Gefühle inszenieren

Die Erinnerungspolitik der Gedenkfeiern im Frankreich der Zwischenkriegszeit

Französische Gedenkfeier am 22. Jahrestag der Marne-Schlacht. Während der Gedenkfeier am Denkmal der Gefallenen überfliegt ein Flugzeuggeschwader das ehemalige Schlachtfeld. Photographie. 8.9.1936.

Karsten Lichau

In den Jahren nach 1918 sahen sich zahlreiche europäische Länder mit der schwierigen Suche nach einer angemessenen Form des Gedenkens an die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten konfrontiert.

In Frankreich führte dies zu einer Konfrontation zwischen verschiedenen Institutionen und ihren konkurrierenden Narrativen über den Ersten Weltkrieg. Während die Mehrheit der Veteranenverbände für eine Zeremonie kämpfte, die Gefühle der Demut und der Trauer ins Zentrum stellte, und die katholische Kirche dieses Anliegen unterstützte, verfolgten staatliche Institutionen eine andere Gefühlspolitik, die sich eher an klassischen Formen der feierlichen Glorifizierung orientierte.

So kam es über die Jahre zur Entstehung und Etablierung neuer emotional templates, die auch dazu beitrugen, die Gefühlswelten dieser Institutionen zu transformieren und neu zu strukturieren




Die Trauerpolitik des italienischen Faschismus

Hannah Malone

Benito Mussolinis faschistisches Regime politisierte die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, indem es eine Erzählung von Heldentum mit spezifischen Vorstellungen von Trauer verband. Angesichts der vielen Toten war das Gedenken an die Gefallenen ein höchst emotionales Thema, das dem Regime ein wirksames Mittel zur politischen Kommunikation bot.

Die faschistischen Behörden waren bestrebt, die Gefühle der italienischen Bevölkerung für ihre Verstorbenen zu instrumentalisieren, um die Menschen zu mobilisieren. Emotionen definierten die politische Agenda. Um dieses hohe Maß an Kontrolle über die Emotionen zu erreichen, entwickelte die italienische Diktatur Manipulationsstrategien, die später von anderen autoritären Mächten wie Hitler-Deutschland und Spanien unter Franco nachgeahmt wurden.

Die hier untersuchten Ossuarien (Beinhäuser) provozierten bei den Besuchern bestimmte emotionale Reaktionen, diese aufzuzeigen offenbart die politischen Absichten der faschistischen Bauherren. Architektur und ihr Diskurs funktionierten als Träger emotionaler Botschaften des Regimes.

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