die Lebensverläufe der Einzelnen, doch diese Einflüsse variieren auch in Abhängigkeit von sozialen Klassen, Schichten und Subkulturen sowie dem nationalen und historischen Kontext.
  2. Wie gestalten Individuen und Familien ihr Leben? Wie erleben sie ihr individuelles oder kollektives Schicksal unter den Gegebenheiten ihrer eigenen Biographie, ihrer familiären Geschichte und ihrem Arbeitsumfeld und im Vergleich zu den Schicksalen anderer Menschen, die dem gleichen Geburtsjahrgang (Kohorte) angehören?
  3. Wie wirken sich Änderungen in den Lebenslaufmustern von Einzelnen oder auch von Jahrgangskohorten wiederum auf soziale Strukturen und institutionelle Konfigurationen aus? Was sind die Folgen solcher Prozesse für die Sozialpolitik? Unabhängig davon wie sie entstanden sind, bilden Veränderungen in den Lebenslaufmustern wie zum Beispiel im Familienverhalten oder in den Berufsbiographien Herausforderungen für die individuelle Lebensgestaltung und die Gesellschaftspolitik.

Empirische Grundlage der Projektarbeiten war vor allem die institutseigene Deutsche Lebensverlaufsstudie (GLHS). Sie umfasst neun für West- und Ostdeutschland repräsentative Befragungen von insgesamt über 12.000 Frauen und Männern der Geburtsjahrgänge 1919-21, 1929-31, 1939-41, 1949-51, 1954-56, 1959-61, 1964 und 1971 (Westdeutschland und West-Berlin) und der Geburtsjahrgänge 1929-31, 1939-41, 1952-54, 1959-61 und 1971 (Ostdeutschland).

Die Studien im Forschungsbereich befassten sich unter anderem mit den Auswirkungen der Systemtransformation auf Lebensverläufe in Ostdeutschland und Polen, mit den Ausbildungs- und Berufswegen westdeutscher Männer und Frauen der Jahrgänge 1964 und 1971 und mit den Passproblemen zwischen Berufsausbildung und Berufsarbeit.

Forschungszeitraum: 1983–2005

Weitere Informationen zu Karl Ulrich Mayer als Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung finden Sie hier.

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