Gefühle synchronisieren

4. Juli 1953, Helmut Rahn erzielt das Ausgleichstor der deutschen Mannschaft gegen Ungarn im Finalspiel der Fußballweltmeisterschaft in Bern (Schweiz).

Geteilte Begeisterung: Emotionen in Fußballklubs

Julia Wambach

Der Fußballklub FC Schalke 04 war im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder in partizipative Politik involviert – trotz seiner angeblich unpolitischen Natur als Freizeitklub. Regierungen, politische Parteien und Lokalpolitiker versuchten die emotionale Bindung der Fans an Schalke für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Und auch der Klub selbst trat immer mehr als politischer Akteur in der Stadt auf – spätestens ab Mitte der 1990er Jahre mit der Schließung der letzten Zechen.


Kollektives Hoffen: Gesungene Gefühle in politischen Jugendorganisationen

Juliane Brauer

Warum war das gemeinschaftliche Singen eine der wichtigsten Vergemeinschaftungspraktiken in Jugendorganisationen des 20. Jahrhunderts? Das Singen spezifischer Lieder, insbesondere aus der Arbeiterbewegung, ermöglichte das Erlernen von politischen Emotionen und Einstellungen. Denn im gemeinschaftlichen Singen ließen sich erwünschte Werte, Haltungen und nicht zuletzt Emotionen vermitteln und bestenfalls synchronisieren.

Am Beispiel der Geschichte des Liedes „Wann wir schreiten Seit an Seit“ (1913), das bedeutendste Lied der sozialdemokratischen Jugendbewegung, adaptiert in der Hitlerjugend und gesungen in beiden Teilen Deutschlands, kann gezeigt werden, wie das wiederholte Singen bestimmter Lieder politische Emotionen - wie Hoffnung auf eine bessere Zukunft - in verschiedenen Kontexten etablieren konnte.

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