Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme

Im Forschungsbereich Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme (Direktor: Jürgen Baumert) wurde untersucht, welche Auswirkungen unterschiedliche institutionalisierte Lernumgebungen auf die Entwicklung der Schüler*innen haben. Der Forschungsbereich bestand von 1996 bis zur Emeritierung seines Direktors im Jahr 2010.

Schulen sind Lernumwelten, welche die Entwicklung der Schüler*innen nachhaltig beeinflussen. Diese Lernumwelten unterscheiden sich nicht nur international, sondern auch in Deutschland teilweise beträchtlich: je nach Bundesland gibt es zwischen zwei und fünf Schulformen, und auch innerhalb einer Schulform ist keine Schule wie die andere.

Jede Schule hat Lehrkräfte, die sich in ihrer Lebenserfahrung, ihrem Wissen und ihren Einstellungen unterscheiden. Im Forschungsbereich Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme wurde untersucht, welche Auswirkungen diese Unterschiede in institutionalisierten Lernumgebungen auf die Entwicklung der – ebenfalls sehr unterschiedlichen – Schüler*innen haben.

In einer Reihe von vernetzten Projekten wurden unter anderem die folgenden Fragen untersucht: Wie gut ist das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich (z.B. PISA – Programme for International Student Assessment, TIMMS – Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie)? Wie sehr beeinflusst die Wahl einer Schulform sowie einer bestimmten Schule die Entwicklung von Schulleistung und Motivation? Wann und auf welche Art und Weise differenzieren sich schulische Interessen (z.B. BIJU – Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter; TOSCA – Transformation des Sekundarschulsystems und akademische Karrieren)? Was macht eine gute Lehrkraft aus, und wie kann die Lehrerausbildung ensprechend verbessert werden (z.B. COACTIV – Professionswissen von Lehrkräften, kognitiv aktivierender Mathematikunterricht und die Entwicklung mathematischer Kompetenz)?

Der Forschungsbereich beschäftigte sich aber auch damit, wie stark Schüler*innen selbst aktiv ihre schulische Entwicklung beeinflussen, indem sie Lernumwelten wählen und gestalten. Des Weiteren analysierten die Wissenschaftler*innen, welche Rolle die Familie für die Entwicklung der Schüler*innen spielt, wenn sie mehr oder weniger anregungsreiche Lernumwelten für ihre Kinder auswählen. Darüber hinaus befassten sich die Mitarbeiter*innen des Forschungsbereichs mit der Erarbeitung wirksamer Programme zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit weniger guten Ausgangsbedingungen für einen erfolgreichen Bildungsweg. Studien zur Sprach- und Leseförderung bildeten hierbei ein Schwerpunkt des Forschungsbereichs (z.B. LESEN 3-6 – Berliner Leselängsschnittstudie, BEKL – Berliner Eltern-Kind Leseprogramm). Daneben befasste sich das Forschungsprojekt ENTERPRISE (Enhancing KNowledge Transfer and Efficient Reasoning by Practicing Representation In Science Education) mit der Förderung von kognitiven Kompetenzen im naturkundlich-mathematischen Unterricht in der Grundschule.

Forschungszeitraum: 1996–2010

Weitere Informationen zu Jürgen Baumert als Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung finden Sie hier.

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