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Risiken der Krebsfrüherkennung

Unsere Forschung hat gezeigt, dass Menschen statistische Informationen verstehen, wenn diese in den Formaten kommuniziert werden, die in der Umwelt vorkommen und daher leicht kognitiv verarbeitet werden können (absolute Zahlen mit Referenzklassen). Leider werden Risiken oft in anderen, nur schwer verständlichen Formaten kommuniziert (relative Prozentangaben).

Nehmen wir an, eine Frau möchte sich für oder gegen die Teilnahme an der Brustkrebs-Krebsfrüherkennung durch Mammographie entscheiden. Dazu sollte die Frau den Nutzen der Mammographie sowie mögliche Nebenwirkungen (z.B. Überbehandlung) verstehen und abwägen können. Unsere Forschung hat gezeigt, dass europäische Frauen den Nutzen der Mammographie dramatisch überschätzen. Warum?

In vielen Gesundheitsbroschüren kann man lesen, dass dank der Mammographie 20% weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Doch worauf beziehen sich diese 20%? Studien haben gezeigt: Ohne Mammographie sterben 5 von 1.000 Frauen, mit Mammographie 4 von 1.000 Frauen an Brustkrebs. In relativen Zahlen entspricht diese Reduktion der Brustkrebssterblichkeit von 5 auf 4 von 1.000 Frauen 20% (1 von 5 Frauen). Das heißt, die absolute Risikoreduktion durch Mammographie um 1 von 1.000 Frauen erscheint unrealistisch gross, wenn sie in relativen Prozentangaben kommuniziert wird.

Harding Zentrums für Risikokompetenz

Mehr Informationen zum Thema Risiko in der Medizin finden Sie auf der Webseite des Harding Zentrums für Risikokompetenz.