Die Zwillingsmethode

Am Forschungsbereich Umweltneurowissenschaften untersuchen wir, wie Umweltfaktoren die Gesundheit und das Verhalten des Menschen beeinflussen. Mit anderen Worten, unsere geistige und psychische Gesundheit und unser Verhalten werden durch die Kombination unserer Genetik und unserer Umwelt, wie z.B. unseren Erfahrungen, unserem Lebensstil und unseren Lebensbedingungen, beeinflusst.

Unser Ziel ist es, die Auswirkungen der physischen Umwelt auf das Individuum zu untersuchen. Wir glauben, dass die Komplexität der Umweltfaktoren einen entscheidenden Einfluss auf die Plastizität des Gehirns hat und unser Verhalten beeinflusst. Das bedeutet, dass wir versuchen, den Einfluss und die Beziehung von Umweltfaktoren zu verstehen, indem wir die genetische Variation zwischen Zwillingen ausschließen. Da die Gene eineiiger Zwillinge zu 100 % und die Gene zweieiiger Zwillinge zu 50 % identisch sind, können wir Rückschlüsse auf den Einfluss von Genen und Umwelt ziehen.

Nehmen wir zum Beispiel ein Paar eineiiger Zwillinge, die zusammen aufgewachsen sind. Vor einiger Zeit sind die Zwillinge jedoch in unterschiedliche Regionen gezogen: Der eine Zwilling lebt jetzt in einer Großstadt, der andere auf dem Land. Mit diesem Zwillingspaar können wir untersuchen, wie Unterschiede in der Umwelt zu Unterschieden im Verhalten und/oder in bestimmten Gehirnregionen führen, da ihre Genetik und viele Aspekte ihrer frühen Umwelt identisch sind.

Eine erweiterte Analyse umfasst Familienmitglieder der Zwillinge, wie Eltern, Zwillingsgeschwister oder Kinder von Zwillingen. Solche Erweiterungen helfen uns, noch besser zu verstehen, wie die Aspekte von Umwelteinflüssen von Generation zu Generation weitergegeben wird und uns im Laufe der Zeit beeinflusst.

Ebenfalls interessieren wir uns für den Vergleich von Zwillingen mit dem Rest der Bevölkerung, um sicherzugehen, dass wir die gewonnen Erkenntnisse bei Zwillingen, auf die allgemeine Bevölkerung übertragen können.

Literature 

Bijnens, E. M., Derom, C., Thiery, E., Weyers, S., & Nawrot, T. S. (2020). Residential green space and child intelligence and behavior across urban, suburban, and rural areas in Belgium: A longitudinal birth cohort study of twins. PLOS Medicine, 17(8), e1003213. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003213  

Cohen-Cline, H., Turkheimer, E., & Duncan, G. E. (2015). Access to green space, physical activity and mental health: a twin study. Journal of Epidemiology and Community Health, 69(6), 523–529. https://doi.org/10.1136/jech-2014-204667  

Plomin, R., DeFries, J. C., Knopik, V. S., & Neiderhiser, J. M. (2016). Top 10 replicated findings from behavioral genetics. Perspectives on Psychological Science, 11(1), 3–23. https://doi.org/10.1177/1745691615617439

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