The Face Game: Ein Citizen Science-Projekt untersucht, wie sich künstliche Intelligenz Menschen gegenüber zeigt 

Neues Projekt von den Machern des Moral Machine-Experiments 

12. Juni 2023

Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die sozialen Medien. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie eine KI-Persona ihr Profilbild in den sozialen Medien gestalten würde? The Face Game ist ein Forschungsprojekt, in dem Menschen und KI miteinander interagieren, um herauszufinden, welches Gesicht die KI sich geben würde, je nach ihren Zielen und den Menschen, mit denen sie interagiert. Dieses multidisziplinäre Projekt von Forschenden, die auch das berühmte Moral Maschine-Experiment entwickelt haben, soll helfen, die Zukunft der Interaktion mit KI zu verstehen und zu gestalten. 

Profilbilder von menschlichen Gesichtern sind im Internet allgegenwärtig und spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des ersten Eindrucks, den wir auf andere machen. KI gibt den Menschen heute die Möglichkeit, ihr Online-Erscheinungsbild nach Belieben zu verändern und sich oft jünger oder attraktiver erscheinen zu lassen. Aber das ist erst der Anfang: Die KI hilft uns nicht nur dabei, dieses „Spiel“ mit unserem Äußeren untereinander zu spielen, sondern sie lernt dieses Spiel auch von uns und entscheidet stillschweigend, mit welchem Gesicht sie sich präsentiert, wenn sie mit uns interagiert. 

Um diese Mechanismen besser zu verstehen, haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der Toulouse School of Economics, der University of Exeter und der University of British Columbia zusammen mit der Universidad Autonoma de Madrid und der Université Paris Cité The Face Game entwickelt. In diesem Online-Experiment interagieren Menschen mit Menschen und mit neuronalen Netzen, und alle – inklusive der KI – posten ihre Profilbilder und reagieren auf die Profilbilder anderer. Das Spiel zielt darauf ab, zu verstehen, wie die KI lernt, verschiedene Gesichter für sich selbst auszuwählen – abhängig von dem Eindruck, den sie erwecken möchte und den Menschen, mit denen sie interagiert. 

„Da wir zunehmend auf KI-Replikanten mit selbst generierten Gesichtern stoßen, müssen wir verstehen, was sie aus der Beobachtung unseres Spiels mit dem Äußeren lernen. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Kontrolle darüber behalten, wie wir mit diesen digitalen Entitäten interagieren", sagt Iyad Rahwan, Direktor am Forschungsbereich Mensch und Maschine des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Sein Forschungsbereich beschäftigt sich mit ethischen Fragen in Bezug auf KI und dem Konzept des Maschinen-Verhaltens (Machine Behavior). 

Dieses Projekt stammt von jenem Forschungsteam, das auch die Moral Machine, ein großangelegtes Online-Experiment, entwickelt hat,welches sich 2016 viral verbreitete. Es untersuchte ethische Dilemmata, mit denen wir angesichts autonomer Fahrzeuge konfrontiert sind und zeigte sowohl universelle Prinzipien als auch kulturübergreifende Unterschiede auf, wie Menschen möchten, dass sich KI verhält. Die Ergebnisse wurden in führenden Fachzeitschriften, darunter Science und Nature, veröffentlicht. 

The Face Game wurde von Forschenden der Universität Autonoma de Madrid technisch entwickelt und umgesetzt und nutzt multimodale KI-Methoden, einschließlich der Analyse menschlichen Verhaltens unter Verwendung von diskriminierungssensiblem maschinellem Lernen und realistischen synthetischen Gesichtsbildern

Weiterlesen:  

Porträts von Rahwan, Bonnefon und Moreno
Iyad Rahwan vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Jean-Francois Bonnefon von der Toulouse School of Economics und Aythami Morales Moreno von der Universidad Autonoma de Madrid sprechen über die Motivation für ihr Projekt, die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind und die drängendsten Fragen zur rasanten Entwicklung von KI.   mehr

Beteiligte Institutionen:

MPI für Bildungsforschung (MPIB) 
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa. Projektbeteiligte: Prof. Iyad Rahwan, Dr. Nils Köbis, Amee Assad 

Toulouse School of Economics (TSE) 
Die Toulouse School of Economics ist ein weltweit anerkanntes Forschungs- und Bildungszentrum mit mehr als 150 internationalen Dozenten, darunter ein Nobelpreisträger von 2014. Sie gehört zu den 10 besten Wirtschaftsfakultäten weltweit und hat den Auftrag, "Wirtschaft für das Gemeinwohl" zu fördern. 
Projektbeteiligter:  Prof. Jean-Francois Bonnefon  

University of Exeter  
Die University of Exeter ist eine Universität der Russell Group, die Weltklasse-Forschung mit einer hohen Zufriedenheit der Studierenden verbindet. Exeter hat über 30.000 Studierende und gehört zu den 15 besten Universitäten im Guardian University Guide 2023 und zu den 150 besten Universitäten weltweit in den QS World Rankings 2022 und THE World University Rankings 2023. Projektbeteiligter: Dr. Edmond Awad 

University of British Columbia  
Die University of British Columbia ist ein weltweites Zentrum für Lehre, Lernen und Forschung, das immer wieder zu den drei besten Universitäten Kanadas und zu den 20 besten öffentlichen Universitäten der Welt zählt. Projektbeteiligter: Prof. Azim Shariff 

Universidad Autonoma de Madrid  
Die Universidad Autonoma de Madrid ist eine führende Forschungs- und Bildungseinrichtung in Spanien, die gut mit den wichtigsten KI-Forschungsnetzen und Initiativen in Europa wie ELLIS (über die ELLIS Unit Madrid) vernetzt ist. Die UAM hat sich seit langem durch ihre Beiträge zur Biometrieforschung und zur angewandten KI einen Namen gemacht. 
Projektbeteiligte: MSc. Ignacio Serna, Prof. Julian Fierrez, Assoc. Prof. Aythami Morales.
 
Université Paris Cité 
Das LaPsyDE-Labor der Université Paris Cité und des französischen Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) ist ein führendes Zentrum für die Untersuchung des menschlichen Denkens und seiner Entwicklung. 
Projektbeteiligter: Prof. Wim De Neys 

 

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