Die Neuordnung der Gefühle
Emotionen und gesellschaftlicher Wandel seit 1700
Die meisten, wenn nicht alle menschlichen Gesellschaften kennen "Gefühlsregeln": historisch und kulturell bedingte Normen und Erwartungen, die den Ausdruck von Emotionen steuern, ihre Angemessenheit beurteilen und Abweichungen sanktionieren.
Das Projekt untersucht, wie es zu verschiedenen Zeiten zu einer Neuordnung dieser Gefühle kommt und welche gesellschaftlichen Konsequenzen daraus erwachsen: wie geraten bestehende soziale Formationen ins Wanken, weil Einzelne oder Gruppen anfechten, was als angemessenes emotionales Verhalten angesehen wird? Die zehn Beiträge beleuchten Situationen, in denen soziale Urteile aufeinanderprallen, in denen Werte durch Reibung und Bruch neu ausgerichtet werden. In Untersuchungen, die nah an der Lebenswirklichkeit der historischen Akteur*innen sind, werfen sie ein neues Licht auf den Zusammenhang von historischem, sozialen und emotionalem Wandel.
Die Beiträge werden aller Voraussicht nach im ersten Halbjahr 2024 in einem Sonderheft erscheinen.
Dieses Sonderheft ist ein gemeinsam entwickeltes multidisziplinäres Werk, das Historiker, Soziologen und Ethnographen zusammenbringt. Die Fallstudien decken Europa, die USA und Japan ab und reichen vom späten achtzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sie stützen sich auf ein breites Spektrum von Quellen, darunter Ego-Dokumente, die Presse, ethnografische Forschungen und soziologische Interviews, doch das verbindende Thema ist die Rolle der Gefühle in unsicheren Zeiten.
Angesichts der Tatsache, dass die Welt des 21. Jahrhunderts von sozialen Brüchen geprägt ist, kommt dieses Sonderheft gerade zur rechten Zeit, um zu untersuchen, wie Menschen in Zeiten des Wandels emotional miteinander umgehen.
