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Entscheidungsfindung im sozialen Kontext

Im Alltag – und vor allem in der Interaktion mit Anderen - stellen sich Entscheidungssituationen höchst komplex und unstrukturiert dar. Wollen wir beispielsweise eine Entscheidung darüber treffen, wie vertrauenswürdig oder verärgert ein Gegenüber ist, so müssen in dieses Urteil Informationen über Gesichtsausdruck, Gestik, Tonfall der Stimme und die Anwendung sprachlicher Stilmittel wie etwa Sarkasmus oder Ironie einfließen.

Die Fähigkeit, die Gedanken, Gefühle und Absichten unserer Mitmenschen zu verstehen, wird mit "Sozialer Kognition" oder "Theory of Mind" bezeichnet. Basierend auf diesem Verstehen der mentalen Zustände Anderer sagen wir Verhalten hervor und passen unser eigenes Verhalten an. Des Weiteren benutzen wir es, um zu beurteilen, ob ein Verhalten eine moralische oder soziale Norm verletzt.

Eine weitere Eigenschaft, die uns hilft, das Verhalten Anderer zu verstehen und vorherzusagen, ist die Fähigkeit zur Empathie. Empathie ergänzt die "Soziale Kognition" oder kognitive Perspektivenübernahme um eine warme, emotionale Komponente: das Einfühlungsvermögen. Sehen wir eine Person in Not, so verstehen wir seine Situation also nicht nur gedanklich, sondern können diese auch tatsächlich nachempfinden.

Wir interessieren uns in unserer Gruppe sowohl für die kognitiven, als auch emotionalen Faktoren, die zu sozialen Entscheidungen beitragen. So untersuchen wir beispielsweise, wie interindividuelle Unterschiede in der Affektivität oder in der Fähigkeit, Emotionen kognitiv zu verarbeiten, auf soziale Entscheidungen wirken.

Mithilfe der funktionellen Magnet-Resonanz-Tomografie (fMRT) und anderen psychophysiologischen Verfahren (Messung des Hautleitwertes und der Pupillenreaktion) sowie eigens entwickelten alltagsrelevanten psychologischen Testverfahren versuchen wir zu verstehen, wo und wie soziale Entscheidungen im Gehirn von Gesunden vermittelt werden. Des Weiteren sollen Studien bei Patienten mit zwischenmenschlichen Beeinträchtigungen (Borderline Persönlichkeitsstörung, Autismus-Spektrumserkrankungen oder Antisozialer Persönlichkeitsstörung) unser Verständnis über das "soziale Gehirn" erweitern.
 

Projektmitarbeiter

Hauke Heekeren
Isabel Dziobek
Markus Bahnemann
Kristin Prehn
Katja Mériau
Sandra Preißler

Literatur

Dziobek, I., Rogers, K., Fleck, S., Bahnemann, M., Heekeren, H. R., Wolf, O. T., & Convit, A. (2007). Dissociation of cognitive and emotional empathy in adults with Asperger syndrome using the Multifaceted Empathy Test (MET). Journal of Autism and Developmental Disorders. Nov 8 [Epub ahead of print].

Prehn, K., Wartenburger, I., Mériau, K., Scheibe, C., Goodenough, O. R., Villringer, A., van der Meer, E., & Heekeren, H. R. (in press). Influence of individual differences in moral judgment competence on neural correlates of normative judgments. Social Cognitive and Affective Neuroscience.

Heekeren, H. R., Wartenburger, I., Schmidt, H., Prehn, K., Schwintowski, H. P., & Villringer, A. (2005). Influence of bodily harm on neural correlates of semantic and moral decision-making. Neuroimage, 24, 887-97.

Dziobek, I., Fleck, S., Rogers, K., Wolf, O. T., & Convit, A. (2006). The 'amygdala theory of autism' revisited: linking structure to behavior. Neuropsychologica, 44, 1891-9.