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"Unstatistik des Monats"

Gemeinsam mit dem RWI-Vizepräsidenten Thomas Bauer (Rheinisch-Westfälisches-Institut für Wirtschaftsforschung) und dem Dortmunder Statistiker Walter Krämer (TU Dortmund) hat der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Bildungsforschung, im Jahr 2012 die Aktion "Unstatistik des Monats" ins Leben gerufen.

Mit dieser Maßnahme hinterfragen die Wissenschaftler jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit statistischen Daten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu deuten und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoll und allgemein verständlich zu beschreiben.

"Es gibt eine Art Analphabetismus im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten und Risiken." (Gerd Gigerenzer)

Im Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition (ABC) widmet sich das MPI für Bildungsforschung mit einem Team von Wissenschaftlern um Direktor Gigerenzer in zahlreichen Studien der Frage, wie Menschen Entscheidungen unter unsicheren Umständen treffen. Im angegliederten Harding Zentrum für Risikokompetenz steht die Vision eines mündigen Bürgers im Fokus der Forschung, der mit den Risiken einer modernen technologischen Welt informiert umzugehen versteht.

Ergebnisse aus Studien und Experimenten sowie aus Umfragen in der Bevölkerung sollen dabei helfen, Risiken kompetent und richtig zu beurteilen. Fort- und Weiterbildungen für Ärzte sowie für Journalisten, für deren Arbeit eine korrekte Interpretation sowie eine transparente und verständliche Kommunikation von statistischen Daten essentiell sind, bietet das Harding Zentrum ebenfalls an.

Fußballfans haben die höchste Bildung

Presseinformation vom 31. August 2016

Die Unstatistik des Monats August 2016 beschäftigt sich mit einer Nutzerbefragung der Online-Plattform Xing zum Bildungsstand von deutschen Fußballfans.

Wer es noch nicht gewusst hat – Fußball ist Bildungsland: „Auf Platz 1: der SC Freiburg. 73,4 Prozent seiner Fans haben laut ,Xing' einen Hochschulabschluss“, so berichtete der Südkurier. Selbst der Drittletzte in diesem neuesten Bildungsranking der Bundesliga-Vereine strotzt vor Intelligenz: „Mehr als die Hälfte (63,5 Prozent) der HSV-Fans hat einen Hochschulabschluss", weiß das norddeutsche Zeitungsportal shz.de zu berichten. All das hat angeblich Xing bei einer Befragung seiner Nutzer herausgefunden.

Wie kann das sein? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Deutschland wiederholt wegen der geringen Akademikerrate gerügt. Im Jahr 2015 verfügten in Deutschland nur 16,3 Prozent der Bevölkerung über einen Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Diplom oder Promotion, siehe www.destatis.de). Wenn aber selbst unter den HSV-Fans mehr als die Hälfte angeblich einen Hochschulabschluss haben, dann stimmt hier etwas nicht.

In der Tat. Die berichteten Prozentzahlen beziehen sich nicht auf die Mitglieder der Fußballvereine, sondern nur auf jene, die zugleich Mitglied bei Xing sind. Die Zahlen betreffen also die Schnittmenge. Da Xing, wie der Konkurrent Linkedin, überdurchschnittlich viele Akademiker als Mitglieder hat, gibt es dort auch viele Hochschulabschlüsse – bei Xing, nicht beim HSV. Mit anderen Worten: Die Mitglieder von Xing sind weder repräsentativ für die Bevölkerung noch für alle Fußballfans in Deutschland. Hier ist Journalisten ein altbekannter Fehler unterlaufen: Man berichtet eine korrekte Prozentzahl, aber die falsche Referenzklasse. Richtig wäre gewesen: 73,4 Prozent der Xing-Mitglieder, die zugleich Fans des FC Freiburg sind, haben einen Hochschulabschluss. Die Moral der Geschichte lautet: Frage immer „Prozent von was?

Das Spiel mit der Angst

Presseinformation vom 20. Juli 2016

Die Unstatistik des Monats Juli 2016 beschäftigt sich mit Medienberichten über die wachsende Angst der Deutschen vor Terroranschlägen.

Die Angst der Deutschen wächst – insbesondere die vor Terroranschlägen. Viele Medien berichteten Anfang dieses Monats von den Ergebnissen einer Angststudie der R+V Versicherung, darunter die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Studie: Terror-Angst der Deutschen wächst“, die Bild-Zeitung unter dem Titel „Terror ist die größte Sorge der Deutschen!“ und der Westdeutsche Rundfunk unter „Nizza und die Folgen: Feiern gegen die Angst?“. Nach dieser Studie fürchteten sich 73 Prozent der 2.400 befragten Personen davor, dass „terroristische Vereinigungen Anschläge verüben“. Auch international stehen die Deutschen mit dieser Angst an der Spitze. Nach einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew befürchten 61 Prozent der befragten Deutschen, dass der Flüchtlingszustrom die Wahrscheinlichkeit von Terrorismus erhöhe. Damit belegt Deutschland unter den zehn Ländern, in denen die Befragung durchgeführt wurde, nach Ungarn und Polen den dritten Platz.

Die Umfrageergebnisse stellen an sich noch keine Unstatistik dar. Bedenklich ist vielmehr, dass – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht versucht wurde, die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags in Relation zu anderen Gefahren des Lebens zu stellen. So war es in Deutschland in den vergangenen Jahren wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen als Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden. Selbst in den USA ist es in den meisten Jahren wahrscheinlicher von einem Kleinkind erschossen zu werden, das mit den Waffen der Eltern herumspielt, als durch einen Terroristen. Mit derartigen Informationen könnte man nicht nur der Angst der Bevölkerung entgegenwirken, sondern auch den Terrorismus entwaffnen. Dessen Ziel ist es ja gerade, Angst zu verbreiten.

Sollten Sie sich aufgrund der terroristischen Anschläge entschieden haben, dieses Jahr mit dem Auto an die Nord- oder Ostsee oder in die Alpen zu fahren – fahren Sie vorsichtig! Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dabei einen tödlichen Verkehrsunfall haben, ist um ein Vielfaches höher als in der Türkei oder auf Djerba Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Krebs durch Erdölförderung?

Presseinformation vom 30. Mai 2016

Die Unstatistik des Monats Mai sind die vermeintlich unnatürlichen Häufungen von Krebserkrankungen in der Nähe von Erdöl- oder Erdgasförderstätten sowie Fracking- und Atomanlagen, die seit Jahrzehnten die Menschen beunruhigen.

Aktueller Anlass ist der Artikel „Die rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Mai 2016: Von den 2.500 Einwohnern dieses Ortes im Landkreis Nienburg sind im Zeitraum von 2005 bis 2013 20 Personen an Leukämie oder Tumoren des Lymphgewebes erkrankt. Im Durchschnitt seien aber nur 12 Fälle zu erwarten, so der Artikel, deshalb sei diese Häufung nicht durch Zufall zu erklären, also statistisch signifikant. Ein möglicher Auslöser sei das bei der Erdölförderung rund um Rodewald entwichene Benzol.

In Wahrheit sind solche Häufungen alles andere als signifikant. Sie sind im Gegenteil normal. Teilt man etwa alle 223.000 im Jahr 2014 durch Krebs verursachten Todesfälle (ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland insgesamt) rein zufällig auf die 11.100 Gemeinden des Landes auf, so wird es viele Gemeinden geben, in denen weit mehr als ein Viertel aller Verstorbenen an Krebs gestorben sind, aber auch viele Gemeinden mit einer Krebsmortalität von weit weniger als 25 Prozent. Aber diese Abweichungen sind ein rein zufällig und fast sicher zu erwarten. Hätten etwa alle Gemeinden Deutschlands so wie Rodewald 2.500 Einwohner, läge die Wahrscheinlichkeit, dass in mindestens einer davon in 9 Jahren statt der erwarteten 12 mehr als 19 Leukämie-Erkrankungen auftreten, bei über 99,9 Prozent. Selbst die Wahrscheinlichkeit, dass in 10 oder mehr Gemeinden solche Häufungen rein zufällig vorkommen, betrüge noch mehr als 95 Prozent.

Natürlich können solche Häufungen auch systematische Ursachen haben, ein Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Zahl an Krebserkrankungen und der Erdölförderung in Rodewald ist nicht ausgeschlossen. Aber allein aus den Zahlen 12 und 20 ist dieser niemals zu beweisen. Üblicherweise ergibt das Nachforschen nach systematischen Gründen in solchen Fällen immer das Ergebnis: viel Lärm um nichts.

Altersarmut – eine Null zu viel

Presseinformation vom 26. April 2016

Die Unstatistik des Monats April ist eine Meldung des WDR, der für 50 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Ruhestand in Altersarmut prognostiziert hat („Fast jedem Zweiten droht eine Armutsrente“, Stand: 20. April 2016). Kein Wunder, dass eine solche Zahl zu Deutschlands Rente die Republik in Aufregung stürzt. Nur ist sie falsch, und 5 Prozent ist eine wahrscheinlichere Prognose.

Das Vorgehen des WDR scheint zunächst plausibel. Er ließ sich die augenblickliche Verteilung des Arbeitseinkommens auflisten, nahm an, dass diese auch in Zukunft so bestehen bleibt, und errechnete dann die Rentenansprüche für das bereits jetzt festgelegte niedrigere Rentenniveau im Jahr 2030. Nach dieser Rechnung liegen in der Tat 50 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an oder unter der Grundsicherungsgrenze.

Wo liegen die Fehler? Der erste Denkfehler ist ein Klassiker in der Statistik: Aus Daten eines heutigen Querschnitts kann man nicht auf die Dynamik eines zukünftigen Erwerbslebens schließen. Das folgende krass überzeichnete Beispiel macht das klar: Wenn alle Menschen die erste Hälfte ihres Lebens in Ausbildung mit einem sehr geringen Gehalt verbringen und dann anschließend in der zweiten Lebenshälfte ein so hohes Einkommen hätten, so dass sie auf das ganze Leben bezogen genau das heutige Durchschnittseinkommen erzielten, dann würde die WDR-Methode Altersarmut für die Hälfte der Bevölkerung prognostizieren. Richtig berechnet würde in diesem Beispiel jedoch kein einziger Mensch altersarm werden.

Der zweite Fehler ist ein Klassiker in der Sozialpolitik: Grundsicherung wird nicht auf das individuelle Arbeitseinkommen bezogen, sondern auf das Gesamteinkommen eines Haushalts. Und das liegt in der Regel deutlich über dem Arbeitseinkommen einer einzelnen Person. Laut der WDR-Methode erschiene in einer Ehe mit einem viel und einem wenig verdienenden Partner eine Person altersarm. Nach richtig angewendetem Recht wäre der Haushalt jedoch keineswegs altersarm.

Auch wenn die WDR-Rechnung das Problem der Altersarmut in grotesker Weise überschätzt, ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Berechnungen des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium aus dem Jahr 2013 kommen im pessimistischsten Szenario auf einen Anstieg der Grundsicherungsempfänger von derzeit 3 Prozent auf 5,4 Prozent, also fast eine Verdoppelung. Dennoch: eine Null weniger als beim WDR.

Die Unstatistik des Monats April bezieht sich auf die WDR-Meldung „Fast jedem Zweiten droht eine Armutsrente“vom 20. April 2016.

Nichts dazugelernt – Equal Pay Day weiter falsch

Presseinformation vom 31. März 2016

Die Unstatistik des Monats ist der sogenannte „Equal Pay Day“, dieses Jahr der 19. März. „Bis zu diesem Tag hätten Frauen hierzulande über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu bekommen“ (Die Zeit vom 17. März 2016, Artikel „Männer wollen das doch auch“).

Dieses Datum resultiert aus zwei Überlegungen. Erstens verdienten Frauen im Durchschnitt 21,6 Prozent weniger als Männer. Und wenn Frauen dann zweitens 21,6 Prozent länger arbeiteten als Männer, hätten sie am 19. März das Jahreseinkommen der Männer erreicht.

Beide Überlegungen sind falsch. In gegebenen Berufen verdienen Frauen nicht 21,6 Prozent, sondern um die 5 Prozent weniger als Männer. Das ist zwar gleichfalls ungerecht, aber weit weniger extrem. Die 21,6 Prozent resultieren vor allem daraus, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiten. Dieser Sachverhalt wird in vielen Medien irreführend dargestellt.

Aber auch wenn man die 21,6 Prozent Minderverdienst als korrekt akzeptiert, bleibt der Equal Pay Day falsch. Denn dann müssten Frauen nicht 21,6 Prozent, sondern 27,5 Prozent länger arbeiten, um das Einkommen der Männer zu erreichen. Und 27,5 Prozent der durchschnittlich 220 Arbeitstage eines Jahres erreicht man erst am Mittag des 7. April (bei zwei Urlaubstagen pro Monat). Darauf hat die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) bereits vor Jahren hingewiesen, aber anscheinend ist dieser Fehler nicht auszurotten. Um ein extremes Beispiel zu nehmen: Wenn ein Mann 100 Euro am Tag verdient und eine Frau nur 50 Euro, dann muss die Frau nicht einen halben, sondern einen ganzen Tag länger arbeiten, um auf den gleichen Verdienst zu kommen.

Welches Datum ergibt sich also ohne die beiden Fehler? Bei 5 Prozent weniger Verdienst fällt der Equal Pay Day 2016 auf den 20. Januar, den Todestag der amerikanischen Schauspielerin Audrey Hepburn. Bis dahin hätte Frau Hepburn aber wohl schon mehr verdient als der durchschnittliche amerikanische Mann im ganzen Jahr.

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Anmerkung: Korrigierte Fassung vom 7.4.2016: Auch wir sind nicht ohne Fehler. Aufgrund von Rundungseffekten und der Nichtberücksichtigung der Osterfeiertage hatten wir ursprünglich mit dem 4. April ebenfalls einen falschen Equal Pay Day ausgewiesen.

337 Prozent zu warm!

Presseinformation vom 17. Februar 2016

Schneekanonen funktionieren nicht mehr. Sonnenbaden im T-Shirt im Wiener Burggarten – Die Unstatistik des Monats Februar ist die Berichterstattung der Tageszeitung „Österreich“ und des Wetter-Portals „wetter.at“ vom 7. Februar über den „wärmsten Winter aller Zeiten“.

Ein Klimaexperte erklärte, jedes Kind wisse, dass der Ausstoß von Treibhausgasen daran schuld sei. Und die Journalisten hatten eine innovative Idee, die Erwärmung zu messen. Nicht in Celsius, sondern in Prozent: Im Jänner 337 Prozent zu warm!

Wie fühlen sich 337 Prozent wärmer an? wetter.at berichtete im Artikel „Wärmster Winter aller Zeiten“, dass die übliche Durchschnittstemperatur in Wien im Jänner (deutsch: Januar) 0,8 Grad Celsius sei, während sie in diesem Jahr bei 3,5 Grad lag. Das ist ein Anstieg um 2,7 Grad. Aber auch um 337 Prozent – was dramatischer klingt. Dazu muss man nur 2,7 durch 0,8 teilen.

Beschreibt man Veränderungen (egal, ob Anstiege oder Abfälle) in relativen statt absoluten Zahlen, so kann man damit rechnen, dass mehr Menschen beeindruckt sind. Dies haben wir wiederholt im Rahmen der „Unstatistik des Monats“ veranschaulicht, zuletzt anlässlich der Wursthysterie (Oktober 2015; „18% höheres Darmkrebsrisiko“). Aber ein relativer Anstieg ist immer relativ zum Ausgangspunkt. Wenn man in Wien nicht mit Celsius, sondern mit Fahrenheit rechnen würde, wären relative Angaben weniger beeindruckend: Der Anstieg entspräche dem von 33,4 auf 38,3 Grad Fahrenheit, also einem absoluten Unterschied von 4,9 Grad. Das ergibt aber nur noch 15 Prozent wärmer. In Vienna (Ohio, USA) – ja, diesen Ort gibt es – würde also der Trick mit den 337 Prozent nicht glücken…

Laut dem befragten Klimaexperten wird es in Zukunft mit Sicherheit noch viel wärmer werden. Also können wir im Januar nächsten Jahres vielleicht auf 500 Prozent mehr Wärme hoffen und das T-Shirt hundertprozentig durch Bikini und Badehose ersetzen.

Glyphosat im Urin

Presseinformation vom 31. Januar 2016

Die Unstatistik des Monats Januar ist der wiederholt behauptete Verdacht, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei (Weltgesundheitsorganisation WHO) und „Grund zur Besorgnis“ bestünde (die Präsidentin des Umweltbundesamtes, zitiert in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Januar).

Internet-Plattformen überziehen die Republik seit Monaten mit Shitstorms und Aktivisten verstopfen Tausende von E-Mail-Accounts mit Alarmaufrufen: Glyphosat wurde im Urin von Menschen nachgewiesen!

Doch sogar das Umweltbundesamt selbst sagt, dass „der höchste gemessene Wert um den Faktor 1 000 niedriger“ liege als die EU-Lebensmittelbehörde für vertretbar hält. Es gibt auch keinen Nachweis der Krebsgefahr von Glyphosat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat entsprechend klargestellt, dass Glyphosat kein unverantwortliches Risiko darstelle, eine Einschätzung, die alle anderen nationalen Institute in der EU teilen. Seither muss sich der Präsident des BfR jedoch harte Vorwürfe aus der Bio-Szene anhören: das BfR verharmlose, sei unverantwortlich und gekauft.

Die Schreckensmeldung, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei, wurde von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO in die Welt gesetzt. Diese hat auch Kaffee, Mate, Sonnenlicht und Schichtarbeit als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Und vor kurzem hat sie uns mit der Nachricht in Aufregung versetzt, dass Wurst und Schinken das Risiko einer Darmkrebs-Erkrankung erhöhten (siehe Unstatistik von Oktober 2015). Wenn es nach der IARC ginge, müssten wir uns bald vor allem fürchten. Dabei liegt die größte Gefahr bei uns selbst: 20 bis 30% aller Krebserkrankungen sind die Folge von Zigarettenrauchen. Also: rauchen Sie lieber nicht und genießen ansonsten Ihr Leben!

Das Buch zur "Unstatistik des Monats"

Buchcover

Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik

216 S., zahlreiche Tabellen und Grafiken, Klappenbroschur
EUR 16,99/EUA 17,50/sFr 24,90
ISBN 978-3-593-50030-0
 

Siehe auch

Beteiligte Personen

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer
Direktor des Forschungsbereichs "Adaptives Verhalten und Kognition"
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
sekgigerenzer [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de

Prof. Dr. Thomas Bauer
Vizepräsident Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
(0201) 81 49-264
www.rwi-essen.de

Prof. Dr. Walter Krämer
TU Dortmund
Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik
(0231) 755-31 25
www.tu-dortmund.de