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Developmental Lexicon Project (DeveL)

Das Developmental Lexicon Project (DeveL) ist eine querschnittlich angelegte Studie, mit der untersucht wird, wie sich die visuelle Worterkennung über die Lebensspanne verändert und von welchen linguistischen Merkmalen sie beeinflusst wird.

Aktuelle Modelle der Leseentwicklung gehen zum Beispiel davon aus, dass Kinder in orthografisch transparenten Sprachen (wie dem Deutschen) Wörter zunächst sequenziell – also Buchstabe für Buchstabe – dekodieren, der lexikalische Zugriff dann aber auf Grundlage zunehmend größerer linguistischer Einheiten (Grapheme, Silben, Morpheme etc.) erfolgt. Dieser Entwicklungstrend wird in bestehenden kognitiven Modellen des Lesens bislang jedoch unzureichend berücksichtigt. Ziel des DeveL Projekts ist es, diese Lücke zu schließen, indem erstmalig Daten dazu im Deutschen und über die gesamte Altersspanne hinweg erhoben werden. Zu diesem Zweck wurden 1152 Wörter hinsichtlich ihrer linguistischen Merkmale (wie z.B. ihrer Länge oder der Häufigkeit, mit der sie im deutschen Sprachgebrauch vorkommen) so ausgewählt, dass aus der Geschwindigkeit und Genauigkeit ihrer Bearbeitung Rückschlüsse auf relevante Theorien zur Leseentwicklung möglich sind.

2013 nahmen insgesamt 430 Kinder aus der 2., 4. und 6. Klassenstufe an einer computergestützten Untersuchung teil. Zeitgleich fanden Erhebungen mit 40 jüngeren (20-30 Jahre) und 40 älteren Erwachsenen (65-75 Jahre) im Labor statt. Alle Teilnehmer bearbeiteten eine lexikalische Entscheidungsaufgabe und eine Benennungsaufgabe – zwei in der Psycholinguistik häufig angewandte Paradigmen zur Erfassung lexikalischer Verarbeitung (siehe Methodenseite). Zusätzlich wurden verschiedene Personenvariablen erhoben, um den Einfluss interindividueller Unterschiede zu untersuchen. Die zentralen Fragestellungen der Studie sind 1) welche linguistischen Merkmale die Worterkennung im Deutschen bestimmen, 2) wie sich ihr Einfluss mit dem Alter verändert und 3) ob die sich daraus ergebenden Entwicklungsmuster von interindividuellen Unterschieden abhängen.

Die Ergebnisse sollen helfen, bisherige Erkenntnisse über den Schriftspracherwerb im Deutschen zu erweitern und bestehende Theorien zur visuellen Worterkennung weiter auszubauen. Sobald die Daten aufbereitet sind, werden sie der wissenschaftlichen Öffentlichkeit über diese Webseite zur Verfügung gestellt, um internationale Forschungsvorhaben zukünftig durch virtuelle Experimente zu ermöglichen.

 

Literatur

Schöter, P. & Schroeder, S. (2017). The Developmental Lexicon Project: A behavioral database to investigate visual word recognition across the lifespan. Behavioral Research Methods, 49(6), 2183–2203.

 

Daten

Die Daten aus der DeveL-Studie, die Teil des Zusatzmaterials zum oben verlinkten Artikel sind, können hier geladen werden (Direktlink zum Download):

https://www.mpib-berlin.mpg.de/pubdata/read/DeveL.RData

Pauline Schroeter is testing the reading abilities of a boy
© MPI fuer Bildungsforschung

Kontakt

Bei Fragen oder Anregungen zu DeveL wenden Sie sich bitte an

Sascha Schroeder

sascha [dot] schroeder [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de