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Die Liebe zum Tier

"Tierliebe" und Tierschutz gelten heutzutage und hierzulande fast als selbstverständlich. Sie sind als individuelles Phänomen aus dem Mittelalter ebenso bekannt wie aus der Frühneuzeit. Als gesellschaftliches Phänomen hingegen war diese Form der Emotionalisierung und Moralisierung des Mensch-Tier-Verhältnisses bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend unbekannt - es hat sich vor diesem Hintergrund in den letzten 150 Jahren grundlegend verändert. Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert und analysiert diese Veränderung aus der Perspektive der Emotionengeschichte. Sie konzentriert sich dabei auf Deutschland und Westeuropa zwischen den 1870er und den 1930er Jahren. "Tierliebe" und Tierschutz gewannen in diesem Zeitraum nicht nur im Privatleben, sondern auch in der Öffentlichkeit an Gestalt und Gewicht, vor allem im Rahmen der vielerorts entstehenden Tierschutzvereine. Das Mensch-Tier-Verhältnis avancierte in diesem Zusammenhang in wachsendem Maße zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Die Grenze zwischen Menschen und Tieren wurde mehr und mehr verschoben, mitunter geriet sie ins Schwimmen. Unter Bezugnahme auf Schopenhauer einerseits und Darwin andererseits war der Mensch für zahlreiche Zeitgenossen zum Tier beziehungsweise das Tier zum "Verwandten" geworden. Dem Thema Emotionen kam innerhalb dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung um das Mensch-Tier-Verhältnis eine zentrale Rolle zu. Die Frage stand im Raum: Besitzen Tiere Emotionen? Wenn ja: Welche Emotionen? Sollen Menschen gegenüber Tieren Emotionen haben? Wenn ja: Gegenüber welchen Tieren?

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