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Schießwütig – Deutsche Waffenpraktiken zwischen Lust und Angst

"Schießprügelwütig" sei die deutsche Jugend geworden – so war Anfang des 20. Jahrhundert fast täglich in deutschen Zeitungen zu lesen. Diese Beschreibungen sind bemerkenswert, hatten deutsche Väter und Pädagogen, ebenso wie Politiker und Offiziere die Schießlust der jungen Deutschen doch stets nach bestem Vermögen gefördert.

Das Projekt fragt, wann und warum aus der Schießlust eine Schießwut wurde. Dafür verfolgt es private Waffenpraktiken in Deutschland von den 1880er Jahren bis in die 1930er Jahre. Insbesondere wird untersucht, über welche Gefühle im Zusammenhang mit privaten Schießpraktiken gesprochen wurde und zwar sowohl von den beteiligten Akteuren, als auch in der öffentlichen Meinung und professionellen Experten. Die Gefühle, die im Kontext von Schießpraktiken als wünschenswert und sinnvoll beschrieben werden, werden dabei ebenso wie die problematisierten Emotionen in der systemvergleichenden Perspektive vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus analysiert. Insbesondere interessiert dabei, ob die neuartige Gewalt des Ersten Weltkrieges die emotionale Kartierung privater Schießpraktiken grundlegend neu justierte und in welcher Form Emotionen im Zusammenhang mit privaten Schüssen an unterschiedliche politische Strukturen und Systeme gebunden waren.