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Reuegefühle: Beichte und Emotionen im Katholischen Europa, ca. 1600-1800

Dieses Projekt untersucht die Geschichte der Beichte als die Geschichte von religiösen Praktiken, die viele Emotionen hervorriefen und in der Emotionen eine aktive und formende Rolle spielten. Das Sakrament der Beichte und Bußpraktiken im weitesten Sinne wurden lange Zeit entweder als die Ursache für verschiedene historische Wandlungen angesehen oder aber als ihre Seismografen. In der frühen Neuzeit gab es viele Entwicklungen in den Bußverfahren, einschließlich in der individuellen Ohrenbeichte, und in den Methoden, wie beispielsweise der körperlichen Kasteiung. Im Katholizismus liegt auf der Beichte ein besonderes emotionales Gewicht. Es verbinden sich hier durch Vermittlung eines Priesters irdische Existenz und göttliche Vergebung. In der Beichte gibt das Individuum seine begangenen Taten, seine empfundenen Gefühle und seine Gedanken im Kontext eines religiösen Urteilens preis, in dem Leidenschaften wie Liebe, Zorn und Scham eine Rolle spielen. Das Forschungsprojekt wird die Bandbreite der Emotionen untersuchen, die in den Beichtpraktiken eine Rolle spielten und erforschen, wie sie bewertet wurden.

Ein Fokus wird auf der "Judikalisierung" der Beichte im 17. Jahrhundert liegen. Beichtväter wurden zunehmend durch eine große Anzahl von Handbüchern, die ihnen die Rolle eines Richters zuschrieben, professionalisiert. Ein Untersuchungsgegenstand des Projektes wird auch die religiöse Gewissenhaftigkeit, d.h. die unangemessene Angst vor Sündhaftigkeit sein. Wie reagierten die katholischen Gläubigen auf diese neue Wissenschaft des Urteilens und wie wurden emotionale Haltungen zu diesem Prozess konstruiert? Welche Emotionen hatte der gewissenhafte Büßer, der Absolution suchte, jedoch keine Vergebung bei den Beichtvätern fand? Hatte die Bußpraxis und ihre Konsequenzen die Funktion einer emotionalen Erziehung, auf die viele hofften?

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