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Förderung des autonomen Lernens im Sachunterricht (Supporting Autonomy in Science Activities – SASA)

Bei jüngsten Reformansätzen zum naturwissenschaftlichen Unterricht geht es vor allem darum, Lehrkräfte in Methoden auszubilden, die wahlweise als forschendes, entdeckendes, problemorientiertes und konstruktivistisches Lernen bezeichnet werden. All diese Methoden gehen mit neuen Rollen für Lehrende und Lernende einher. Die Lehrkräfte werden weniger als Autoritätspersonen gesehen, sondern sollen vielmehr anleiten und strukturieren; die Schüler sind nicht mehr nur passiv-aufnehmend, sondern sollen sich aktiv am Lernprozess beteiligen. In den USA haben diese reformorientierten Ansätze inzwischen Eingang in die Unterrichtsgestaltung gefunden, doch zeigte sich, dass ihre Umsetzung schwierig und ihre Wirksamkeit im Sinne einer Steigerung des Lernerfolgs und der Motivation von Schülern noch nicht erwiesen ist.

Klärung kann hier ein Forschungsansatz bringen, der auf der Grundlage der Selbstbestimmungstheorie autoritäre und autonomiefördernde Unterrichtsstile vergleicht. So agiert im traditionellen naturwissenschaftlichen Unterricht zum Beispiel die Lehrkraft als Autoritätsperson, während in reformorientierten Ansätzen den Schülern im Lernprozess mehr Autonomie gewährt wird. Dabei konnte in Forschungsarbeiten ein Zusammenhang zwischen autonomiefördernden Unterrichtsumgebungen, Lernerfolg und Motivation nachgewiesen werden.
Der Ansatz der autonomiefördernden Unterrichtsumgebungen lässt sich nach zwei Kategorien differenzieren: bei der Förderung von prozeduraler Autonomie können die Schüler zum Beispiel ihr experimentelles Material selber wählen und selbstständig mit ihm arbeiten, bei der Förderung von kognitiver Autonomie können sie mehrere Lösungen für bestimmte Aufgaben finden sowie Informationen als Feedback und Unterstützung bei der Fehlerbearbeitung erhalten.
Die Orientierung an diesen beiden Kategorien der Autonomieförderung ist hilfreich, um zu klären, welche Art Anleitung Schüler in reformorientierten Lernumgebungen benötigen und auf welche Weise ihre Autonomie gefördert werden kann. Zum Beispiel könnte es sein, dass die Schüler davon profitieren, wenn sie im Unterricht ausgiebige Unterstützung beim Fehlererkennen und ‑bearbeiten erhalten (kognitive Autonomie), während sie durch allzu viel Freiheit bei der Wahl von Materialien (prozedurale Autonomie) im Lernen unter Umständen sogar behindert werden.
Das SASA-Projekt plant eine Studie, die die relative Wirksamkeit der Förderung von prozeduraler und kognitiver Autonomie im reformorientierten naturwissenschaftlichen Unterricht bei unterschiedlich starker Ausgestaltung der autonomiefördernden Elemente evaluiert. Das Projekt basiert auf einem experimentellen 2x2 Prä-Posttest-Design, bei dem prozedurale Autonomie operationalisiert wird als MIT bzw. OHNE handelnde Eigenaktivität (hands-on bzw. hands-off) und kognitive Autonomie als steuerndes bzw. informierendes Lehrerfeedback. Pilotstudien fanden im Frühling und Sommer 2007 statt, die experimentelle Phase begann im Herbst 2007 mit Siebtklässlern aus Berliner International Schools.

Weiterführende Literatur

Furtak, E. M. (2006). The dilemma of guidance in scientific inquiry teaching. Unpublished Dissertation, Stanford University, Stanford, CA.

Furtak, E. M. (2006). Formative assessment in K-8 science education: A conceptual review. Commissioned paper for the Committee on Science Learning, Kindergarten through Eighth Grade, National Research Council.

Ruiz-Primo, M. A., & Furtak, E. M. (2006). Informal formative assessment and scientific inquiry: Exploring teachers' practices and student learning. Educational Assessment, 11(3 & 4), 237–263.

Ruiz-Primo, M. A., & Furtak, E. M. (2007). Exploring teachers' informal formative assessment practices and students' understanding in the context of scientific inquiry. Journal of Research in Science Teaching, 44(1), forthcoming.

SASA-Team

Erin Furtak
Ilonca Hardy
Mareike Kunter