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Zentrale Konzepte

Die Lebensverläufe einzelner Menschen bilden die Grundlage gesellschaftlicher Strukturen und des sozioökonomischen Wandels. Unsere empirischen Untersuchungen sind daher nicht nur ein Beitrag zur Grundlagenforschung sondern auch von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz. Im Forschungsbereich Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Entwicklung bearbeiteten wir drei Fragestellungen:

  1. In welcher Weise und mit welchen Auswirkungen formen gesellschaftliche Institutionen das Leben von Individuen? In dieser Perspektive untersuchen wir die Beziehungen zwischen den Strukturen auf Makroebene der Gesellschaft und Mustern in den Lebensverläufen der einzelnen Menschen. Soziale Normen, Institutionen und Gelegenheitsstrukturen prägen die Lebensverläufe der Einzelnen, doch diese Einflüsse variieren auch in Abhängigkeit von sozialen Klassen, Schichten und Subkulturen sowie dem nationalen und historischen Kontext. Unter dem Oberbegriff Lebensverläufe verstehen wir die Wohngeschichte, Familiengeschichte, Bildungs- und Ausbildungswege sowie die Erwerbsbiographie und die Berufskarriere, aber auch die Einbettung in die sozialen Sicherungssystemen als Leistungsträger und Leistungsempfänger. Daher sind wir im Hinblick auf gesellschaftliche Institutionen vor allem an Schulen und Ausbildungseinrichtungen interessiert, an Beschäftigungsstrukturen und dem Arbeitsmarkt, an Familie und dem Wohlfahrtstaat. Die in diesem Zusammenhang relevante Zeitskala ist die historische Zeit als Medium sozioökonomischen Wandels.
  2. Wie gestalten Individuen und Familien ihr Leben? Wie erleben sie ihr individuelles oder kollektives Schicksal unter den Gegebenheiten ihrer eigenen Biographie, ihrer familiären Geschichte und ihrem Arbeitsumfeld und im Vergleich zu den Schicksalen anderer Menschen, die dem gleichen Geburtsjahrgang (Kohorte) angehören? Wir interessieren uns hier vor allem für die unmittelbaren Einflüsse auf der Ebene von Haushalten oder Firmen. Solche Einflüsse werden einerseits von äußeren Gelegenheitsstrukturen bestimmt, andererseits aber auch von inneren Entwicklungsprozessen des Einzelnen. Die relevante Zeitskala ist in diesem Fall das chronologische Alter, der Altersprozess von Individuen und der Dauer der Zugehörigkeit zu Familien, Haushalten und Firmen.
  3. Schließlich untersuchen wir auch die Rückkopplungsprozesse und Wechselwirkungen zwischen der Mikroebene individueller Handlungen und der Makroebene struktureller und institutioneller Zwänge. Wie wirken sich Änderungen in den Lebenslaufmustern von Einzelnen oder auch von Jahrgangskohorten wiederum auf soziale Strukturen und institutionelle Konfigurationen aus? Was sind die Folgen solcher Prozesse für die Sozialpolitik? Unabhängig davon wie sie entstanden sind, bilden Veränderungen in den Lebenslaufmustern wie zum Beispiel im Familienverhalten oder in den Berufsbiographien Herausforderungen für die individuelle Lebensgestaltung und die Gesellschaftspolitik.