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Emotionen und Wissen im Gesundheitsaufklärungsfilm, 1910–1990

Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts nutzte die Wissenschaft der Medizin das junge Medium Film als Instrument ihrer Forschung. Neue Sichtbarkeiten in und auf den Körper erschienen jetzt möglich. Zugleich wurde das Potenzial dieser „Emotionsmaschine“ zur Wissensvermittlung genutzt. Insbesondere in Europa und den USA entstanden zahlreiche medizinische Filme, die die Öffentlichkeit über zentrale Krankheiten wie Tuberkulose, Pocken, Syphilis aufklären sollten. Einige dieser Filme wurden transnational zirkuliert; sie oszillierten damit zwischen globalem Anspruch und jeweiligen nationalen/lokalen Sehgewohnheiten. Schienen bewegte Bilder besonders geeignet, Wissen über den Körper in emotionaler Weise vermitteln zu können, so wurden parallel dazu Instrumente zur Kontrolle der geweckten Emotionen entwickelt – wie die Institutionalisierung der Zensur sowie erste Versuche der wissenschaftlichen Erforschungen der Zuschauerreaktionen. Das Projekt analysiert das Verhältnis von Emotionen und Wissen im zeitgenössischen Diskurs über das Potenzial dieser Filme in Deutschland, Frankreich und den USA. Zudem wird diese „Emotionalisierung des Wissens“ in den Filmen selbst untersucht: Welche Erzähltechniken, Bildästethiken etc. werden verwendet, um Wissen über den Körper zu vermitteln und zugleich das Publikum emotional anzusprechen? Welche nationalen/lokalen Eigenheiten werden bei transnational zirkulierenden Filmen sichtbar? Außerdem wird die Praxis dieser Emotionskontrolle und -forschung und die damit verbundenen Vorstellungen von der Messbarkeit der Emotionen analysiert werden.

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