MPFG Biosozial | Biologie, Soziale Unterschiede und Entwicklung

Menschliche Entwicklung entsteht sowohl aus der Biologie (zum Beispiel Genetik) als auch der sozialen Umgebung. Die Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosozial“ untersucht, wie sich soziale Ungleichheit auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirkt und wie sie über die Lebensspanne zu Unterschieden in Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden führt.

Systeme sozialer Ungleichheit wie Klassismus, Sexismus und Rassismus bewirken Hierarchien zwischen Menschen, die zu systematisch ungleichen Herausforderungen und Chancen in grundlegenden sozialen und demografischen Kategorien führen. Kinder, die in sozial benachteiligten Familien aufwachsen, haben ein erhöhtes Risiko, früh im Leben mit Widrigkeiten wie Entbehrung und Bedrohung konfrontiert zu werden.

Die biosoziale Forschung bietet einen wichtigen Ansatz, um zu verstehen, wie soziales Umfeld und biologische Prozesse interagieren und wie diese Interaktion über die Lebensspanne zu unterschiedlichen Entwicklungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden führt. Das Zusammenspiel von Genen und Umwelt kann als grundlegender Mechanismus dafür gesehen werden, durch den sich soziale Ungleichheit auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirkt und über Generationen reproduziert wird. Die Max-Planck-Forschungsgruppe „Biosozial – Biologie, Soziale Unterschiede und Entwicklung“ untersucht diese vier Hauptfragen:

  1. Kindheitserfahrungen, die mit sozialen Ungleichheiten verbunden sind, gehen unter die Haut. Wie prägen sie den Verlauf von Gesundheits- und Bildungsungleichheiten über die Lebensspanne?
  2. Welche Verhaltensweisen lassen die genetischen Unterschiede zwischen Kindern sichtbar werden?
  3. Inwiefern beeinflusst elterliche Erziehung die Gesundheit und schulische Leistung von Kindern, wenn der Einfluss genetischer Vererbung kontrolliert wird?
  4. Wie schränken Systeme sozialer Ungleichheit die phänotypische Erscheinung genetischer Unterschiede zwischen Menschen ein?

In Längsschnittkohorten und randomisierten Studien nutzen wir Innovationen aus der molekularen Humangenetik, einschließlich polygener und epigenetischer Methoden, um unser Verständnis der generationsübergreifenden Übertragung sozialer Ungleichheit zu erweitern. Ziel dieser Forschung ist es, die Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen zu verringern, indem Umweltfaktoren identifiziert werden, die eine gerechtere Entwicklung fördern. Unsere Forschungsgruppe hat im Mai 2022 gestartet.

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