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Political Economy and the Life Course in Advanced Societies (POLIS)

In diesem Schwerpunkt untersuchten wir die Beziehungen zwischen sozialem Strukturwandel, institutionellen Gefügen kapitalistischer Gesellschaften und individuellen Lebensverläufen.

Lebensverläufe untersuchten wir vor allem im Hinblick auf die berufliche und familiäre Situation. Beim sozialen Strukturwandel lag das Hauptaugenmerk auf der Krise des Arbeitsmarktes seit den 1970er Jahren und dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Hinsichtlich der Strukturen der politischen Ökonomie interessierten vor allem langfristig existierende wohlfahrtsstaatlichen Regime und deren Reaktionen auf Strukturwandel.

In der ersten Stufe des POLIS-Projekts wurde eine internationale Kooperation aufgebaut. Diese formulierte grundsätzlichen Forschungsfragen, wählte Länder für einen internationalen Vergleich aus und stellte einige ihrer wichtigsten strukturellen und politischen Unterschiede zusammen.

Das POLIS-Projekt trat daraufhin in seiner zweiten Phase ein. Es galt, Hypothesen über Zusammenhänge zwischen sozialem Strukturwandel, politischen Systemen und individuellen Lebensverläufen zu entwerfen, daraus spezifische Forschungsfragen zu entwickeln und empirisch zu überprüfen.

Steffen Hillmert verglich in seiner Dissertation die Bildungs- und Ausbildungssysteme in Großbritannien und Deutschland und untersuchte den Einfluss dieser Systeme auf individuelle Lebensverläufe. Seine Studie zeigte, dass die formalen Ausbildungssysteme in beiden Nationen zu jeweils unterschiedlichen Arten der Koordination zwischen Bildung und Arbeitsmarkt führen.

Die Arbeit analysierte den Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt und die Integration ins Beschäftigungssystem bei jungen Erwachsenen. Untersucht wurde, wie die Übergänge zwischen Schule, Ausbildung und Erwerbsarbeit in den beiden Gesellschaften sozial geregelt sind - insbesondere durch die jeweiligen Ausbildungssysteme - und wie sich dies in individuellen Lebensläufen ausdrückt. Dabei wurde analysiert, wie stark der Einstieg in das Beschäftigungssystem reguliert ist, nach welchen Kriterien die Abgänger aus dem Bildungssystem den Positionen am Arbeitsmarkt - auch nach dem unmittelbaren Einstieg - zugeordnet werden und wie und warum sich diese Prozesse historisch verändert haben. Die Arbeit ergänzte damit andere, auf wenige Messzeitpunkte beschränkte komparative Studien um die Dimensionen der individuellen und der historischen Entwicklung. Für Deutschland hat sich die Arbeitsmarktintegration dauerhaft als recht stark formal-institutionell reguliert erwiesen. Für Großbritannien hingegen zeigten sich große historische Veränderungen in Richtung einer zunehmenden Flexibilisierung des Arbeitsmarkteinstiegs. Diese legen es nahe, Großbritannien nicht, wie üblicherweise dargestellt, als ein über die letzten Jahrzehnte konstantes 'Modell' zu betrachten. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Pfad-Abhängigkeit von Institutionen auf dem Gebiet der Bildung und Ausbildung eng mit individuellen Lebensverläufen verknüpft ist.

Publikations und Präsentationen

Hillmert, S. (2001). Deregulierung des Arbeitsmarktes und relative Beschäftigungschancen: Das Beispiel Großbritannien. In P. A. Berger & D. Konietzka (Eds.), Die Erwerbsgesellschaft. Neue Ungleichheiten und Unsicherheiten (pp. 185-212). Opladen: Leske + Budrich.

Hillmert, S. (2004). From Old to New Structures: A Long-term Comparison of the Transition to Adulthood in West and East Germany. Berlin: Max Planck Institute for Human Development (Working Paper 8/2004).

Mayer, K. U., & Hillmert, S. (2003). New ways of life or old rigidities? Changes in social structures and life courses and their political impacts. Berlin: Max Planck Institute for Human Development (Working Paper 1/2003).

McGinnity, F., & Hillmert, S. (2002). Social classes at risk? Class-specific unemployment in British and German life courses since the 1970s. Berlin: Max Planck Institute for Human Development (Arbeitsbericht aus dem Projekt).

Rusconi, A. (in press). Leaving the parental home in West Germany and Italy: Opportunities and constraints. In European research network on transitions in youth. Antwerpen.

Hillmert, S. (2001). Ausbildungssysteme und Arbeitsmarkt. Lebensverläufe in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland im Kohortenvergleich. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Hillmert, S. (2000). European life-course data. (POLIS CD).

Hillmert, S. (1999). The "complex" event of transition into the labour market: Comparing the UK and Germany over time. In D. Raffe, R. van der Velden, & P. Werquin (Eds.), Education, the labour market and transitions in youth. Cross-national perspectives (pp. 313-331). Edinburgh, UK.

Esping-Andersen, G., Mayer, K. U., & Myles, J. (1997). Political economies and the life course in advanced societies. European University Institute, Robert Schuman Centre, Florence (Project proposal).

Mayer, K. U. (1997). Notes on a comparative political economy of life courses. In Comparative social research, Vol. 16 (pp. 203-226). Greenwich, CT: JAI Press.

Projektteam

Steffen Hillmert
Karl Ulrich Mayer
Antje Mertens
Alessandra Rusconi

Dissertationsprojekt

Leaving Home in Germany and Italy (Alessandra Rusconi)