Frühe Entwicklungsverläufe des Gedächtnisses im Speziesvergleich (ATLAS)
ATLAS untersucht, wie Gedächtnisinhalte während der frühen Kindheit eingeprägt, konsolidiert und abgerufen werden. Trotz der bemerkenswerten Lernfähigkeit von Kleinkindern werden episodische Gedächtnisinhalte aus den ersten Lebensjahren oft nicht erinnert — ein Phänomen, das als infantile Amnesie bezeichnet wird. ATLAS versucht zu verstehen, warum frühe Erinnerungen vergessen werden, ob sie in latenter Form bestehen bleiben und wie frühe Gedächtnisverläufe spätere kognitive Fähigkeiten beeinflussen.
Das Projekt kreist um drei miteinander verbundene Fragestellungen.
1. Frühe Gedächtnisentwicklung
Die erste Frage zielt auf die frühe Gedächtnisentwicklung ab — wie sich Kleinkinder Gedächtnisinhalte einprägen, sie behalten, über die Zeit abrufen und darüber hinaus, wie große individuelle Unterschiede in der Persistenz der Gedächtnisinhalte entstehen. ATLAS erkundet, wie individuelle Unterschiede im frühen Gedächtnis spätere Kognition und Schulbereitschaft beeinflussen, und geht damit über mittlere Entwicklungstendenzen hinaus, um bedeutsame Variabilität unter Kindern zu erfassen.
2. Mütterliche Immunaktivierung
Die zweite Frage untersucht mütterliche Immunaktivierung als Entwicklungsfaktor, der frühe Gedächtnissysteme verändern könnte. Durch Betrachtung von menschlichen Kohorten und Daten aus etablierten Nagermodellen untersucht ATLAS, wie pränatale Immunherausforderungen die Gedächtnisentwicklung und Verhaltensmuster im Artenvergleich prägen.
3. Plastizität des Gehirns und Individualität
Die dritte Frage beschäftigt sich mit der Plastizität des Gehirns sowie Verhaltenssignaturen der Individualität. Dabei werden naturalistische Verhaltensbeobachtung, bildgebende Verfahren und computer-basierte Ansätze integriert. ATLAS beleuchtet, wie Variationen in Umwelterfahrungen die Plastizität des Gehirns und des Verhaltens beeinflussen und so zur Individualität bei Menschen und Nagern beitragen.
Speziesvergleichende Kollaboration
Während sich die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung durchgeführte Forschung auf Menschen konzentriert, ist ATLAS in einen größeren Rahmen speziesvergleichender Kollaboration eingebettet. Das Projekt legt auf die Entwicklung humanzentrierter Forschungsansätze, die aussagekräftige Vergleiche mit Tiermodellen erlauben, besonderen Wert. ATLAS priorisiert die Entwicklung von Verhaltensparadigmen und die Nutzung von analytischen Instrumenten, die artenübergreifend einsetzbar sind, so dass Fragestellungen trotz unterschiedlicher experimenteller Restriktionen adressiert werden können. Innerhalb dieses Rahmens konzentriert sich ATLAS auf wesentliche Prozesse, die Anhaltspunkte im Vergleich zwischen Menschen und Nagern bieten, einschließlich der Gedächtnisentwicklung, Interaktionen zwischen dem Immunsystem und dem sich entwickelnden Gehirn, sowie der erfahrungsabhängigen Plastizität des Gehirns.
