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Die neuronalen Grundlagen moralischer Entscheidungen und der Einfluss interindividueller Unterschiede in moralischer Urteilsfähigkeit

Wenn wir beurteilen, ob ein Verhalten unmoralisch ist oder eine soziale Norm verletzt, laufen in uns eine Reihe an kognitiven und emotionalen Verarbeitungsprozessen ab. Diese Prozesse sind repräsentiert durch ein verteiltes Netzwerk an beteiligten Hirnregionen. Einige dieser Hirnregionen sind nicht nur während des moralischen Urteilens, sondern auch während anderer sozial-kognitiver Prozesse aktiviert.

Aus der psychologischen Moralforschung ist bekannt, dass sich Menschen in ihrer Fähigkeit unterscheiden, moralische Urteile treffen zu können (moralische Urteilsfähigkeit). Bislang ist jedoch unklar, wie diese Unterschiede auf neuronaler Ebene repräsentiert sind. Um diese Frage zu untersuchen und damit das bereits bekannte neuronale Netzwerk moralischen Urteilens zu spezifizieren, wurde ein Experiment mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) durchgeführt, in dem Probanden Sätze lesen und nach jedem Satz entscheiden sollten, ob dieser einen sozialen Normverstoß enthielt oder nicht. Interindividuelle Unterschiede in der moralischen Urteilsfähigkeit wurden mit dem "Moralisches Urteil"-Test (MUT; Lind, 1977/2005) erhoben.

Es zeigte sich, dass Versuchspersonen mit geringerer moralischer Urteilsfähigkeit bei dieser Entscheidungsaufgabe den rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex (dlPFC) stärker aktivierten als Versuchspersonen mit höherer Urteilsfähigkeit. Da eine Aktivität im dlPFC mit Kontrollprozessen assoziiert ist, interpretieren wir die verstärkte Aktivierung in dieser Hirnregion bei Probanden mit geringerer Urteilsfähigkeit als verstärkten kognitiven Aufwand beim moralischen Entscheiden.

Dissertationsprojekt

Kristin Prehn

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