Berliner Altersstudie II (BASE-II)

Einer der auffallendsten Aspekte des Alterns ist seine Heterogenität. Einige Menschen bleiben gesund und bewahren ihre kognitiven Fähigkeiten bis ins höchste Alter, während andere frühe und steile Verluste beklagen. Um die Mechanismen zu verstehen, die solch eine Unterschiedlichkeit verursachen, müssen die Verläufe über die Zeit in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verfolgt werden.

Mit diesem Ziel initiierten Wissenschaftler aus Berlin und Tübingen die Berliner Altersstudie II (Demuth et al., 2019). Wie BASE wurde BASE-II als multidisziplinäre und multi-institutionelle Längsschnittstudie konzipiert, die ein großes Spektrum von Funktionsbereichen erfasst. Unter den beteiligten Disziplinen sind Geriatrie und innere Medizin sowie Immunologie, Psychologie, Genetik, Soziologie und Ökonomie. Die Studie erhielt finanzielle Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Rekrutierung der BASE-II-Kohorte, die 2014 abgeschlossen wurde, ergab eine konsolidierte Baseline-Stichprobe von 1600 älteren Erwachsenen im Alter von 60 bis 80 Jahren und 600 jüngeren Erwachsenen im Alter von 20 bis 35 Jahren (Bertram et al., 2014). Daten dieser Baseline-Stichprobe können mit dem Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP), einer repräsentativen longitudinalen Panelbefragung, die für die deutsche Bevölkerung repräsentativ ist, verknüpft werden, um Stichprobenselektivität einzuschätzen.

Mittlerweile befindet sich BASE-II in der dritten Erhebungswelle. Die aktuelle Erhebung ist mit dem Förderprojekt GendAge eng verknüpft und verfolgt das Ziel, den Einfluss des Geschlechts auf Mechanismen der Krankheitsentstehung besser zu verstehen.


Datenerhebung am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie

Ein Ziel des Forschungsbereiches Entwicklungspsychologie ist es, in BASE-II die altersbedingten Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten und des Erlebens und Verhaltens umfassend zu erfassen und den Einfluss von medizinischen, genetischen oder sozio-ökonomischen Faktoren auf diese Veränderungen zu untersuchen. Dafür laden wir unsere Probanden alle Jahre wieder ein, um in Gruppensitzungen am Computer unterschiedliche kognitive Fähigkeiten zu erfassen, wie z.B. Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis, Merkaufgaben oder Tests zur Reaktionsgeschwindigkeit.

Daneben erfassen wir mit Hilfe von Fragebögen verschiedene psychosoziale Konstrukte, u.a. zur Persönlichkeit, zum Stresserleben, Wohlbefinden oder Zukunftsperspektiven. Unsere Probanden tragen außerdem in der aktuellen Erhebung (2018/2019) für eine Woche einen Actigraphen, um die individuellen Schlaf- und Bewegungsaktivitäten mit kognitiver Leistungsfähigkeit in Verbindung zu setzen.


Leitungsgremium

  • Denis Gerstorf (Sprecher), Humboldt-Universität zu Berlin & Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
  • Lars Bertram, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck
  • Ulman Lindenberger, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
  • Graham Pawelec, Universität Tübingen
  • Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Gert G. Wagner, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Lifebrain
Dies ist ein EU-gefördertes Projekt, an dem sich die Berliner Altersstudien BASE und BASE-II unter Mitarbeit des Projekts Formale Methoden in der Lebensspannenpsychologie beteiligen. Es integriert Daten von 6000 Studienteilnehmern, die bei 11 europäischen Studien mit bildgebenden Verfahren in 7 Ländern erhoben wurden. mehr

Ausgewählte Publikationen

Die Gesamtpublikationsliste von BASE-II findet sich hier.

Bender, A. R., Brandmaier, A. M., Düzel, S., Keresztes, A., Pasternak, O., Lindenberger, U., & Kühn, S. (2020). Hippocampal subfields and limbic white matter jointly predict learning rate in older adults. Cerebral Cortex, 30(4), 2465–2477. https://doi.org/10.1093/cercor/bhz252
Demuth, I., Bertram, L., Drewelies, J., Düzel, S., Lill, C. M., Lindenberger, U., Pawelec, G., Spira, D., Wagner, G. G., & Gerstorf, D. (2019). Berlin Aging Study II (BASE-II). In D. Gu & M. E. Dupre (Eds.), Encyclopedia of gerontology and population aging. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-319-69892-2_27-1
Düzel, S., Buchmann, N., Drewelies, J., Gerstorf, D., Lindenberger, U., Steinhagen-Thiessen, E., Norman, K., & Demuth, I. (2018). Validation of a single factor representing the indicators of metabolic syndrome as a continuous measure of metabolic load and its association with health and cognitive function. PLoS ONE, 13(12), Article e0208231. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0208231
Düzel, S., Drewelies, J., Gerstorf, D., Demuth, I., Kühn, S., & Lindenberger, U. (2018). Facets of subjective health horizons are differentially linked to brain volume. GeroPsych, 31(3), 127–136. https://doi.org/10.1024/1662-9647/a000191
Düzel, S., Drewelies, J., Gerstorf, D., Demuth, I., Steinhagen-Thiessen, E., Lindenberger, U., & Kühn, S. (2019). Structural brain correlates of loneliness among older adults. Scientific Reports, 9, Article 13569. https://doi.org/10.1038/s41598-019-49888-2
Kühn, S., Düzel, S., Eibich, P., Krekel, C., Wüstemann, H., Kolbe, J., Mårtensson, J., Goebel, J., Gallinat, J., Wagner, G. G., & Lindenberger, U. (2017). In search of features that constitute an "enriched environment" in humans: Associations between geographical properties and brain structure. Scientific Reports, 7, Article 11920. https://doi.org/10.1038/s41598-017-12046-7
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