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Emotionale und kognitive Verarbeitungsprozesse und der Einfluss individueller Differenzen

Sowohl kognitive als auch emotionale Faktoren bestimmen unsere Entscheidungen. Individuen unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise, wie sie Emotionen wahrnehmen, empfinden und ausdrücken. Wie wirken sich diese interindividuellen Unterschiede auf soziale Entscheidungen aus und welche Hirnregionen vermitteln diese Unterschiede? Die neuronalen Korrelate interindividueller Unterschiede und ihr Einfluss auf perzeptuelle Entscheidungen über alltagsrelevante emotionale Reize (z.B. emotionale Gesichter) wurden im Rahmen eines fMRT-Experiments untersucht. Interindividuelle Unterschiede in der Fähigkeit, Emotionen kognitiv zu verarbeiten, wurden mit einem standardisierten Fragebogen erhoben. Es zeigte sich, dass Frauen mit Schwierigkeiten, Emotionen kognitiv zu verarbeiten (Alexithymie), eine gesteigerte Aktivität im dorsalen anterioren Gyrus Cinguli (engl.: dACC) aufweisen, während sie Entscheidungen über das Geschlecht von Gesichtern mit negativen Gesichtsausdrücken trafen. Eine solche Aktivitätserhöhung zeigte sich nicht, wenn Entscheidungen über den emotionalen Ausdruck derselben Gesichter getroffen wurden.

Kovariation und Gehirntätigkeit

Kovariation der Hirnaktivität im dACC mit der Fähigkeit, Emotionen kognitiv zu verarbeiten
Linke Seite: TAS-Wert kovariiert mit der Aktivität im bilateralen dACC, d. h. Individuen mit Schwierigkeiten, Emotionen kognitiv zu verarbeiten (hoher TAS-Wert), zeigen eine gesteigerte Aktivität in dieser Region (R, rechte Hemisphäre; x/z, Koordinaten).
Rechte Seite: Kovariation des TAS-Wertes mit Aktivität im bilateralen dACC während der Entscheidung über das Geschlecht (signifikanter Zusammenhang, graue Punkte) und über emotionalen Ausdruck (nichtsignifikanter Zusammenhang, rote Punkte) (bs repräsentieren Regressionsgeraden für Entscheidungen über Geschlecht [G] und emotionalen Ausdruck [E]).

Der dACC ist mit (emotions-)regulatorischen Kontrollprozessen und der Integration emotionaler und kognitiver Informationen assoziiert. Eine erhöhte Aktivität dieser Hirnregion während der Geschlechtsentscheidung kann als Steigerung von Kontrollprozessen interpretiert werden, durch welche aufgaben-irrelevante Information (der emotionale Gesichtsausdruck) zugunsten aufgaben-relevanter Information (Geschlecht des Gesichts) unterdrückt wird.

Eine weiterführende Analyse zur aufgabenabhängigen Konnektivität des linken dACC bestätigte ein theoretisches Modell zur neurologischen Basis der Alexithymie, nach dem eine gestörte Kommunikation zwischen limbischen (emotionale Informationsverarbeitung) und neokortikalen (kognitive Informationsverarbeitung) Arealen für eine beeinträchtigte kognitive Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist.

Projektmitarbeiterin

Katja Mériau

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