Laborkonzert

Gitarrenquartett Cuarteto Apasionado spielt für die Wissenschaft

26. Mai 2011

Das Projekt „Interactive Brains, Social Minds“ am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersucht, wie Menschen ihre Handlungen miteinander koordinieren. Höhepunkt einer dieser Studien wird nun ein öffentliches Laborkonzert sein, bei dem die Hirnaktivität von vier Musikerinnen und von vier Zuschauern gemessen wird.

In den vergangenen Monaten verlegten die vier Gitarristinnen des Berliner „Cuarteto Apasionado“ ihre Proben immer wieder ins Elektroenzephalographie (EEG)-Labor des Forschungsbereichs Entwicklungspsychologie (Leitung Prof. Ulman Lindenberger). So konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projekts den „Gleichklang“ ihrer Gehirne beim vierstimmigen Spiel untersuchen.

Vorausgehende Studien mit Gitarrenduetten hatten bereits ergeben, dass beim gemeinsamen Musizieren eine Synchronisation der Gehirnaktivität stattfindet – ein Hinweis darauf, dass synchrone Hirnwellen eine Voraussetzung für die erfolgreiche Handlungskoordination mehrerer Personen sein könnten.

Um dieser Spur nachzugehen, wurde im Anschluss nun ein größeres Ensemble bei komplexerer Musik untersucht. Viktor Müller und Johanna Sänger zeichneten Hirnwellen, Herz- und Atmungsaktivitätvon vier professionellen Gitarristinnen auf, während diese zwei Stücke einstudierten – so, als wären sie in ihrem gewohnten Proberaum. Im Zentrum stand die Frage, wie Synchronisation entsteht und sich im Verlauf der Proben entwickelt. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die vier Gehirne aufeinander einstimmen und sich im Probenverlauf zu einem funktionalen Netzwerk verbinden. „Das Netzwerk ändert seine funktionale Konfiguration in Abhängigkeit von der Situation und dem, was gespielt wird. Welche Auswirkung das Üben auf das neuronale Geschehen hat und wie sich die Struktur des gemeinsamen Netzwerkes beim stetigen Besserwerden verändert, wollen wir mit der bevorstehenden Auswertung zeigen“, erklärt Viktor Müller, Leiter der Studie.

Höhepunkt dieser Studie wird ein öffentliches „Laborkonzert“ am 17. Juni sein, bei dem das Cuarteto Apasionado unter anderem die beiden während der Labormessungen geprobten Stücke „Libertango“ (Astor Piazolla) und „Comme un Tango“ (Patrick Roux) vorträgt. Zugleich wird der Fokus auf die Musizierenden um den Aspekt der Zuhörer erweitert. Denn nicht nur die vier Gitarristinnen werden mit dem EEG untersucht, sondern auch vier Gäste aus dem Publikum: Zwei musikalisch Beschlagene sowie zwei Musiklaien. Unter anderem wird überprüft, welche neuronalen Effekte sich jeweils bei den Konzertierenden und den Zuhörern zeigen, aber auch was zwischen den beiden Gruppen unter realen Konzertbedingungen passiert. „Uns interessiert, ob sich Effekte, die wir in der Probensituation gesehen haben, durch die Anwesenheit von Zuschauern verändern. Außerdem möchten wir wissen, inwiefern sich Synchronisation und funktionelle Verbindungen zwischen den Gehirnen von Musikern und Zuhörern zeigen lassen“, führt Johanna Sänger, Doktorandin des Projektes, die Erwartungen an das Experiment aus.

Zu diesem Experiment möchten wir Sie herzlich einladen. Prof. Ulman Lindenberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wird zum Auftakt kurz in die Thematik einführen. Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit zum Austausch mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Musikerinnen.

Cuarteto Apasionado

Auf unterschiedlichen Wegen absolvierten Vivian Hanjohr, Andrea Hoehnel, Gabriele Hoehnel und Petra Patzer das Studium der Konzertgitarre an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Ob traditionelle spanische und lateinamerikanische Musik, berühmte Orchesterwerke oder Originalstücke unserer Zeit - mit überraschenden Klängen und effektvollen Einlagen geht ihr Repertoire über die bekannte Gitarrenmusik hinaus.

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