Unstatistik des Monats: Die Strahlentoten von Fukushima

3. April 2013

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der RWI-Vizepräsident Thomas Bauer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, jeden Monat aktuell publizierte Zahlen und deren Interpretationen. Für den März haben sie die Zahl der 16.000 Toten in den Blick genommen, die in einer Meldung der ARD-Tagesschau vom 11. März im Zusammenhang mit dem Reaktorunglück von Fukushima genannt wurde.

Das MRT-Modell bietet den Testpersonen vorab einen Einblick in die Abläufe.

Die Nachrichtensendung meldete: „Japan gedenkt heute der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vor zwei Jahren. Ein Erdbeben der Stärke neun hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu 20 Meter hohe Tsunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben. Tausende gelten immer noch als vermisst.“

Diese Meldung suggeriert, dass die 16.000 zu beklagenden Toten auf den Reaktorunfall zurückzuführen sind. Tatsächlich sind im unmittelbaren Umfeld des Kernkraftwerks bisher zwei Menschen ums Leben gekommen – und das wohl auch nicht durch die Strahlenbelastung: Die beiden Mitarbeiter der Betreiberfirma wurden zwar auf dem Gelände der Atomanlage tot aufgefunden, vermutlich wurden aber auch sie durch das Beben oder den Tsunami getötet.

Zur Aktion „Unstatistik des Monats“

Gemeinsam mit dem RWI-Vizepräsidenten Thomas Bauer (Rheinisch-Westfälisches-Institut für Wirtschaftsforschung) und dem Dortmunder Statistiker Walter Krämer (TU Dortmund) hat der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Mit dieser Maßnahme hinterfragen die Wissenschaftler jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit statistischen Daten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu deuten und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoll und allgemein verständlich zu beschreiben.

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