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Differenzierung kognitiver und affektiver Empathie bei Menschen mit Asperger-Syndrom

Empathie ist ein multidimensionales Konstrukt, bestehend aus kognitiven (dem Verstehen mentaler Zustände, Theory of Mind) und affektiven (der emotionalen Reaktion auf den Gemütszustand eines Anderen) Anteilen. Ein Mangel an Empathie gilt als zentrale Charakteristik der Autismus-Spektrumserkrankung Asperger-Syndrom (AS), obwohl die systematische und simultane Erforschung von kognitiven und affektiven Empathieanteilen aussteht.

In einer Voruntersuchung haben wir Empathie erstmals multidimensional bei Menschen mit AS erfasst. Hierbei kamen zwei neue Paradigmen zum Einsatz, die von uns und unseren Kollegen so entwickelt wurden, dass sie mit größtmöglicher ökologischer Validität (Alltagsrelevanz) ein getrenntes Erfassen von kognitiven und emotionalen Anteilen von Empathie zulassen.

Der Movie for the Assessment of Social Cognition (MASC) ist ein Filmtest, bei dem der Proband aufgefordert ist, die mentalen Zustände von darstellenden Charakteren zu inferieren (kognitive Empathie). Der Multifaceted Empathy Test (MET) erlaubt die Messung sowohl kognitiver als auch emotionaler Empathiefunktionen mittels Bildmaterial, für das Probanden ihre emotionalen Reaktionen angeben sollen. 

Die Voruntersuchungen lieferten Hinweise dafür, dass Menschen mit AS beeinträchtigt sind im Einschätzen von mentalen Zuständen (kognitive Empathie), jedoch über ein ähnliches Maß an Mitgefühl (emotionale Empathie) verfügen wie Normalprobanden.

In einem nächsten Schritt werden wir bei Gesunden und bei Menschen mit AS versuchen zu zeigen, dass kognitive und emotionale Empathiefunktionen dissoziierbare Gehirnnetzwerke rekrutieren. Wir planen hierbei den Einsatz von MASC und MET sowie einer Kombination aus strukturellen (Gehirn-Volumetrie) und funktionellen MRT-Maßen, wobei fronto-temporale Areale wie Amygdala, superiorer temporaler Sulcus, orbitofrontaler Cortex, Cingulum und Insula im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen werden.

Autismus und Gehirn Grafik
© Max-Planck-Institut für Bildungsforschung