Plastizitätsmechanismen und -progression

In diesem Projekt beschäftigen wir uns mit der Frage, ob und wie Plastizität zur Entwicklung über die Lebensspanne beiträgt. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt der Beziehung zwischen neuronalen und behavioralen Ausprägungen der Plastizität.

Das menschliche Gehirn hat eine wesentliche Kapazität, sich an veränderliche Umweltanforderungen anzupassen, indem es seine Funktionsweise und Struktur verändert (siehe Lövdén, Wenger, Mårtensson, Lindenberger, & Bäckman, 2013). Die zentralen Ziele dieses Projekts bestehen darin, die Mechanismen und sequentielle Progression der Verhaltens- und neuronalen Plastizität über die Lebensspanne aufzudecken. Wir gehen davon aus, dass Plastizität durch eine Diskrepanz zwischen Umweltanforderungen und aktuellen Verhaltens- und neuronalen Ressourcen von Individuen ausgelöst wird (vgl. Kühn & Lindenberger, 2017). Das Projekt interessiert sich für plastische Veränderungen über die Lebensspanne, die durch Diskrepanzen in beide Richtungen induziert werden: es betrachtet Situationen, in denen die aktuellen Anforderungen höher sind als die verfügbare Kapazität (z. B. in kognitiven Trainingsstudien), sowie Situationen, in denen die Kapazität höher ist als die aktuellen Anforderungen (wie z. B. bei sensorischer Deprivation). Kognitive Interventionen durch Trainingsstudien, in denen bestimmte Gehirnregionen und Netzwerke gefordert werden, die wiederum eine ganz spezifische Fähigkeit unterstützen, spielen dabei eine zentrale Rolle. Da die Mechanismen solcher Veränderungen und die sequentielle Progression von Plastizität bisher wenig erforscht sind, ist es unser Ziel, diese Lücke in der Forschungslandschaft zu schließen.


Forschungsschwerpunkte


Aktuelles

FLEX-Studie
In der FLEX-Studie untersuchen wir Lern-, Konzentrations- und Merkfähigkeit bei Kindern, um grundlegende Lernprozesse zu verstehen. mehr

Ausgewählte Publikationen

Lindenberger, U., Wenger, E., & Lövdén, M. (2017). Towards a stronger science of human plasticity. Nature Reviews Neuroscience, 18, 261–262. https://doi.org/10.1038/nrn.2017.44
Wenger, E., Brozzoli, C., Lindenberger, U., & Lövdén, M. (2017). Expansion and renormalization of human brain structure during skill acquisition. Trends in Cognitive Sciences, 21(12), 930–939. https://doi.org/10.1016/j.tics.2017.09.008
Kühn, S., & Lindenberger, U. (2016). Research on human plasticity in adulthood: A lifespan agenda. In K. W. Schaie & S. L. Willis (Eds.), Handbook of the psychology of aging (8th ed., pp. 105–123). Academic Press. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-411469-2.00006-6
Lövdén, M., Wenger, E., Mårtensson, J., Lindenberger, U., & Bäckman, L. (2013). Structural brain plasticity in adult learning and development. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 37(9, Part B), 2296–2310. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2013.02.014
Lövdén, M., Bäckman, L., Lindenberger, U., Schaefer, S., & Schmiedek, F. (2010). A theoretical framework for the study of adult cognitive plasticity. Psychological Bulletin, 136(4), 659–676. https://doi.org/10.1037/a0020080
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