EnglishDeutsch

Gottverlassen, zornig oder gefühlskalt? Amokläufe in transnationaler Perspektive

Amokläufe erschüttern, verängstigen, machen wütend und verzweifelt. Sie lassen ratlose Politiker, empörte Bürger und Bürgerinnen und hilflose Eltern zurück. Der Zivilisationsbruch des Tötens provoziert eine intensive Debatte nach dem „Warum“.

Statt zu fragen: „Warum“, versucht das Projekt am Beispiel des Amoklaufs zu klären, wie Gewalt und Gefühle verknüpft waren. Es fragt, in welche emotionalen Strukturen Amokläufe des 19. und 20. Jahrhunderts eingebunden waren. Es untersucht, welche Gefühle als Ursache für Amokläufe gesehen wurden und welche emotionalen Reaktionen durch Amokläufe hervorgerufen wurden. Durch die chronologische Perspektive sollen strukturelle, politische und gesellschaftliche Veränderungen identifiziert werden, die maßgeblich für die Zunahme von Amokläufen im späten 20. Jahrhundert waren.

Das Projekt vergleicht drei Länder (USA, Großbritannien und Deutschland) in transnationaler Perspektive. Es analysiert die emotionalen Erklärungsmuster, in die Amokläufe eingebunden sind, und verknüpft diese mit den unterschiedlichen politischen, rechtlichen und kulturellen Kontexten der Beispielländer. Der transnationale Vergleich soll zum einen klären, in welcher Form Amokläufe mit national-spezifischen Strukturen verschränkt waren, gleichzeitig sollen auf diese Weise transnationale Verflechtungen analysiert werden. Denn sowohl medial, im Sinne einer transnational rezipierten Berichterstattung, als auch politisch, in Form von Präventionskonzepten und gemeinsamen europäischen Initiativen provozieren Amokläufe längst weltweite Reaktionen.  

Diese Reaktionen – so eine grundlegende These des Projektes – stellen für die Täter ein zentrales Motiv dar. Ob die Sehnsucht nach der weltweiten Schlagzeile die tödlichen Schüsse motiviert und welche z.B. medienpolitischen Antworten dies erfordert, ist nur zu beantworten, wenn die Verknüpfung von Gewalthandlung und Emotionen verstanden wird.

Dabei greift das Projekt bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, um zu analysieren, ob das im 20. Jahrhundert längst globale Phänomen des Amoklaufs neben der globalen Dimension auch ein emotionales, geschlechtliches, regionales, kulturelles, nationales oder konfessionelles Eigengewicht aufweist.