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Minerva Forschungsschwerpunkt "Gefühle, Gewalt & Frieden"

(seit 9/2014 beendet)
Dass Gewalt mit Wut und Aggression einhergeht, ist von der Forschung umfangreich dokumentiert. Neue Studien belegen, dass Gewalt auch mit Spaß und Lust, Solidarität und Sympathie verbunden sein kann. Doch nicht nur derjenige, der Gewalt ausübt, fühlt - auch derjenige, der Gewalt erleidet, erlebt vielfältige Gefühle - Angst und Scham, Ohnmacht und Zorn. Selbst das Beobachten von Gewalt vermag unterschiedlichste Gefühle zu evozieren.

Welche Gefühle durch Gewalt hervorgerufen werden und welche Gefühle maßgeblich für das Ausüben von Gewalt sind, ist dabei stets situationsspezifisch. Ebenso originell ist der Effekt, den Gefühle auf Gewalthandlungen haben: Emotionen vermögen Gewalt zu steigern oder auch zu begrenzen.

Der Forschungsschwerpunkt untersucht, in welcher Relation Emotionen und Gewalthandlungen stehen. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob die Relation zwischen Gewalt und Emotionen sich im Verlauf historischer Entwicklung geändert hat und ob zwischen unterschiedlichen Gesellschaften Differenzen hinsichtlich der Art und Weise, wie Gefühle und Gewalt verknüpft sind, bestehen.

Dies zu klären analysiert der Forschungsschwerpunkt Gewaltpraktiken diachron vergleichend und aus transnationaler Perspektive. Gewalt wird dabei als physische Gewalt zwischen zwei oder mehr Personen definiert. Auch Gefühle werden als interpersonales Phänomen begriffen, das Personen und Dinge vernetzt. Damit fokussiert der Forschungsschwerpunkt Gefühle methodisch als soziale Praktiken in interpersonalen Netzwerken.

Um das Verhältnis zwischen Gewalt und Emotionen zu analysieren, wird in einem ersten Schritt eine Kartierung der maßgeblichen Gefühle, über die die beteiligten Akteure berichten, erstellt. Diese Gefühle werden sodann in ihrer historischen Entwicklung und Veränderung untersucht: Wann wird aus dem Phänomen der Schießwut der Amoklauf und welche emotionalen Vorstellungen verdichten sich in den jeweiligen Begrifflichkeiten? Drittens schließlich werden Emotionen an eingeführte Kategorien der Sozial- und Gesellschaftsgeschichte rückgebunden und gefragt, ob und wie Alter und Geschlecht, Beruf, Konfession und Nationalität Einfluss auf die Verknüpfung von Emotionen und Gewalthandlungen hatten.

Konkret operationalisiert der Forschungsschwerpunkt die Fragestellung in drei Projekten:

  • Gottverlassen, zornig oder gefühlskalt? Amokläufe in transnationaler Perspektive
  • Schießwütig - Deutsche Waffenpraktiken zwischen Lust und Angst
  • Kein Vertrauen zu den Völkermördern?