Thorsten Pachur

 

Senior Research Scientist

Forschungsbereich Adaptive Rationalität

Publikationen

Kontakt:
Telefon: +49 30 82406-335
E-Mail: pachur@mpib-berlin.mpg.de

Akademischer Steckbrief:

  • Habilitation, 2012, Universität Basel
  • Dr. phil., 2006, Freie Universität Berlin
  • Dipl.-Psych., 2002, Freie Universität Berlin
  • MSc Health Psychology, 2002, University of Sussex

Projekte


Forschungsinteressen:

Entscheidungsfindung unter Risiko
Oft treffen wir Entscheidungen, ohne die Konsequenzen zu kennen, die sich aus diesen Entscheidungen ergeben werden – zum Beispiel bei der Wahl von Aktien, Partnern oder medizinischen Behandlungen. Mich interessieren die kognitiven Prozesse, die diesen Entscheidungen unter Risiko zugrunde liegen. Inwieweit berücksichtigen Entscheidungsträger die möglichen Folgen einer Option inklusive ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit? Wie weichen die tatsächlichen kognitiven Prozesse von den in den Wirtschaftswissenschaften gebräuchlichen theoretischen Modellen ab? Und wie verändert sich die Entscheidungsfindung unter Risiko über die Lebensspanne? Weitere Themen sind die Rolle von Affekten und Emotionen bei diesen Entscheidungen und das Verhältnis verschiedener Modellierungsansätze von Entscheidungen unter Risiko.

Entwicklung der Entscheidungsfindung über die gesamte Lebensspanne
Entscheidungsfindung greift auf eine Vielzahl von kognitiven und affektiven Funktionen zurück. Diese Funktionen unterliegen in unterschiedlichem Maße der Entwicklung und dem Wandel von der Kindheit bis zur Jugend und vom jungen Erwachsenenalter bis ins hohe Alter. Ich untersuche, wie die Entscheidungsfindung sich in den verschiedenen Stadien des Lebens unterscheidet – einschließlich Beurteilen, Schlussfolgern, Präferenzen, intertemporale Entscheidungen und Entscheidungen unter Risiko. Wie hängen diese Veränderungen mit der Dynamik der zugrundeliegenden kognitiven und affektiven Funktionen zusammen? Wie wirkt sich beispielsweise der höhere positive Affekt (im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen), vom dem ältere Erwachsener berichten, auf ihre Risikobereitschaft aus?

Wie Aufmerksamkeit Entscheidungen steuert
Bevor wir eine Entscheidung treffen, suchen wir in der Regel nach relevanten Informationen, entweder im Gedächtnis oder extern. Anschließend werden die erfassten Informationen verarbeitet. Diese Prozesse werden von Aufmerksamkeitsprozessen begleitet, die durch Eye-Tracking oder andere Methoden zur Prozessverfolgung gemessen werden können. In meiner Forschung versuche ich zu verstehen, wie Aufmerksamkeitsprozesse und nachfolgende Entscheidungen miteinander verbunden sind. Können wir vorhersagen, welche Entscheidung eine Person treffen wird, basierend auf den Mustern der Aufmerksamkeitsverteilung vor einer Entscheidung? Wie entscheiden Entscheidungsträger, wann sie die Informationssuche beenden sollen? Welche Prozesse formen die Suche im Gedächtnis (z. B. kontrollierte Suche vs. automatische Aktivierung) und welche neuronalen Mechanismen sind beteiligt?

Entscheidungsfindung in einer sozialen Welt
Um Rückschlüsse auf die Welt zu ziehen – beispielsweise bei der Beurteilung von Gesundheitsrisiken oder Verbraucherpräferenzen – verwenden wir häufig Beobachtungen von Menschen, die wir kennen. Ich untersuche, wie unser soziales Gedächtnis strukturiert ist und wie diese Strukturen Suchprozesse in unserem sozialen Gedächtnis steuern. Schließlich interessiert mich, wie sich die Struktur der sozialen Netzwerke auf die Zusammenarbeit auswirkt, also ob soziale Kontakte gleichmäßig auf die Netzwerkmitglieder verteilt sind oder sich hauptsächlich auf einige wenige Mitglieder konzentrieren.

Adaptive Entscheidungsfindung
Die an einer Entscheidung beteiligten Schritte der Informationsverarbeitung können als kognitive Strategien beschrieben werden. Der Verstand verfügt über ein Repertoire – oder einen Werkzeugkasten – verschiedener Strategien, die je nach Umstand am besten geeignet sind und unterschiedlichen Zwecken dienen. In meiner Forschung versuche ich zu verstehen, unter welchen Bedingungen die verschiedenen Strategien ausgewählt werden. Wann verwenden Menschen einfache und wann aufwändigere Strategien? Warum funktionieren einfache Strategien oft recht gut, zum Beispiel durch die Nutzung systematischer Strukturen der Umwelt? Wie lernen die Menschen, welche Strategie sie anwenden sollen und welche kognitiven Fähigkeiten an der Auswahl und Umsetzung einer Strategie beteiligt sind? Inwiefern unterscheiden sich Experten und Laien in ihrer Strategieauswahl?


Ausgewählte Literatur:

  • Schulze, C., Hertwig, R., & Pachur, T. (in press). Who you know is what you know: Modeling boundedly rational social sampling. Journal of Experimental Psychology: General.
  • Zilker, V., Hertwig, R., & Pachur, T. (in press). Age differences in risk attitude are shaped by option complexity. Journal of Experimental Psychology: General. 

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