Monografien und Herausgaben 2011 - 2012


Jan Plamper, <em>Geschichte und Gefühl. Grundlagen der Emotionsgeschichte</em>. München: Siedler Verlag, 2012.
Geschichte und Gefühl ist in erster Linie als Einführung in die Emotionsgeschichte gedacht, versteht sich aber auch als Intervention in dem boomenden Forschungsfeld. Die Architektur des Buches wird geprägt vom Gegensatz Sozialkonstruktivismus versus Universalismus, der die Emotionsforschung seit dem 19. Jahrhundert bestimmt. Nach einem Überblick philosophischen und historischen Emotionsdenkens nimmt das Buch die kulturelle Vielfalt des Gefühlsausdrucks und -erlebens, die die ethnologische Feldforschung zutage gefördert hat, in den Blick. Danach wendet es sich dem anderen Pol zu, verkörpert durch die Lebenswissenschaften – von der Physiologie und Psychologie des 19. Jahrhunderts bis hin zur jüngsten affektiven Neurowissenschaft. Im Schlusskapitel eröffnet das Buch Perspektiven auf zukunftsfähige Emotionsgeschichte – auch jenseits der Sozialkonstruktivismus/Universalismus-Dichotomie. Verständlich geschrieben und unterfüttert mit Beispielen aus der Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart, warnt Geschichte und Gefühl vor leichtfertigen Anleihen bei den Neurowissenschaften, lehnt aber solche Anleihen nicht grundsätzlich ab und skizziert einige Bereiche, in denen eine Kooperation mit der Geschichtswissenschaft möglich werden könnte. mehr
Gian Marco Vidor, <em>Biografia di un cimitero italiano. La Certosa di Bologna</em>. Bologna: Società Editrice Il Mulino, 2012.

Gian Marco Vidor, Biografia di un cimitero italiano. La Certosa di Bologna. Bologna: Società Editrice Il Mulino, 2012.

Benno Gammerl (guest ed.), <em>Emotional Styles - Concepts and Challenges. Special Issue of Rethinking History</em>, 16:2 (2012).

Benno Gammerl (guest ed.), Emotional Styles - Concepts and Challenges. Special Issue of Rethinking History, 16:2 (2012).

Dieses Themenheft eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte der Gefühle. Es konzentriert sich auf die Untersuchung gruppen- oder raumspezifischer Gefühlsstile, die innerhalb größerer sozio-kultureller Zusammenhänge miteinander interagieren.
Ute Frevert, <em>Gefühlspolitik. Friedrich II. als Herr über die Herzen?</em> Göttingen: Wallstein Verlag, 2012.
Schon Friedrich II. von Preußen wusste, dass es nicht ausreichte, über die Körper der Untertanen zu herrschen. Auch ihre Herzen wollten erobert werden. Durch Liebe, nicht durch Furcht und Gehorsamszwang sollten (früh)moderne Monarchen regieren. So bestimmte es die Staatstheorie. Wie aber sah die Praxis bei einem König aus, der, wie wir wissen, weder mild noch sanft mit seinen Untertanen umging? Das Buch analysiert das Herrschaftsverständnis Friedrichs ebenso wie dessen gefühlspolitische Praktiken. Es zeigt, mit welchen Mitteln der aufgeklärt-absolutistische König die Zustimmung und Zuneigung derjenigen suchte, die seiner Herrschaft unterworfen waren. Dieses Interesse machten sich die Untertanen zunutze: Sie stellten Bedingungen, formulierten Erwartungen und reagierten enttäuscht, wenn der König darauf nicht einging. Herrschaftskommunikation, so die These, verläuft zweigleisig, und das nicht erst in der heutigen Mediengesellschaft. Im 18. Jahrhundert und unter ganz anderen politischen Vorzeichen entdecken wir die Ansätze einer Gefühlspolitik, die die Moderne dauerhaft prägen wird. mehr
<span class="font-list">Bettina Hitzer/ Joachim Schlör (Hg.), <em>God in the City. Religious Topographies in the Age of Urbanization. </em>Themenheft, Journal of Urban History 37, 6 (2011).</span>

Bettina Hitzer/ Joachim Schlör (Hg.), God in the City. Religious Topographies in the Age of Urbanization. Themenheft, Journal of Urban History 37, 6 (2011).

Ute Frevert, <em>Emotions in History - Lost and Found</em>. Budapest: CEU Press, 2011.
Leere Ovale: gesichtslos, ohne Gefühlsregung. Kasimir Malewitsch malte diese drei menschlichen Figuren als Konstruktivist avant la lettre und lädt uns ein, auch Gefühle konstruktivistisch zu betrachten. Emotionen, das zeigt dieses Buch, wandeln sich in der Geschichte und sind von ihr bedingt. Auch wenn Männer und Frauen schon immer Gefühle empfanden und zeigten, veränderten sich die Objekte, Ausdrucksformen und Wertigkeit menschlicher Gefühle. Durch politische Prozesse, soziale Umwälzungen und kulturelle Entscheidungen gingen einige Emotionen im Laufe der Geschichte verloren, andere gewannen dafür an Bedeutung. In den europäischen Gesellschaften haben sich die Praktiken von Ehre und Scham in der Moderne grundlegend geändert und immer mehr ihren Einfluss darauf verloren, wie Menschen sich selbst sehen und wie sie sich verhalten. Zur selben Zeit wurden Mitleid und Empathie zu zentralen Bestandteilen des modernen „emotionalen Selbst“. Während dieser Entwicklung haben sie eine Fülle von humanitären Bewegungen ausgelöst und neue Institutionen ins Leben gerufen, doch sie sind auch auf große Hindernisse gestoßen und mussten herbe Rückschläge erleben. mehr
Margrit Pernau, <em>Transnationale Geschichte. Eine Einführung.</em> Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2011.
Nationale Grenzen prägen heute nicht mehr die Erfahrungswelt der Europäer. Durch diese Tendenz zur Transnationalität verliert auch die Ausrichtung der Geschichtswissenschaft an der Nation und ihren Grenzen viel von ihrer Selbstverständlichkeit.

Anstelle der in sich abgeschlossenen Veranstaltungen zur deutschen, französischen oder britischen, seltener zur europäischen Geschichte, sehen sich Studierende mit Angeboten konfrontiert, die entweder Regionen in den Blick nehmen oder über den nationalen Rahmen hinausweisen. Transnationale Geschichte ist ein anspruchsvoller Zugang, der hohe Anforderungen an die Selbstreflexion des Historikers stellt.
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Uffa Jensen/ Habbo Knoch/ Daniel Morat/ Miriam Rürup (Hrsg.), <em>Gewalt und Gesellschaft. Klassiker modernen Denkens neu gelesen.</em> Göttingen: Wallstein Verlag, 2011.
Schlüsseltexte über Macht und Staat, Individuum und Ordnung auf dem Prüfstand.

Über 30 klassische Texte zu Bedeutung und Formen der Gewalt im 19. und 20. Jahrhundert werden in diesem Band neu interpretiert: Die Autorinnen und Autoren zeigen, wie die historischen Betrachtungen als Deutungsangebote für eine Geschichte der Moderne genutzt werden können. Der Band rückt das moderne Individuum zwischen seiner Bedrohung durch Gewalt und seinen Chancen durch Freiheit ins Zentrum der Aufmerksamkeit. mehr
Ute Frevert/ Monique Scheer/ Anne Schmidt/ Pascal Eitler/ Bettina Hitzer/ Nina Verheyen/ Benno Gammerl/ Christian Bailey/ Margit Pernau, M., <em>Gefühlswissen: Eine lexikalische Spurensuche in der Moderne.</em> Frankfurt am Main: Campus, 2011.
Gefühle sind so alt wie die Menschheit. Das Wissen über Gefühle und deren Bewertung wandelt sich mit den Menschen. Die Autorinnen und Autoren des Bandes untersuchen die Veränderungen im europäischen Gefühlswissen seit dem 18. Jahrhundert. Dabei ging (und geht) es um grundlegende Fragen der conditio humana: Sind Gefühle geistiger oder körperlicher Natur? Lassen sich Gefühle "lesen"? Haben Tiere Gefühle? Sind Männer gefühlsärmer als Frauen? Gibt es kindische und erwachsene Emotionen? Kann man Gefühle "zivilisieren"? Machen sie krank? Können Kollektive fühlen? Trennen oder verbinden Gefühle? Die historisch wechselnden Antworten auf diese Fragen zeigen: Das Wissen über Emotionen war und ist eng verknüpft mit den sozialen, kulturellen und politischen Strukturen moderner Gesellschaften. mehr
Ute Frevert/ Anne Schmidt (Hrsg.), <em>Geschichte, Emotionen und visuelle Medien</em>, Geschichte und Gesellschaft 37.1 (Januar-März 2011)

Ute Frevert/ Anne Schmidt (Hrsg.), Geschichte, Emotionen und visuelle Medien, Geschichte und Gesellschaft 37.1 (Januar-März 2011)

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