Babylab - Forschungsmethoden bei Babys und Kleinkindern

Da Babys und Kleinkinder uns meist noch nicht mitteilen können was in ihnen vorgeht, nutzen wir eine Reihe von kreativen, wissenschaftlich erprobten Methoden zur Erforschung ihrer Denk- und Handlungsmuster. Unsere Methoden sind kindgerecht konzipiert und werden möglichst spielerisch in Abstimmung mit Eltern und Kindern und unter Anleitung geschulter Wissenschaftler*innen gemeinsam durchgeführt.


Eye Tracking

Wir nutzen zum Beispiel Eyetracking Technology (Blickbewegungsmessungen), um zu erfassen, inwiefern verschiedene audiovisuelle Reize die Aufmerksamkeit von Babys und Kleinkindern lenken. Über die Messung von Blickrichtungen, Blickdauer, Blickbewegungen und Pupillengrößen können wir Rückschlüsse auf mögliche Informationsverarbeitungsprozesse und Präferenzen von Babys und Kleinkindern ziehen, ohne dass sie selbst etwas davon mitbekommen (z.B. während des Betrachtens eines Videoclips). Die Messung erfolgt über ein Kamerasystem, das in einem Eye Tracker (z.B.  am Bildschirm montiert oder einer tragbaren Brille) integriert ist. Das Kamerasystem sendet Nahinfrarotlicht, welches von der Pupille im Auge reflektiert wird. Diese Reflektion wird vom Eye Tracking Gerät aufgezeichnet und zu Informationen über die Pupillenöffnung und Position der Augen verarbeitet. Dadurch wird gemessen wann, wo und wie lange das Kind ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Szene betrachtet. Während der Blickzeitmessung erheben wir oft zusätzlich Videodaten mit einer Webcam um motorische und sprachliche Aktivität, aber auch mögliche Störfaktoren besser zu erfassen.

 

Psychophysiologische Maße 

Die Weitung der Pupille (Pupillometrie) wird beim Eye Tracking miterfasst und kann zusätzlich als psychophysiologisches Maß Informationen zum kognitiven und emotionalen Erregungszustand des Kindes liefern (z.B. Überraschung). Dies kombinieren wir manchmal mit weiteren psychophysiologischen Maßen wie der Herzfrequenz oder der Hautleitfähigkeit, die über kleine Sensoren in mobilen Aktivitätstrackern aufgezeichnet werden können.

 

Verhaltensbeobachtung & Interaktion

Zusätzlich interessiert uns, wie Babys und Kleinkinder in bestimmten Situationen handeln, was wir in sogenannten Beobachtungs- oder Interaktionsstudien erfassen. In diesen Studien konzipieren wir verschiedene Spiel- oder Handlungssequenzen mit kindgerechten Objekten und/oder Interaktionspartner*innen und beobachten wie Babys und Kleinkinder auf die jeweilige Situation reagieren. Manchmal beobachten wir auch das natürliche Spielverhalten der Kinder. In diesen Sequenzen interessiert uns welche Objekte von Kindern ausgewählt und erkundet werden, worauf ihre Aufmerksamkeit gelenkt wird, wie sie mit unbekannten oder unerwarteten Ereignissen umgehen und wie sie mit anderen Personen interagieren und kommunizieren. Diese Verhaltensbeobachtungen bieten uns Aufschluss über die Denk- und Handlungsmuster von Babys und Kleinkindern. Handlungssequenzen werden dafür oft auch für die spätere Auswertung über Kamerasysteme auf Video aufgezeichnet.

 

Elternfragebögen & Interview

Meist ergänzen wir die oben erläuterten Methoden mit standardisierten Fragebögen, die Eltern zu Hause oder von uns angeleitet vor Ort ausfüllen. In den Fragebögen geht es oft um alltägliches Verhalten, individuelle Vorlieben oder auch bestimmte Fähigkeiten der Kinder (z.B. sprachliche oder motorische Fähigkeiten), aber auch um den breiteren Familienkontext und die physische und soziokulturelle Wohnumgebung. Ältere Kinder befragen wir manchmal auch selbst in kindgerecht gestalteten Kurzinterviews.

 

Zur Redakteursansicht