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Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland

Das Projekt beschäftigte sich mit den Auswirkungen ökonomischer und sozialer Entwicklungen der 1980er und 1990er Jahre auf Bildung und Berufstätigkeit junger Menschen. Wir untersuchten Folgen von Bildungsexpansion, berufsstrukturellem Wandel, demografischen Schwankungen und tendenziell schlechter werdenden Arbeitsmarktbedingungen in ihren Auswirkungen auf soziale, insbesondere auch geschlechtsspezifische Unterschiede.

Wir versuchten dabei herauszufinden, in welchem Ausmaß der "Normallebensverlauf" noch immer durch relativ standardisierte Übergänge zwischen Bildung, Ausbildung und der Arbeitswelt geprägt ist. Dabei interessierte auch, welche Rolle die bestehende soziale Institutionen und sozialpolitische Steuerungsinstrumente für die Sicherung eines hohen Ausbildungsniveaus und die Platzierung der Menschen auf dem Arbeitsmarkt spielen.

Indem wir die Daten der Geburtskohorten 1964 und 1971 in den Kontext vorangegangener Lebensverlaufsstudien stellten, konnten wir die kollektiven Erfahrungen im Übergang zwischen Bildung, Ausbildung und Arbeitswelt über Jahrzehnte und bis in die jüngste Zeit rekonstruieren. Dadurch ließ sich empirisch untersuchen, wie sich die institutionellen Verknüpfungen zwischen Schule und Ausbildungssystem sowie zwischen Arbeitsmarkt und Tätigkeitsstrukturen verändert haben. Über Dauer und Fragmentierung dieser Übergangsphasen und über die verschiedenen Wege zum Erwerb von Fertigkeiten oder einen frühen Einstieg in das Arbeitsleben haben wir konkurrierende Hypothesen gebildet, die wir anschlißend eingehend untersuchten.

Die vom Forschungsbereich gesammelten Lebensverlaufsdaten werden mit Längsschnittdaten der amtlichen Statistik verbunden. Der Vergleich der Daten des Projektes mit vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aufbereiteten Daten aus der Beschäftigtenstatistik gab Aufschluss über die Beziehungen zwischen Entwicklung und Eigenschaften von Unternehmen und individuellen Erwerbskarrieren. Die Kombination beider Datenquellen ermöglichte uns außerdem, der Frage nach Qualität und Genauigkeit von retrospektiv erhobenen Daten näher auf den Grund zu gehen.

Im Zuge der letzten Kohortenstudie wurden 1998/99 ca. 2900 Personen befragt, die in den Jahren 1964 bzw. 1971 geboren wurden. Zum ersten Mal in einer Teilstudie des Lebensverlaufsprojekts wurden auch deutschsprechende Ausländer eingeschlossen. 1964 war der geburtenstärkste Jahrgang seit Bestehen der Bundesrepublik. Aus diesem Grund war anzunehmen, dass die Mitglieder dieser Kohorte hinsichtlich ihrer Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in ungleich höherem Maße Konkurrenzdruck ausgesetzt gewesen sind. In Westdeutschland ist die Anzahl der Mitglieder beider Geburtskohorten über die Jahre aufgrund von Immigration stetig angewachsen.

Wie sich der Eintritt in den Arbeitsmarkt in Ost- und Westdeutschland gestaltet, konnte an der Kohorte 1971 gut untersucht werden, da die erhobenen Daten hinsichtlich ihrer Struktur mit den Daten des Teilprojektes "Ostdeutsche Lebensverläufe nach der Wiedervereinigung" (1996) übereinstimmen.

Publikationen

Hillmert, S. (2002). Edition von Lebensverlaufsdaten: Zur Relevanz einer systematischen Einzelfallbearbeitung bei standardsierten Befragungen. ZUMA-Nachrichten, 51 (26), pp. 120-140. (überarbeitete Fassung des Arbeitspapiers Nr. 4).

Hillmert, S. (2002). Stabilität und Wandel des "deutschen Modells": Lebensverläufe im Übergang zwischen Schule und Beruf. In M. Wingens & R. Sackmann (Eds.), Bildung und Beruf. Ausbildung und berufsstruktureller Wandel in der Wissensgesellschaft. Weinheim: Juventa.

Corsten, M., & Hillmert, S. (2001). Qualifikation, Berufseinstieg und Arbeitsmarktverhalten unter Bedingungen erhöhter Konkurrenz: Was prägt Bildungs- und Erwerbsverläufe in den achtziger und neunziger Jahren? Arbeitsbericht des Projekts Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland. Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Hillmert, S. (2001). Kohortendynamik und Konkurrenz an den zwei Schwellen des dualen Ausbildungssystems: Übergänge zwischen Schule und Arbeitsmarkt im Kontext ökonomischen und demographischen Wandels. Arbeitsbericht des Projekts Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland. Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Jacob, M. (2001). Ausmaß und Strukturen von Mehrfachausbildungen: Eine Analyse der Ausbildungswege in den achtziger und neunziger Jahren. Arbeitsbericht des Projekts Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland. Berlin: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Solga, H., & Trappe, H. (2000). Die duale Ausbildung: Ambivalenzen veränderter Übergangsbiographien. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 96 (2), 244-260.

Technische Berichte

Geboren 1964 und 1971 | Hillmert und Mayer

Hillmert, S. , & Mayer, K. U. (2004). Geboren 1964 und 1971. Neuere Untersuchungen zu Ausbildungs- und Berufschancen in Westdeutschland. Wiesbaden: VS - Verlag für Sozialwissenschaften.

Projektteam

Steffen Hillmert
Marita Jacob
Karl Ulrich Mayer
Antje Mertens
Maike Reimer
Holger Seibert
Heike Trappe

in Zusammenarbeit mit
Stefan Bender und Hans Dietrich (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg)

Dissertationsprojekte

Patchwork or Career? Causes and Consequences of Multiple Educational Episodes (Marita Jacob)

Ethnische Herkunft und berufliche Platzierung. Berufseinstiegsprozesse von ausländischen Absolventen der dualen Berufsausbildung in Deutschland (Holger Seibert)