EnglishDeutsch

Die Deutsche Lebensverlaufsstudie (GLHS)

Einleitung

Seit über 20 Jahren werden am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) unter der Leitung von Prof. Karl Ulrich Mayer Lebensverlaufsdaten erhoben. Die aus dem SFB “Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftspolitik” an der Universität Mannheim hervorgegangene und seit 1983 am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin fortgeführte Deutsche Lebensverlaufsstudie (German Life History Study - GLHS) enthält nunmehr Informationen über die Lebensverläufe von etwa 8.500 Frauen und Männern aus zwanzig ausgewählten Geburtsjahrgängen in Westdeutschland und mehr als 2.900 Frauen und Männern aus dreizehn ausgewählten Geburtsjahrgängen in Ostdeutschland.

Die aus repräsentativen Stichproben gezogenen Personen wurden in standardisierten, persönlichen oder telefonischen Interviews rückblickend zu ihrem Leben befragt. Dabei wurde besonderes Gewicht auf eine möglichst monatsgenaue, lückenlose Erfassung ihrer Bildungs-, Erwerbs- und Familiengeschichte sowie der Wohngeschichte und auf eine möglichst genaue Erhebung der Situation in der Herkunftsfamilie gelegt. Darüber hinaus wurden in einzelnen Befragungen spezielle Themen vertieft, z.B. Mitgliedschaften in NS-Organisationen, soziale Netzwerke und informelle Austauschbeziehungen oder psychologische Persönlichkeitsmerkmale.

Mit diesen Daten können wir menschliche Schicksale aus dem gesamten 20. Jahrhundert in Deutschland untersuchen. Die Studie ist eine der wichtigsten Grundlagen für gesellschaftsvergleichende Untersuchungen vor, während und nach der deutschen Teilung. Besonderes Augenmerk gilt dabei vor allem dem Wandel von Ausbildung, Berufseinstieg und Familienbildung sowie - seit 1989 - den Auswirkungen der Transformation Ostdeutschlands auf individuelle Lebensverläufe.

Zentrale Forschungsfragen in dieser Studie sind beispielsweise:

  • Wann finden bestimmte Ereignisse im individuellen Lebensverlauf statt?
  • Wie wirken sich bestimmte historische Bedingungen und institutionelle Gegebenheiten auf den Lebensverlauf aus?
  • Welche Bedeutung haben frühere historische Bedingungen und Ereignisse in der eigenen Lebensgeschichte für den weiteren Lebensverlauf?
  • Wie prägen veränderte individuelle Verhaltensweisen die Bildung von Institutionen und wie verändern sie die Sozialstruktur?

Der Deutschen Lebensverlaufsstudie liegt ein theoretisches Programm zugrunde, das den Lebensverlauf als Abfolge von Aktivitäten und Ereignissen in verschiedenen Lebensbereichen bzw. institutionalisierten Handlungsfeldern von der Geburt bis zum Tod versteht (siehe Ausgewählte Monografien).

Die Daten der Deutschen Lebensverlaufsstudie stehen zu einem großen Teil allen interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung. Die anonymisierten Daten können über das ZA in Köln bezogen werden. Nutzungen von nicht faktisch anonymisierten Lebensverlaufsdaten können über Gastwissenschaftlermodelle bzw. andere spezielle Abmachungen mit der Projektgruppe erfolgen.

Weiterführende Links

Die GLHS Studie wurde 2003 bis 2010 an der Yale University im Forschungsbereich CIQLE weitergeführt.

Die Daten sind für wissenschaftliche Zwecke über GESIS frei zugänglich.

Weiterführende Literatur

Eine umfangreiche Literaturliste zur Lebensverlaufsstudie und zu den Ergebnissen aus der Forschung finden Sie unter: