Plastizität bei Kindern

Reifung, Seneszenz und Lernen beeinflussen einander im Laufe der Zeit und führen so zu einzigartigen Verläufen kognitiver Entwicklung über die menschliche Lebensspanne. Die Entwicklung während der Kindheit und Jugend ist durch weitreichende Veränderungen des Gehirns gekennzeichnet. Sie sind durch ein komplexes Wechselspiel der Veränderungen der Integrität von weißer und grauer Substanz charakterisiert. Die Entwicklung von weißer und grauer Substanz ist in frontalen und parietalen Hirnregionen besonders ausgeprägt — denjenigen Regionen, die exekutive Funktionen und kognitive Kontrolle steuern. Parallel zu diesen protrahierten Reifungsprozessen in Hirnfunktion und -struktur ist das kindliche Gehirn besonders stark durch Erfahrung veränderbar, was die spätere neurokognitive Entwicklung beeinflussen kann. Deshalb untersuchen wir, wie sich das reifende Gehirn veränderlichen Umwelteinflüssen während der Kindheit und Jugend anpasst. In diesem Zusammenhang interessieren uns die Fähigkeiten von Kindern, das Lernen und Gedächtnis zu kontrollieren und eigene Gedanken und Handlungen flexibel zu regulieren.

Einerseits wollen wir altersbedingte Unterschiede der behavioralen und neuronalen Plastizität und den Grad ihrer Abhängigkeit vom Reifegrad der zugrundeliegenden Hirnnetzwerke untersuchen. Andererseits fragen wir, wie erfahrungsinduzierte Hirnveränderungen die langfristige Entwicklung während der Kindheit und des späteren Erwachsenenalters beeinflussen. Einige unserer Forschungsfragen lauten:

  • Wie unterscheiden sich die Mechanismen der Plastizität zwischen früher und späterer Kindheit?
  • Wirkt sich die Pubertät auf Verhaltens- und neuronale Plastizitätserscheinungen aus?
  • Auf welche Weise beeinflussen neuronale und behaviorale Veränderungen infolge von Trainings die spätere neurokognitive Entwicklung?
  • Wirken sie sich auch auf das "wirkliche Leben" aus, beispielsweise auf schulische Leistungen?
  • Welche neuronalen und behavioralen Kennwerte sagen individuelle Unterschiede in Lern- und Trainingsgewinnen bei Kindern vorher?
FLEX-Studie
In der FLEX-Studie untersuchen wir Lern-, Konzentrations- und Merkfähigkeit bei Kindern, um grundlegende Lernprozesse zu verstehen. mehr

Ausgewählte Publikationen

Ghetti, S., & Fandakova, Y. (2020). Neural development of memory and metamemory in childhood and adolescence: Toward an integrative model of the development of episodic recollection. Annual Review of Developmental Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1146/annurev-devpsych-060320-085634
Laube, C., van den Bos, W., & Fandakova, Y. (2020). The relationship between pubertal hormones and brain plasticity: Implications for cognitive training in adolescence. Developmental Cognitive Neuroscience, 42, Article 100753. https://doi.org/10.1016/j.dcn.2020.100753
Fandakova, Y., & Gruber, M. J. (2020). States of curiosity and interest enhance memory differently in adolescents and in children. Developmental Science. Advance online publication. https://doi.org/10.1111/desc.13005
Fandakova, Y., Leckey, S., Driver, C. C., Bunge, S. A., & Ghetti, S. (2019). Neural specificity of scene representations is related to memory performance in childhood. NeuroImage, 199, 105–113. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2019.05.050
Fandakova, Y., Selmeczy, D., Leckey, S., Grimm, K. J., Wendelken, C., Bunge, S. A., & Ghetti, S. (2017). Changes in ventromedial prefrontal and insular cortex support the development of metamemory from childhood into adolescence. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 114(29), 7582–7587. https://doi.org/10.1073/pnas.1703079114
Zur Redakteursansicht