Stärkung von Entscheidungskompetenzen („Boosting“)

Wie können Patient*innen, Ärzt*innen, Bürger*innen und politische Entscheidungsträger*innen in die Lage versetzt werden, gute Entscheidungen zu treffen?

Einige der dringendsten Herausforderungen moderner Gesellschaften sind: extreme Wetterbedingungen aufgrund des Klimawandels; der rasante Anstieg stark übergewichtiger Menschen; einseitige und damit verzerrte Entscheidungen, die sowohl vom Menschen als auch von künstlicher Intelligenz in kritischen Bereichen wie der Medizin getroffen werden. Mithilfe von Erkenntnissen aus den Verhaltenswissenschaften und der Informatik untersuchen und fördern wir den Einsatz von „Boosts“ zur Verbesserung der Entscheidungsfindung und helfen so, diese großen Probleme unserer Zeit anzugehen.

Mithilfe von „Boosts“ sollen Menschen in ihrer Entscheidungskompetenz gestärkt werden, damit sie sich bei Entscheidungen auf ihre eigene Handlungsfähigkeit verlassen können. Einige Boost-Interventionen erfordern wenig Zeit und Anstrengung seitens des Einzelnen, andere erfordern ein hohes Maß an Motivation, Anstrengung und Übung.

Wir untersuchen u. a. wie Wettervorhersagen mit statistischen Angaben an den Bevölkerungsschutz und an die Öffentlichkeit kommuniziert werden können; wie man Essensumgebungen so gestalten kann, dass gesunde Essgewohnheiten bei Kindern gefördert werden; wie die sogenannte „Weisheit der Vielen“ genutzt werden kann, um medizinische Diagnosen und individuelle Urteile zu verbessern; wie Menschen dazu befähigt werden können, Manipulation durch künstliche Intelligenz zu erkennen und sich selbst in sozialen Medien zu schützen.


„Nudging“ bezeichnet den Versuch, das Verhalten von Menschen ohne explizite Regeln oder Verbote in eine bestimmte Richtung zu lenken, indem man eine vermeintlich bessere Alternative attraktiver macht. Ralph Hertwig kritisiert den Nudging-Ansatz und befürwortet „Boosting“-Interventionen, um die Entscheidungskompetenz der Menschen zu verbessern.

Nudging = Manipulation?

„Nudging“ bezeichnet den Versuch, das Verhalten von Menschen ohne explizite Regeln oder Verbote in eine bestimmte Richtung zu lenken, indem man eine vermeintlich bessere Alternative attraktiver macht. Ralph Hertwig kritisiert den Nudging-Ansatz und befürwortet „Boosting“-Interventionen, um die Entscheidungskompetenz der Menschen zu verbessern.

Literatur

Dallacker, M., Hertwig, R., & Mata, J. (2019). Quality matters: A meta-analysis on components of healthy family meals. Health Psychology38(12), 1137–1149.

Fundel, V. J.Fleischhut, N.Herzog, S. M.Göber, M., & Hagedorn, R. (2019). Promoting the use of probabilistic weather forecasts through a dialogue between scientists, developers and end-users. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society145(S1), 210–231.

Herzog, S. M., & Hertwig, R. (2019). Kompetenzen mit “Boosts” stärken: Verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse jenseits von “Nudging”. In C. Bala, M. Buddensiek, P. Maier, & W. Schuldzinski (Eds.), Verbraucherbildung: Ein weiter Weg zum mündigen Verbraucher (Vol. 10, pp. 19–40). Düsseldorf: Verbraucherzentrale. PDF

Hertwig, R., & Grüne-Yanoff, T. (2017). Nudging and boosting: Steering or empowering good decisions. Perspectives on Psychological Science5, 973–986.  

Herzog, S. M., & Hertwig, R. (2014). Harnessing the wisdom of the inner crowd. Trends in Cognitive Sciences18, 504–506. 

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