Adaptives Verhalten und Kognition

Im Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition (Direktor: Prof. Dr. Gerd Gigerenzer) ging es um die Erforschung der menschlichen Rationalität, insbesondere um Entscheidungen in einer unsicheren Welt und um Risikoverhalten. Der Forschungsbereich bestand von 1997 bis zur Emeritierung seines Direktors im Jahr 2017.

Die Zukunft ist ungewiss und lässt sich nur schwer vorhersagen. Dennoch muss der Mensch permanent abwägen und Entscheidungen treffen: Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Soll ich zur Krebsfrüherkennung gehen? Wo lege ich mein Geld an? Dazu nutzt der Mensch oft einfache Faustregeln, sogenannte Heuristiken. Um diese Heuristiken zu erforschen und zu verstehen, setzte sich der Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition mit der Rationalität menschlicher Denkprozesse auseinander.

Im Gegensatz zu den meisten Forschungsansätzen in Psychologie, Ökonomie und Verhaltensbiologie gingen die Wissenschaftler*innen des Forschungsbereichs nicht davon aus, dass Tiere und Menschen unbegrenzt Zeit und Wissen zur Verfügung haben und strikt rational nach den Gesetzen der Logik handeln. Auch die Intuition, als Entscheidung „aus dem Bauch heraus“, kann in Situationen der Unsicherheit zu einem besseren Ergebnis führen als das analytische Abwägen aller Alternativen.

Darauf basierend entwickelten die Wissenschaftler*innen des Forschungsbereichs drei zentrale Konzepte, die Menschen und ihre Entscheidungsprozesse in realistischen Situationen betrachten:

  • Begrenzte Rationalität („Bounded Rationality“)
  • Ökologische Rationalität („Ecological Rationality“) und
  • Soziale Rationalität („Social Rationality“).

In Experimenten, Computersimulationen und mathematischen Analysen untersuchten sie, welche Strategie wann und warum zu einem guten Ergebnis führen. Um gute Entscheidungen treffen zu können, muss man aber auch die damit verbundenen Risiken richtig einschätzen können. Risiken sind statistische Informationen, die beschreiben, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Ereignis eintritt. Leider haben die meisten Menschen – Experten eingeschlossen – Probleme, statistische Informationen richtig zu verstehen. Die Wissenschaftler*innen entwickelten deshalb Instrumente, die Wahrscheinlichkeiten laienverständlich und grafisch aufbereitet erklären. Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Bereiche Medizin, Justiz, Wirtschaft und Politik, in denen Entscheidungen aufgrund ihrer Tragweite besonders riskant sind.

Aus dem Forschungsbereich ist 2009 das Harding-Zentrum für Risikokompetenz hervorgegangen, das seit Januar 2020 an der Universität Potsdam ansässig ist.

Forschungszeitraum: 1997–2017

Weitere Informationen zu Gerd Gigerenzer als Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung finden Sie hier.

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