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Adaptive Rationalität

Der Forschungsbereich für Adaptive Rationalität (ARC) vereint eine interdisziplinäre, internationale Forschergruppe, die sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Psychologie, Neurowissenschaften, Ökonomie, Philosophie, Biologie und Mathematik zusammensetzt. 

Wir untersuchen, wie Menschen und andere Lebewesen – ausgestattet mit begrenzten kognitiven Ressourcen – in der Welt und im Gedächtnis nach Informationen suchen und wie sie Entscheidungen treffen, wenn wenig Zeit für sorgfältiges Nachdenken bleibt. Wie können Individuen und Gruppen die gleichzeitigen Anforderungen von Unsicherheit, Informationsknappheit und Zeitnot – Bedingungen, die eher die Regel als die Ausnahme darstellen – unter einen Hut bringen?

ARC-Retreat-Teilnehmer
© Peter Kvam

Inspiriert durch Herbert Simons Arbeiten zur begrenzten Rationalität, versucht ARC zu verstehen, wie junge und ältere Entscheider "aus Fleisch und Blut" – und keine idealisierten Entscheidungsagenten – mit der atemberaubenden Komplexität sozialer und nicht-sozialer Umwelten umgehen. Wir stimmen hierbei explizit nicht mit der in der Forschung weitverbreiteten Annahme überein, dass komplexe Probleme einen komplexen kognitiven Apparat nötig machen. Stattdessen gehen wir davon aus, dass realistisches – das heißt begrenzt rationales – menschliches Verhalten in Gestalt von einfachen, adaptiven Heuristiken oder kognitiven Strategien beschrieben werden kann. Diese Heuristiken, also einfache "Faustregeln", sind aus mindestens vier Gründen erstaunlich leistungsfähig: Erstens können sie evolvierte kognitive Kapazitäten ausschöpfen (zum Beispiel das Wiedererkennungsgedächtnis); zweitens können sie kognitive Einschränkungen nutzen (etwa das Vergessen); drittens können sie die "Weisheit der Vielen" ausschöpfen und, viertens, können sie ökologisch rational sein (das heißt eine "Architektur" aufweisen, welche auf die Informationsstruktur der Umwelt passt).

Auf der Grundlage dieser alternativen Rationalitätskonzepte entwickeln wir Prozessmodelle der Informationssuche, der Inferenz, des Urteilens und des Entscheidens. Wir untersuchen, in welchen (sozialen) Umwelten diese Prozesse erfolgreich sind und wann sie an ihre Grenzen stoßen. Wir testen diese Modelle mittels einer Vielzahl von Methoden, darunter Experimente, Umfragen Computersimulationen und neurowissenschaftliche Methoden wie beispielsweise die Messung von Gehirnströmen (Elektroenzephalografie, kurz EEG), Gehirnstimulationen mithilfe von Magnetfeldern (transkranielle Magnetstimulation, kurz TMS) und funktionelle Magnetresonanztomografie (kurz fMRT).

Kontakt

Direktor:
Ralph Hertwig
Ralph Herwig | Direktor Forschungsbereich Adaptive Rationalität
sekhertwig [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de