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Intermedialitäten

Emotionen – so wie sie im Kontext Südasiens begriffen werden, haben ihren Ort weniger innerhalb der Akteure, sondern zwischen ihnen. Dies hat tiefgreifende Implikationen für das Archiv, auf das wir zurückgreifen können, um Emotionen zu untersuchen. Was wir suchen, werden wir nicht länger in schriftlichen Quellen finden, die individuelle und private Emotionen ausdrücken. Wenn wir erst dann einen Erfolg zu verzeichnen glaubten, wenn wir die Tagebücher gefunden haben, in denen die Zeitgenossen den Gefühlen Ausdruck verleihen, die sie beim Wandeln durch den königlichen Garten oder beim Bummel im Bazar empfanden, würden wir kaum jemals zu Ergebnissen kommen. Weder war das Tagebuch ein Genre, das im indo-persischen Kontext gepflegt wurde, noch gab es ein Bedürfnis danach, Emotionen auf diese Weise darzustellen. Statt dessen versucht dies Projekt Wege zu entwickeln, wie die Gemengelage zwischen linguistischen und nichtlinguistischen Quellen erforscht werden kann, Quellen, die von der Architektur – Straßen, Gebäuden, Gärten – bis zu Miniaturen und Gemälden reichen, von Zensusberichten bis zu Gedichten und Beschreibungen von Raumpraktiken.

Akbar watching as Tansen receives a lesson from Swami Haridas. Imaginary situati
© Source: wikipedia

Historiker und insbesondere Emotionshistoriker haben seit Langem eine ambivalente Beziehung zu nonlinguistischen Quellen, da sie sie als weniger eindeutig interpretierbar einschätzen als geschriebene Texte. Aber auch schriftliche Quellen garantieren nicht, den Emotionen der Zeitgenossen auf die Spur zu kommen ohne eine akribische Interpretation und ohne genaue Kenntnis der zeitgenössischen Regeln des Gefühlsausdrucks. Der wichtigste Ausgangspunkt ist, Karten oder Miniaturen nicht als isolierte Beispiele, sondern als Elemente einer Interaktion zwischen verschiedenen Medien – sprachlichen, bildlichen, räumlichen, taktilen oder olfaktorischen – zu sehen.
Diese Betonung der Intramedialität muss ergänzt werden durch die Betonung der Intermedialität. Besonders in der Indo-Persischen Tradition wirkten Medien selten voneinander isoliert. Poesie rührte alle Sinne an. Sie kann nicht verstanden werden, ohne den Bildern, Klängen und Düften, auf die sie sich bezieht, Aufmerksamkeit zu schenken. Öffentliche Gebäude hingegen tragen Inschriften von Versen, die entweder aus dem Koran oder von berühmten Dichtern stammen; Karten enthalten Gemälde, und Miniaturen beziehen sich auf Dichtungen, Epen oder bekannte historiografische Texte. Keines dieser Medien kann aus sich selbst heraus gelesen oder verstanden werden – ihre Bedeutung wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Zitaten, Übersetzungen und Adaptionen aus anderen Medien generiert. Diese Medien drücken Emotionen aus und erzeugen gleichzeitig ein Bezugssystem, innerhalb dessen Emotionen erfahren werden können.

Kontakt

Literatur

  • Pernau, M., and I. Rajamani (2016). Emotional Translations: Conceptual History Beyond Language.  History & Theory 55 (1):46-65.
  • Rajamani, I. (2012). Pictures, Emotions, Conceptual Change: Anger in Popular Hindi Cinema. Contributions to the History of Concepts, 7(2), 52-77.
  • Sachdeva, S. (2008). In Search of the Tawa'if in History: Courtesans, Nautch Girls and Celebrity Entertainers in India (1720s-1920s). PhD diss, University of London, London.

Konferenz "Monsoon Feelings"

Vom 25. bis 27. Juni 2015 fand am MPIB die Konferenz "Monsoon Feelings" statt. Organisiert wurde sie von Margrit Pernau (MPIB), Imke Rajamani (MPIB) und Katherine Butler Schofield (King's College London).

Konferezposter 2015
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