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Effekte des Leseunterrichts auf kognitive Teilprozesse des Lesens (ERIC) - Eine computergestützte Untersuchung in der Grundschule

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Texte flüssig lesen und deren Inhalte verstehen zu können, ist in der Schullaufbahn eine Schlüsselkompetenz und Voraussetzung für den Lernerfolg. In den Grundschuljahren werden die Grundsteine dieser Kompetenz gelegt, die einen großen Einfluss auf die spätere Schullaufbahn haben kann. Deswegen ist das Wissen, wie Lernerfolge und Lerndefizite im Grundschulalter entstehen, so wichtig für Lehre und Forschung.

Das Projekt ERIC ist eine Kollaboration von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) und dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), die sich für das Zusammenspiel von Lernprozessen von einzelnen Schülerinnen und Schülern und Lehrmethoden von Lehrkräften im Deutschunterricht interessieren. Wir wollen untersuchen, welche kognitiven Prozesse für die Lesekompetenz einzelner Schülerinnen und Schüler wichtig sind und wie sich Lehrmethoden auf die Entwicklung dieser Prozesse auswirken. Das Ziel ist es, so ein Bild davon zu bekommen, welche Förderungen und Lerngelegenheiten zu nachhaltigen Lernerfolgen in der Lesekompetenz führen.

Warum die ERIC Studie wichtig ist

Die Grundlagen fuer viele Kompetenzen werden in der Grundschule gelegt. | The pr
© Mauritius

In den letzten Jahrzehnten wurden in Deutschland verschiedene nationale und internationale Schulleistungsstudien durchgeführt (bspw. PISA, IGLU, IQB Ländervergleiche), in denen u.a. auch die Lesekompetenz der Kinder und Jugendlichen erfasst wurde. Diese Studien bieten eine reine Output-Beschreibung der gegenwärtigen Kompetenzstände und stellen kein handlungsrelevantes Wissen zur Optimierung von Lern- und Unterrichtsprozessen zur Verfügung. In der Studie ERIC gehen wir dieses Manko gezielt an. Besonders relevant ist die Kritik des fehlenden Handlungsbezugs in Hinblick auf den Leseunterricht der Primarstufe, da Defizite in der Lesekompetenz zwar häufig erst in der Sekundarstufe diagnostiziert werden, ihre Ursache aber in vielen Fällen in einem ineffizientem Erwerb hierarchieniedriger Teilprozesse des Lesens in der früheren Lernentwicklung in der Grundschule besteht und so basale Prozesse wie die Dekodierung einzelner Wörter betrifft. Vor diesem Hintergrund möchten wir untersuchen, welche Lerngelegenheiten im Leseunterricht in der Primarstufe eingesetzt werden und wie diese didaktischen Maßnahmen zur Entwicklung kognitiver Teilprozesse des Lesens und der Lesekompetenz beitragen.

Was ERIC von anderen Studien unterscheidet

Lehrmethoden können sehr unterschiedlich eingesetzt werden und sich unterschied
© Mauritius

Das Projekt ERIC wird von einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sowie am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin geleitet. In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie ERIC wollen wir die Entwicklung von Teilprozessen des Lesens und das Angebot von Lerngelegenheiten im Deutschunterricht über das letzte Schulhalbjahr der 4. Klasse mitverfolgen und mit den Schülerleistungen am Ende des Schuljahres in einem Leseverständnistests in Beziehung setzen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu dienen, handlungsrelevantes Wissen zu generieren, um Lesedefizite erkennen und gezielt beheben zu können.

Fragen, die wir mit ERIC beantworten wollen

Damit Lehrkräfte die Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler nachhaltig verbessern können, müssen mindestens vier verschiedene Fragen beantwortet werden, die gleichzeitig auch die Hauptfragenkomplexe des beantragten Projektes sind:

1.    Was sind relevante kognitive Teilprozesse des Lesens, die Lehrkräfte potenziell fördern könnten, um die Lesekompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler zu optimieren? Wie wirken sie sich auf das Leseverstehen aus, wie es in Schulleistungsstudien erhoben wird?

2.    Sind Lehrkräfte in der Lage, Schülerinnen und Schüler hinsichtlich dieser kognitiven Teilprozesse adäquat einzuschätzen? Können spezifische Defizitstrukturen in didaktischen Standardsituationen verlässlich diagnostiziert werden?

3.    Welche Lerngelegenheiten stellen sie ihnen zur Verfügung? Passen Lehrkräfte ihren Unterricht adaptiv auf die Fähigkeiten ihrer Klasse und einzelner Schülerinnen und Schüler an?

4.    Welche dieser Maßnahmen sind erfolgreich und führen zu einer nachhaltigen Leistungssteigerung? Welche Schülergruppen profitieren von welchen Maßnahmen besonders?

Wie ERIC durchgeführt werden soll

Computergestützte Testverfahren koennen z.B. Reaktionszeiten messen. | Computer
© N. Lüth

Die Studie ERIC umfasst eine Stichprobe von knapp 60 Klassen, die in den Ländern Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz rekrutiert worden sind. Die Studie dient weder dem Vergleich von Schulen oder einzelner Schülerinnen und Schüler, noch dem Vergleich von Ländern.

ERIC beinhaltet einerseits Testungen von Schülerinnen und Schülern zu zwei Messzeitpunkten und andererseits Befragungen von Lehrkräften im Rahmen einer computerbasierten Logbuch- Studie:

1.    Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten im Abstand von drei Monaten jeweils einen computergestützten Test zu kognitiven Teilprozessen des Lesens (T1 und T2) sowie einen Test zur Lesekompetenz, der im IQB-Ländervergleich eingesetzt wird (T2). Die computergestützten Untersuchungen werden an den teilnehmenden Schulen in Gruppen von bis zu 15 Schülerinnen und Schülern an Laptops von einer ausgebildeten Testleitung durchgeführt.

2.    Die Deutschlehrkräfte der teilnehmenden Klassen machen Angaben über die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler in den kognitiven Teilprozessen und sie berichten mehrmals wöchentlich innerhalb des dreimonatigen Erhebungszeitraums, welche Lerngelegenheiten sie angeboten haben. Dazu gehören Informationen zu der verfügbaren Lernzeit, der inhaltlichen Ausgestaltung des Unterrichts sowie der Qualität der Unterrichtsgestaltung.

ERIC

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Kontakt

Projektantragsteller am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Sascha Schroeder
sascha [dot] schroeder [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de

Projektkoordination am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Simon Tiffin-Richards
tiffin-richards [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de

Projektantragsteller/in am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Katrin Böhme
katrin [dot] boehme [at] iqb [dot] hu-berlin [dot] de

Dirk Richter
dirk [dot] richter [at] uni-potsdam [dot] de            

Forschungstechnische Assistenz am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Jana Bastian-Wurzel
jana [dot] bastian-wurzel [at] iqb [dot] hu-berlin [dot] de