Deliberate Ignorance: Choosing Not to Know

4. Februar 2021

Aus den Strüngmann-Forum-Berichten

Warum beschließen Menschen etwas nicht wissen zu wollen und wann ist dies legitim?

Hertwig, R., & Engel, C. (Eds.). (2020). Deliberate ignorance: Choosing not to know. MIT Press. https://mitpress.mit.edu/books/deliberate-ignorance

Im Laufe der Geistesgeschichte wurde immer wieder das menschliche Streben nach Wissen und seine Bedeutung postuliert, und doch beschließen Individuen und Gruppen erstaunlich oft, etwas nicht wissen zu wollen. Die bewusste Entscheidung, Informationen nicht zu suchen oder zu nutzen, wird als Gewolltes Nichtwissen bezeichnet.

Ralph Hertwig und Christoph Engel haben nun ein Buch herausgegeben, in dem Wissenschaftler*innen aus Psychologie, Ökonomie, Geschichte, Informatik, Soziologie, Philosophie und Jura das Phänomen des Gewollten Nichtwissens umfassend beleuchten. Warum entscheiden sich Menschen bewusst dafür, etwas nicht wissen zu wollen? Wann ist das ein Segen, wann ein Fluch, und was kann man lernen, wenn man die zugrunde liegende Motive mit formalen Methoden modelliert? Was sind die normativen Grundlagen, um Gewolltes Nichtwissen zu beurteilen? Welche institutionellen Vorgaben können es befördern oder verhindern?

Anhand von zahlreichen Beispielen, wie etwa dem Recht auf Gewolltes Nichtwissen bei genetischen Tests, kollektiver Amnesie in gesellschaftlichen Transformationsprozessen oder Blind auditions bei Orchesterbesetzungen vermitteln die verschiedenen Beiträge neue Erkenntnisse über diese schwer fassbare, aber ungemein faszinierende Facette der menschlichen Natur und weisen neue Wege für die zukünftige Forschung auf diesem Gebiet.

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