Entscheidungskompetenzen fördern (Boosting)
Boosting: Bürgerinnen und Bürger durch Verhaltenswissenschaften stärken
Die heutige Welt ist komplex, unsicher und digital. Insbesondere die Technologiebranche und die Lebensmittelindustrie haben unseren Alltag stark verändert, vorrangig mit dem Ziel, den eigenen Gewinn zu maximieren. Wohlbefinden und Gesundheit stehen dagegen nicht im Vordergrund, immer mehr Menschen kämpfen mit Übergewicht und Social-Media-Sucht. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind regulatorische Maßnahmen erforderlich. Politikerinnen und Politiker können aber auch Programme und Maßnahmen nutzen, die den Menschen helfen, sich auch in potenziell schädlichen Umgebungen gut zurechtzufinden. „Boosting“ ist ein solcher Ansatz, der darauf abzielt, die Kompetenzen der Menschen zu stärken, damit sie selbstständig informierte Entscheidungen treffen können.
Beim Boosting handelt es sich um Maßnahmen zur Stärkung von Kompetenzen wie Risikokompetenz, Selbstkontrolle oder der kritischen Auseinandersetzung mit Informationen. Boosting-Maßnahmen werden transparent kommuniziert und bestehen aus einfachen Faustregeln oder Entscheidungshilfen oder auch kurzen Schulungen. Menschen werden dabei als lernfähig angesehen, es wird in ihre Fähigkeiten investiert. Beim Nudging (“Stupsen”) dagegen werden nicht die Menschen geschult, sondern die Umgebung so gestaltet, dass das Verhalten in eine bestimmte Richtung gelenkt wird.
Eine Möglichkeit sich selbst zu „boosten“ nennt sich Self-Nudging. Beim Self-Nudging gestaltet man die eigene Umgebung und beeinflusst dadurch die eigenen Gewohnheiten, ebenso wie es politische Entscheidungsträger*innen in öffentlichen Räumen machen. Um weniger Zucker zu essen, könnte man zum Beispiel die Kekse ganz hinten im obersten Regal aufbewahren. Um die Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit zu behalten, könnte man die Benachrichtigungen auf dem Telefon ausschalten und so für weniger Ablenkung sorgen.
Im Folgenden beschäftigen wir uns mit gesundheitsbezogenen Boosts und Boosts mit Bezug zu künstlicher Intelligenz. Wenn Sie sich für Beispiele aus anderen Bereichen interessieren, finden Sie sie hier https://scienceofboosting.org und Kognition in Online-Umgebungen.
Förderung der KI-Kompetenz und der Zusammenarbeit von KI und Mensch
Künstliche Intelligenz prägt zunehmend Entscheidungen in den Bereichen Medizin, Arbeitswelt, Finanzen und öffentliche Dienstleistungen. Wir erforschen, wie KI das menschliche Urteilsvermögen, das Lernen und die Selbstbestimmung unterstützen kann, anstatt sie zu untergraben. Wir befassen uns mit zwei zentralen Fragen:
- Wann stärken KI-Systeme menschliche Kompetenzen, anstatt sie zu schwächen? Intransparenz ist das Hauptproblem von große Sprachmodellen und komplexen Algorithmen: Ohne zu wissen, welche Faktoren berücksichtigt werden, kann man sinnvolle Modelle nicht von fehlerhaften unterscheiden. Wir plädieren dafür, einfache und transparente KI-Modelle zu nutzen, wo immer möglich. Um kriselnde Banken zu identifizieren, hilft beispielsweise ein einfacher Entscheidungsbaum. Expertinnen und Experten können die zugrunde liegenden Regeln überprüfen, Fehler aufdecken und schließlich die Logik des Entscheidungsbaums verinnerlichen, so dass sie dann auch ohne KI fundierte Entscheidungen treffen können.
- Wann erzielen Menschen und KI gemeinsam bessere Ergebnisse als jeder für sich und schaffen so eine Mensch-KI-Synergie? Wir vertreten die Ansicht, dass Menschen Lernmöglichkeiten benötigen. Wenn Menschen Feedback erhalten, können sie lernen, wann sie den Vorschlägen der KI folgen, wann sie sie hinterfragen und wann sie sich dagegen entscheiden sollten.
Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens
Menschen treffen Entscheidungen, die sich auf ihre Gesundheit auswirken, oft in Umgebungen und sozialen Kontexten, in denen kurzfristige Belohnungen Vorrang vor langfristigem Wohlbefinden haben. Fast Food ist ein Paradebeispiel dafür: Fast Food ist schnell und lecker, man kann kaum widerstehen, auch wenn gesündere Alternativen auf lange Sicht besser wären. Wir konzentrieren uns darauf, Menschen die Kompetenzen zu vermitteln, die ein gesundes Verhalten fördern. Damit möchten wir Menschen in die Lage versetzen, in ihrem eigenen Interesse zu handeln.
Wir testen einfache Boosting-Maßnahmen in natürlichen Umgebungen. Längere Familienmahlzeiten fördern beispielsweise den Obst- und Gemüsekonsum von Kindern. Um wirksame Maßnahmen zu gestalten, müssen wir herausfinden, wie Ernährungsentscheidungen definiert und gemessen werden. In allen unseren Projekten streben wir die Entwicklung kostengünstiger, skalierbarer Maßnahmen wie Routinen und Planungsstrategien an, die auch in größeren Umgebungen wie Schulen umgesetzt werden können. So möchten wir gesündere Alltagsentscheidungen fördern, die nicht allein von individueller Willenskraft abhängen.
Literatur
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