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Die Entwicklung von Entscheidungsprozessen über die Lebensspanne

Über die Entwicklung der Entscheidungsfähigkeit ist überraschend wenig bekannt. Dabei werden über die Lebensspanne hinweg wichtige Entscheidungen getroffen. Beispielsweise entscheiden Jugendliche, ob und wie viel Alkohol oder Zigaretten sie konsumieren oder wie viel Zeit und Energie sie ihren schulischen Pflichten widmen. Viele dieser Entscheidungen haben lebenslange Folgen. Auf der anderen Seite des Altersspektrums ist die politische und wirtschaftliche Macht auf Menschen konzentriert, die deutlich älter sind als die Allgemeinbevölkerung.

Kognitive Fähigkeiten und Wissen verändern sich im Laufe des Lebens erheblich. Viele kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten nehmen in jungen Jahren zu, bevor sie sich ab dem jungen Erwachsenenalter langsam verschlechtern. Im Gegensatz dazu verbessert sich Wissen bis ins hohe Alter. Wie beeinflussen solche altersbedingten kognitiven Veränderungen die Qualität und die Prozesse der Entscheidungsfindung?

Die folgende Abbildung illustriert den Zusammenhang zwischen kognitiven Funktionen und der Entscheidungsfähigkeit über die Lebensspanne. Das obere Bild zeigt hypothetische Altersverläufe für zwei unterschiedliche kognitive Faktoren; α1 stellt eine Fähigkeit dar, die ihren Höhepunkt in jungen Jahren erreicht (z.B. fluide Intelligenz), und α2 eine Fähigkeit, die ihren Höhepunkt erst in vorgeschrittenem Alter erreicht (z.B. kristalline Intelligenz). Das untere Bild zeigt die durchschnittliche Leistung in zwei Arten von Entscheidungsaufgaben, die sich in ihrer Beanspruchung der beiden Fähigkeiten α1 und α2 unterscheiden; während eine Aufgabe (in Grün) vor allem α1 erfordert, hängt die zweite Aufgabe (in Orange) sowohl von α1 als auch α2 ab. Entsprechend wird die beste Leistung in der zweiten Aufgabe in höherem Alter erreicht als in der ersten (s. die Abbildung unten).

Wir untersuchen diese Zusammenhänge aus der Perspektive der ökologischen Rationalität. Wie stark Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten zu Veränderungen im Entscheiden führen, hängt erheblich davon ab, welche Anforderungen die Entscheidungsumgebung stellt und welche Hilfestellungen sie bietet. Veränderungen der Qualität von Entscheidungen über die Lebensspanne sind somit das Ergebnis des Zusammenspiels der Anforderungen durch die Aufgabe und der verwendeten Entscheidungsstrategien. Um dieses Zusammenspiel besser zu verstehen, versuchen wir, die Struktur von Entscheidungsumgebungen – die kognitiven Prozesse der Strategiewahl, die von einfachen Heuristiken genutzten kognitiven Fähigkeiten sowie die Entwicklungsverläufe dieser Fähigkeiten – zu beschreiben.

Zusammenhang zwischen kognitiven Funktionen
und der Entscheidungsfähigkeit über die Lebensspanne

Zusammenhang zwischen kognitiven Funktionen und der Entscheidungsfähigkeit über
© MPI für Bildungsforschung

Literatur

Pachur, T., Mata, R., & Schooler, L. J. (2009). Cognitive aging and the use of recognition in decision making. Psychology and Aging, 24, 901–915.

Mata, R., Josef, A., Samanez-Larkin, G., & Hertwig, R. (2011). Age differences in risky choice: A meta-analysis. Annals of the New York Academy of Sciences, 1235, 18–29.