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Die Dynamik individueller Variabilität über die Lebensspanne

Das übergreifende Ziel dieses Projekts ist die Untersuchung von Theorien und Forschungsdesigns, die menschliche Entwicklung über Zeitskalen, Analyseebenen und Funktionsbereiche hinweg ausdrücken. Das Projekt setzt voraus, dass ein umfassendes Verständnis der Verhaltensentwicklung über die Lebensspanne einen personenorientierten, multivariaten und längsschnittlichen Ansatz erfordert. Nur eine hohe Dichte von Beobachtungen einzelner Personen erlaubt Forschern die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen und Funktionen von Variabilität und Veränderung zur Abgrenzung dynamischer Eigenschaften menschlichen Verhaltens (z.B. Flexibiliät, Plastizität, Fluktuation und Anpassungsfähigkeit). Solch eine Datendichte macht Neuentdeckungen und Hypothesenüberprüfung möglich, erfordert aber auch neue Theorien und Methoden. Das Projekt stellt sich diesen Herausforderungen durch Schwerpunktsetzung auf Methodologie—als produktives Zusammenspiel zwischen inhaltlicher Forschung und Methodenentwicklung. In diesem Zusammenhang arbeitet das Projekt eng mit dem Projekt Methoden in der Lebenspannenpsychologie zusammen.

Forschungsschwerpunkte

Zusammenhänge zwischen Intraindividueller Variabilität und Veränderung über Verschiedene Funktionsbereiche und Zeitskalen hinweg

Untersuchungen mit Daten der COGITO-Studie (siehe unten) betreffen intraindividuelle Variabilität und Veränderung in Zeitskalen. Diese reichen von Variabilität von Reaktionszeiten von Moment zu Moment, über Fluktuationen der kognitiven Leistungsfähigkeit von Tag zu Tag, zu Veränderungen über Jahre, wie die langfristigen Auswirkungen des umfassenden kognitiven Trainings von COGITO auf kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften. Die Analysen konzentrieren sich auf intraindividuelle Zusammenhänge zwischen Konstrukten über die Zeit, beispielsweise Kopplungen zwischen Fluktuationen in positiver Stimmung und im Arbeitsgedächtnis von Tag zu Tag.

DIe Verwendung von kontinuierlichen Zeitmodellen und Moderierten ZeitreihenModellen zur Analyse Menschlicher Entwicklung in verschiedenen Zeitskalen und Kontexten

Während sich die meisten psychologischen Prozesse kontinuierlich über die Zeit entwickeln, müssen wir sie von diskreten Messzeitpunkten herleiten. Das Ziel ist es, die Mechanismen, die einem sich kontinuierlich entfaltenden Prozess wie der menschlichen Entwicklung zugrunde liegen, anhand einzelner zeitlicher Schnappschüsse zu rekonstruieren. Kontinuierliche Zeitmodelle sind dazu gut geeignet. Sie verknüpfen Beobachtungen in diskreter Zeit und kontinuierliche Zeitparameter mit Hilfe stochastischer Differentialgleichungen. Nicht nur kann diese Methode Verzerrungen aufgrund der Variabilität von Messungszeiten beheben und die Vergleichbarkeit über unterschiedliche Forschungsdesigns verbessern, sondern auch wertvolle Informationen über das Wesen von Veränderungen bieten.

Integration von intra- und interindivduellen Informationen bei der Suche nach kausalen Mechanismen

Der wesentliche Anteil empirischer psychologischer Forschung beruht auf der Analyse der Unterschiede zwischen Personen. Im Gegensatz dazu ist angewandte Psychologie im Allgemeinen mit Variationen innerhalb von Einzelnen beschäftigt. Darüber hinaus wirken die von psychologischen Theorien spezifizierten Mechanismen im Allgemeinen eher innerhalb von Individuen als über verschiedene Menschen hinweg. Diese Abkopplung zwischen Forschungspraxis, Anforderungen der angewandten Psychologie und psychologischen Theorien stellt eine Bedrohung der konzeptuellen Integrität des Forschungsfeldes dar. Dieses Projekt arbeitet daran, diese Extrempositionen sowohl konzeptuell als auch methodologisch in Einklang zu bringen.

COGITO

Logo of the COGITO-Study

In der COGITO-Studie nahmen 101 junge Erwachsene (20–31 Jahre alt) und 103 ältere Erwachsene (65–80 Jahre alt) an 100 täglichen Testsitzungen teil, in denen sie an kognitiven Aufgaben zur Erhebung von Wahrnehmungsgeschwindigkeit, episodischem Gedächtnis und Arbeitsgedächtnis arbeiteten und verschiedene Selbsteinschätzungen vornahmen (siehe Schmiedek, Lövdén & Lindenberger, 2010). Alle Teilnehmer führten Prä- und Posttests mit Basismaßen kognitiver Fähigkeiten und Transferaufgaben der geübten Fähigkeiten aus. Hirnmessungen wurden bei einem Teil der Gruppe durchgeführt, einschließlich struktureller und funktioneller Magnetresonanzbildgebung und electroenzephalographischer (EEG) Aufnahmen. Ein zentrales Ziel der COGITO-Studie war der Vergleich der Strukturen kognitiver Fähigkeiten zwischen und innerhalb von Personen. Darüber hinaus fungiert die COGITO-Studie als kognitive Trainingsstudie ungewöhnlich hoher Dosierung und Dauer wegen seiner 100 Sitzungen mit herausfordernden kognitiven Aufgaben.

Neuere Publikationen

Voelkle, M. C. (2017). A new perspective on three old methodological issues: The role of time, missing values, and cohorts in longitudinal models of youth development. In A. C. Petersen, S. H. Koller, F. Motti-Stefanidi, & S. Verma (Eds.), Positive youth development in global contexts of social and economic change (pp. 110–136). New York: Routledge.

Voelkle, M. C., & Adolf, J. (2017). History of longitudinal statistical analyses. In N. A. Pachana (Ed.), Encyclopedia of geropsychology (pp. 1094–1102). New York: Springer. doi: 10.1007/978-981-287-080-3_135

Team

Manuel Voelkle (Assoziiert)

Annette Brose (Assoziiert)
Ulman Lindenberger

Florian Schmiedek
(Assoziiert)

Charles Driver (Postdoc)

Janne Adolf (Doktorandin)

Literatur

Brose, A., Schmiedek, F., Koval, P., & Kuppens, P. (2015). Emotional inertia contributes to depressive symptoms beyond perseverative thinking. Cognition and Emotion, 29, 527–538. doi: 10.1080/02699931.2014.916252

Driver, C. C., Oud, J. H. L., & Voelkle, M. C. (2017). Continuous time structural equation modeling with R package ctsem. Journal of Statistical Software, 77:5. doi: 10.18637/jss.v077.i05

Hertzog, C., Lövdén, M., Lindenberger, U., & Schmiedek, F. (in press). Age differences in coupling of intraindividual variability in mnemonic strategies and practice-related associative recall improvements. Psychology and Aging.

Schmiedek, F., Lövdén, M., & Lindenberger, U. (2010). Hundred days of cognitive training enhance broad cognitive abilities in adulthood: Findings from the COGITO study. Frontiers in Aging Neuroscience, 2:27. doi: 10.3389/fnagi.2010.00027

Voelkle, M. C., Brose, A., Schmiedek, F., & Lindenberger, U. (2014). Towards a unified framework for the study of between-person and within-person structures: Building a bridge between two research paradigms. Multivariate Behavioral Research, 49, 193–213. doi: 10.1080/ 00273171.2014.889593

COGITO-Konferenz 2016

Die internationale Konferenz "The COGITO Study: Looking at 100 Days Ten Years After" fand im Oktober 2016 statt. Führende Verhaltenswissenschaftler nahmen teil. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Cover Programmheft
© Foto: David Ausserhofer

Lifespan Neural Dynamics Group

Die von Douglas Garrett geleitete Lifespan Neural Dynamics Group nahm ihre Arbeit innerhalb dieses Projektes auf und ist jetzt Teil des Max Planck UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research. Mehr Information findet sich hier.

Lifespan Neural Dynamics Group
© Science Photo Library