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Archiv zur "Unstatistik des Monats"

Hier finden Sie zurückliegende Presseinformationen zur "Unstatistik des Monats" im Volltext sowie als PDF-Download in der Box rechts.

Big Data knackt Ihre Psyche

Presseinformation vom 20.12.2016

Die Unstatistik des Monats Dezember beschäftigt sich mit dem Facebook-Algorithmus, mit dem man angeblich genaue Aussagen über die Persönlichkeit einer Person treffen kann.

„Zeige mir deine ‚Facebook-Likes’ und ich sage dir, wer du bist.“ Wie ein Lauffeuer verbreitete sich im Dezember die Botschaft, dass ein derartiger Facebook-Algorithmus Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben soll. Viele renommierte Medien stellen diese Behauptung in Frage, denn bewiesen hat der auslösende Artikel im Schweizer „Das Magazin“ den Zusammenhang keinesfalls. Doch warum wird nicht auch der Algorithmus selbst hinterfragt? Grund dazu gibt es, schließlich behauptet dessen Entwickler, dass er aufgrund von „Gefällt-mir“-Angaben, psychometrischen Tests und dem Facebook- Profil einer Person genaue Aussagen über ihre Persönlichkeit treffen könne. So könne, wie der Artikel im Magazin behauptet, mit einer Genauigkeit von 88 Prozent vorhergesagt werden, was für eine sexuelle Orientierung ein Mann hat. „Facebook knackt Ihre Psyche“ verriet uns denn auch chip.de.

Dabei ist diese Zahl gar nicht die Genauigkeit der Prognose. Tatsächlich bedeutet das Ergebnis: Nimmt man je eine Person pro Gruppe, also einen homosexuellen und einen heterosexuellen Mann, so kann man diese mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent ihren richtigen Gruppen zuordnen. Die Prozentzahl bemisst die so genannte „Area under the Curve“ und bezieht sich auf den Vergleich zwischen den Gruppen, nicht auf die Prognosegüte an sich.

Doch auch eine echte Wahrscheinlichkeitsaussage wäre mit Vorsicht zu genießen. Es reicht für unsere Zwecke aus, von einer groben Schätzung von rund 10 Prozent Homosexuellen in der Gesamtbevölkerung auszugehen. In einer Gruppe von 10.000 Personen wären dann 9.000 hetero- und 1.000 homosexuell. Wer alle Menschen als heterosexuell klassifizierte, überträfe den Algorithmus schon um 2 Prozentpunkte, läge aber bei den Homosexuellen sicher falsch. Ein etwas komplexerer Algorithmus, der in beiden Gruppen eine Korrektheit von 88 Prozent besäße, würde in der ersten Gruppe 7.920 Personen als hetero- und 1.080 fälschlicherweise als homosexuell einschätzen. In der zweiten Gruppe werden 880 Personen korrekt eingeschätzt, 120 falsch. Aufaddiert wird also für 1.960 Personen die Aussage getroffen, dass sie homosexuell sind. Davon sind aber tatsächlich nur 880 homosexuell, was zu einer Treffsicherheit von nur etwa 45 Prozent führt. Das ist eine ziemlich enttäuschende Leistung, die sich unmittelbar aus dem Satz von Bayes ergibt.

Algorithmus formalisiert Alltags-Klischees und liegt oft daneben

Bei Frauen, so wird berichtet, könne man die sexuelle Orientierung nur mit 75 Prozent Sicherheit vorhersagen. Mit der gleichen Analyse wie oben ergibt sich daraus, dass nur 25 Prozent von allen als homosexuell diagnostizierten Frauen tatsächlich homosexuell sind. Die meisten sind Fehldiagnosen.

Also, wenn Sie wissen, ob sie homosexuell sind, dann sagt Ihnen der Algorithmus nichts Neues. Wenn Sie sich nicht sicher sind und Sie die Diagnose „homosexuell“ erhalten, dann ist die Diagnose wahrscheinlich ein Irrtum. Wie wir schon zuvor bei der Vorhersage von Pankreaskrebs durch die Microsoft-Suchmaschine Bing berichteten: Viel Lärm um Big Data.

Selbst wenn alle Daten korrekt wären, ist der Algorithmus kaum mehr als eine Formalisierung von Alltags-Klischees. Wenn ein Mann freimütig erzählt, dass er sich brennend für Make-Up und Mode interessiert, müssen wir uns selbstkritisch fragen, wie gefeit wir vor unwillkürlichen Einschätzungen sind. So folgert auch der Algorithmus: Männer, die die Kosmetikmarke MAC mögen, sind mit höherer Wahrscheinlichkeit homosexuell. Eher sollten wir uns also darüber Sorgen machen, wie sehr Facebooks Algorithmus die in unseren Köpfen verankerten Vorurteile bestärkt.
 

Noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau

Presseinformation vom 30. November 2016

Die Unstatistik des Monats November beschäftigt sich mit dem „Gender Gap Report“ und der daraus zitierten Zahl, dass es noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung dauert.

„Erst im Jahr 2186 werden Frauen und Männer wirtschaftlich gleich gut aufgestellt sein.“ So berichtete das Schweizer Magazin Blick. Auch Focus online und andere deutsche Medien griffen diese Zahlen aus dem „Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums vom 25. Oktober auf und meldeten noch im November: „Es dauert noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung“.

Technisch gesehen ist das eine lineare Trendextrapolation: Was wäre, wenn die Angleichung der Löhne und Gehälter im gleichen Tempo fortschritte wie letztes Jahr? Niemand hat dergleichen Extrapolationen überzeugender als Unfug entlarvt als der großartige Mark Twain. „Binnen 170 Jahren hat sich der untere Mississippi um 240 Meilen verkürzt“, schreibt er in „Leben auf dem Mississippi“. „Das macht im Durchschnitt 1 1/3 Meilen pro Jahr. Daher sieht jeder Mensch, es sei denn er ist blind oder ein Idiot, dass vor einer Million Jahren der untere Mississippi mehr als eine Million dreihunderttausend Meilen lang gewesen ist.“

Ob also Frauen in 10 oder 100 Jahren oder niemals das Einkommen der Männer erreichen, ist aus aktuellen Wachstumsraten nicht abzulesen. Seriöse Medien haben denn auch die 170 Jahre als reine „Was-wäre-wenn“ Gedankenspielerei kolportiert. Mit einer ernstzunehmenden Prognose hat das nichts zu tun. Letztes Jahr hatten die Experten des Weltwirtschaftsforums noch 118 Jahre geschätzt, was die Unzuverlässigkeit solcher Hochrechnungen illustriert. Das Problem ist, dass Zahlen wie 170 Jahre ernstgenommen werden könnten und dann entsprechend wenig unternommen wird, um die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen demnächst wirklich zu beseitigen.

Das Glück macht einen Sprung!

Presseinformation vom 28. Oktober 2016

Die Unstatistik des Monats Oktober beschäftigt sich mit dem von der Deutschen Post herausgegebenen und vielfach in der Presse zitierten Glücksatlas, wonach die Deutschen glücklicher werden.

Krieg im Nahen Osten, Flüchtlingskrise, Terrorgefahr, Brexit, Klimawandel – aber die Deutschen werden glücklicher, so das von nahezu allen Presseorganen aufgenommene Ergebnis des von der Deutschen Post herausgegebenen Glücksatlas, über den unter anderem Zeit Online oder auch heute.de am 18. Oktober berichtet haben. „Das Glück der Deutschen macht einen deutlichen Sprung“ – sagt man uns dort schon im Titel. In der Studie hatten Deutsche ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 beurteilt. Gegenüber dem Vorjahr ist diese im Mittel von 7,0 auf 7,1 gestiegen! Mit diesem „deutlichen Sprung“ von 0,1 habe Deutschland endlich das jahrelang zu beobachtende „Zufriedenheitsplateau“ von 7,0 verlassen, so die Berichte. Und es wurden auch munter Vergleiche sowohl einzelner Regionen über die vergangenen Jahre als auch Vergleiche zwischen einzelnen Regionen gefeiert oder beklagt. So titelte RP Online „Menschen in Köln sind glücklicher als in Düsseldorf“ oder die B.Z. Berlin „Berliner werden immer unglücklicher“. Hat das Glücksniveau in Deutschland nun wirklich endlich die magische Marke von 7,0 durchbrochen? Sind Kölner wirklich glücklicher als Düsseldorfer und werden Berliner immer unglücklicher?

Die Antwort auf diese Fragen ist in allen Fällen: Wahrscheinlich nein! Die im Glücksatlas dokumentierte Entwicklung des Glücksindex zeigt alle paar Jahre leichte und wohl zufällige Abweichungen von einem langfristig (schwach) ansteigenden Trend. In den Jahren 2005 und 2010 ist der Glücksindex ähnlich leicht angestiegen wie im Jahr 2016, um im Jahr danach wieder zu fallen. Und im Jahr 2015 war ein kleiner Einbruch des Glücks zu verzeichnen. Das Glück ist also wahrscheinlich einfach wieder zu seinem langfristigen Trend zurückgekehrt. Düsseldorfer waren in den Jahren 2014 und 2015 glücklicher als Kölner. Und in Berlin ist der Glückindex von 6,89 auf 6,85 gefallen. Sowohl beim Vergleich von Düsseldorf und Köln als auch bei der Entwicklung des Glücks in Berlin sind die jeweiligen Unterschiede jedoch sehr gering und sehr wahrscheinlich einfach dem Zufall geschuldet.

Fazit: Alles wenig dramatisch – wahrscheinlich hat sich am Endorphin-Niveau der Deutschen nichts verändert. Nur die Post hat kräftig ins Horn geblasen.

Wie man in den Wald hineinruft…

Presseinformation vom 29. September 2016

Die Unstatistik des Monats September beschäftigt sich mit suggestiven Fragestellungen bei Meinungsumfragen, hier am Beispiel des Klimaschutzes.

53 Prozent aller Bundesbürger meinen, Deutschland sollte viel mehr tun, um auch weiter Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Und für das „schnellstmögliche“ oder „so bald wie mögliche“ Abschalten aller Kohlekraftwerke plädieren 67 Prozent der Befragten. So lautet ein Ergebnis des britischen Meinungsforschungsinstitutes YouGov, über das viele Medien berichtet haben – unter anderem das Handelsblatt.

Dieses Mal liegt der Missstand nicht in der Interpretation, sondern in der Art der Fragestellung. Die Antworten waren in die Fragen quasi eingebaut. Die Frage zum Klimaschutz lautete: „Beim Klimagipfel in Paris wurde 2015 ein internationales Abkommen für den Klimaschutz beschlossen. Anfang des Monats September haben die USA und China dieses Abkommen ratifiziert. Deutschland hat den Prozess noch nicht abgeschlossen und einen schwachen Klimaschutzplan für 2050 vorgelegt. Sollte Deutschland Ihrer Meinung nach mehr tun, um Vorreiter im Klimaschutz zu bleiben?“. Die Frage zu den Kohlekraftwerken lautete: „Die Stromproduktion aus Kohle allein ist die größte Einzelquelle für die deutschen Treibhausgasemissionen. Was sollte Ihrer Meinung nach mit den Kohlekraftwerken passieren?“

Derart suggestive Fragen lenken die Antworten systematisch in eine vorbestimmte Richtung. Bei neutraler Fragestellung wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen. Und bei einem direkten Vergleich mit Atomkraft ebenfalls.

In der Umfrageforschung unterscheidet man zwischen ergebnisorientierter und erkenntnisorientierter Demografie. Die YouGov–Umfrage steht für ersteres. Auftraggeber war der WWF (World Wide Fund for Nature). Was immer man von Kohlekraftwerken hält, die Meinung der Öffentlichkeit dazu sollte man neutral erfassen statt zu versuchen, diese systematisch in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Fußballfans haben die höchste Bildung

Presseinformation vom 31. August 2016

Die Unstatistik des Monats August 2016 beschäftigt sich mit einer Nutzerbefragung der Online-Plattform Xing zum Bildungsstand von deutschen Fußballfans.

Wer es noch nicht gewusst hat – Fußball ist Bildungsland: „Auf Platz 1: der SC Freiburg. 73,4 Prozent seiner Fans haben laut ,Xing' einen Hochschulabschluss“, so berichtete der Südkurier. Selbst der Drittletzte in diesem neuesten Bildungsranking der Bundesliga-Vereine strotzt vor Intelligenz: „Mehr als die Hälfte (63,5 Prozent) der HSV-Fans hat einen Hochschulabschluss", weiß das norddeutsche Zeitungsportal shz.de zu berichten. All das hat angeblich Xing bei einer Befragung seiner Nutzer herausgefunden.

Wie kann das sein? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Deutschland wiederholt wegen der geringen Akademikerrate gerügt. Im Jahr 2015 verfügten in Deutschland nur 16,3 Prozent der Bevölkerung über einen Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Diplom oder Promotion, siehe www.destatis.de). Wenn aber selbst unter den HSV-Fans mehr als die Hälfte angeblich einen Hochschulabschluss haben, dann stimmt hier etwas nicht.

In der Tat. Die berichteten Prozentzahlen beziehen sich nicht auf die Mitglieder der Fußballvereine, sondern nur auf jene, die zugleich Mitglied bei Xing sind. Die Zahlen betreffen also die Schnittmenge. Da Xing, wie der Konkurrent Linkedin, überdurchschnittlich viele Akademiker als Mitglieder hat, gibt es dort auch viele Hochschulabschlüsse – bei Xing, nicht beim HSV. Mit anderen Worten: Die Mitglieder von Xing sind weder repräsentativ für die Bevölkerung noch für alle Fußballfans in Deutschland. Hier ist Journalisten ein altbekannter Fehler unterlaufen: Man berichtet eine korrekte Prozentzahl, aber die falsche Referenzklasse. Richtig wäre gewesen: 73,4 Prozent der Xing-Mitglieder, die zugleich Fans des FC Freiburg sind, haben einen Hochschulabschluss. Die Moral der Geschichte lautet: Frage immer „Prozent von was?

Das Spiel mit der Angst

Presseinformation vom 20. Juli 2016

Die Unstatistik des Monats Juli 2016 beschäftigt sich mit Medienberichten über die wachsende Angst der Deutschen vor Terroranschlägen.

Die Angst der Deutschen wächst – insbesondere die vor Terroranschlägen. Viele Medien berichteten Anfang dieses Monats von den Ergebnissen einer Angststudie der R+V Versicherung, darunter die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Studie: Terror-Angst der Deutschen wächst“, die Bild-Zeitung unter dem Titel „Terror ist die größte Sorge der Deutschen!“ und der Westdeutsche Rundfunk unter „Nizza und die Folgen: Feiern gegen die Angst?“. Nach dieser Studie fürchteten sich 73 Prozent der 2.400 befragten Personen davor, dass „terroristische Vereinigungen Anschläge verüben“. Auch international stehen die Deutschen mit dieser Angst an der Spitze. Nach einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew befürchten 61 Prozent der befragten Deutschen, dass der Flüchtlingszustrom die Wahrscheinlichkeit von Terrorismus erhöhe. Damit belegt Deutschland unter den zehn Ländern, in denen die Befragung durchgeführt wurde, nach Ungarn und Polen den dritten Platz.

Die Umfrageergebnisse stellen an sich noch keine Unstatistik dar. Bedenklich ist vielmehr, dass – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht versucht wurde, die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags in Relation zu anderen Gefahren des Lebens zu stellen. So war es in Deutschland in den vergangenen Jahren wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen als Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden. Selbst in den USA ist es in den meisten Jahren wahrscheinlicher von einem Kleinkind erschossen zu werden, das mit den Waffen der Eltern herumspielt, als durch einen Terroristen. Mit derartigen Informationen könnte man nicht nur der Angst der Bevölkerung entgegenwirken, sondern auch den Terrorismus entwaffnen. Dessen Ziel ist es ja gerade, Angst zu verbreiten.

Sollten Sie sich aufgrund der terroristischen Anschläge entschieden haben, dieses Jahr mit dem Auto an die Nord- oder Ostsee oder in die Alpen zu fahren – fahren Sie vorsichtig! Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dabei einen tödlichen Verkehrsunfall haben, ist um ein Vielfaches höher als in der Türkei oder auf Djerba Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Krebs durch Erdölförderung?

Presseinformation vom 30. Mai 2016

Die Unstatistik des Monats Mai sind die vermeintlich unnatürlichen Häufungen von Krebserkrankungen in der Nähe von Erdöl- oder Erdgasförderstätten sowie Fracking- und Atomanlagen, die seit Jahrzehnten die Menschen beunruhigen.

Aktueller Anlass ist der Artikel „Die rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Mai 2016: Von den 2.500 Einwohnern dieses Ortes im Landkreis Nienburg sind im Zeitraum von 2005 bis 2013 20 Personen an Leukämie oder Tumoren des Lymphgewebes erkrankt. Im Durchschnitt seien aber nur 12 Fälle zu erwarten, so der Artikel, deshalb sei diese Häufung nicht durch Zufall zu erklären, also statistisch signifikant. Ein möglicher Auslöser sei das bei der Erdölförderung rund um Rodewald entwichene Benzol.

In Wahrheit sind solche Häufungen alles andere als signifikant. Sie sind im Gegenteil normal. Teilt man etwa alle 223.000 im Jahr 2014 durch Krebs verursachten Todesfälle (ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland insgesamt) rein zufällig auf die 11.100 Gemeinden des Landes auf, so wird es viele Gemeinden geben, in denen weit mehr als ein Viertel aller Verstorbenen an Krebs gestorben sind, aber auch viele Gemeinden mit einer Krebsmortalität von weit weniger als 25 Prozent. Aber diese Abweichungen sind ein rein zufällig und fast sicher zu erwarten. Hätten etwa alle Gemeinden Deutschlands so wie Rodewald 2.500 Einwohner, läge die Wahrscheinlichkeit, dass in mindestens einer davon in 9 Jahren statt der erwarteten 12 mehr als 19 Leukämie-Erkrankungen auftreten, bei über 99,9 Prozent. Selbst die Wahrscheinlichkeit, dass in 10 oder mehr Gemeinden solche Häufungen rein zufällig vorkommen, betrüge noch mehr als 95 Prozent.

Natürlich können solche Häufungen auch systematische Ursachen haben, ein Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Zahl an Krebserkrankungen und der Erdölförderung in Rodewald ist nicht ausgeschlossen. Aber allein aus den Zahlen 12 und 20 ist dieser niemals zu beweisen. Üblicherweise ergibt das Nachforschen nach systematischen Gründen in solchen Fällen immer das Ergebnis: viel Lärm um nichts.

Altersarmut – eine Null zu viel

Presseinformation vom 26. April 2016

Die Unstatistik des Monats April ist eine Meldung des WDR, der für 50 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Ruhestand in Altersarmut prognostiziert hat („Fast jedem Zweiten droht eine Armutsrente“, Stand: 20. April 2016). Kein Wunder, dass eine solche Zahl zu Deutschlands Rente die Republik in Aufregung stürzt. Nur ist sie falsch, und 5 Prozent ist eine wahrscheinlichere Prognose.

Das Vorgehen des WDR scheint zunächst plausibel. Er ließ sich die augenblickliche Verteilung des Arbeitseinkommens auflisten, nahm an, dass diese auch in Zukunft so bestehen bleibt, und errechnete dann die Rentenansprüche für das bereits jetzt festgelegte niedrigere Rentenniveau im Jahr 2030. Nach dieser Rechnung liegen in der Tat 50 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an oder unter der Grundsicherungsgrenze.

Wo liegen die Fehler? Der erste Denkfehler ist ein Klassiker in der Statistik: Aus Daten eines heutigen Querschnitts kann man nicht auf die Dynamik eines zukünftigen Erwerbslebens schließen. Das folgende krass überzeichnete Beispiel macht das klar: Wenn alle Menschen die erste Hälfte ihres Lebens in Ausbildung mit einem sehr geringen Gehalt verbringen und dann anschließend in der zweiten Lebenshälfte ein so hohes Einkommen hätten, so dass sie auf das ganze Leben bezogen genau das heutige Durchschnittseinkommen erzielten, dann würde die WDR-Methode Altersarmut für die Hälfte der Bevölkerung prognostizieren. Richtig berechnet würde in diesem Beispiel jedoch kein einziger Mensch altersarm werden.

Der zweite Fehler ist ein Klassiker in der Sozialpolitik: Grundsicherung wird nicht auf das individuelle Arbeitseinkommen bezogen, sondern auf das Gesamteinkommen eines Haushalts. Und das liegt in der Regel deutlich über dem Arbeitseinkommen einer einzelnen Person. Laut der WDR-Methode erschiene in einer Ehe mit einem viel und einem wenig verdienenden Partner eine Person altersarm. Nach richtig angewendetem Recht wäre der Haushalt jedoch keineswegs altersarm.

Auch wenn die WDR-Rechnung das Problem der Altersarmut in grotesker Weise überschätzt, ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Berechnungen des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium aus dem Jahr 2013 kommen im pessimistischsten Szenario auf einen Anstieg der Grundsicherungsempfänger von derzeit 3 Prozent auf 5,4 Prozent, also fast eine Verdoppelung. Dennoch: eine Null weniger als beim WDR.

Die Unstatistik des Monats April bezieht sich auf die WDR-Meldung „Fast jedem Zweiten droht eine Armutsrente“ vom 20. April 2016.

Nichts dazugelernt – Equal Pay Day weiter falsch

Presseinformation vom 31. März 2016

Die Unstatistik des Monats ist der sogenannte „Equal Pay Day“, dieses Jahr der 19. März. „Bis zu diesem Tag hätten Frauen hierzulande über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu bekommen“ (Die Zeit vom 17. März 2016, Artikel „Männer wollen das doch auch“).

Dieses Datum resultiert aus zwei Überlegungen. Erstens verdienten Frauen im Durchschnitt 21,6 Prozent weniger als Männer. Und wenn Frauen dann zweitens 21,6 Prozent länger arbeiteten als Männer, hätten sie am 19. März das Jahreseinkommen der Männer erreicht.

Beide Überlegungen sind falsch. In gegebenen Berufen verdienen Frauen nicht 21,6 Prozent, sondern um die 5 Prozent weniger als Männer. Das ist zwar gleichfalls ungerecht, aber weit weniger extrem. Die 21,6 Prozent resultieren vor allem daraus, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiten. Dieser Sachverhalt wird in vielen Medien irreführend dargestellt.

Aber auch wenn man die 21,6 Prozent Minderverdienst als korrekt akzeptiert, bleibt der Equal Pay Day falsch. Denn dann müssten Frauen nicht 21,6 Prozent, sondern 27,5 Prozent länger arbeiten, um das Einkommen der Männer zu erreichen. Und 27,5 Prozent der durchschnittlich 220 Arbeitstage eines Jahres erreicht man erst am Mittag des 7. April (bei zwei Urlaubstagen pro Monat). Darauf hat die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) bereits vor Jahren hingewiesen, aber anscheinend ist dieser Fehler nicht auszurotten. Um ein extremes Beispiel zu nehmen: Wenn ein Mann 100 Euro am Tag verdient und eine Frau nur 50 Euro, dann muss die Frau nicht einen halben, sondern einen ganzen Tag länger arbeiten, um auf den gleichen Verdienst zu kommen.

Welches Datum ergibt sich also ohne die beiden Fehler? Bei 5 Prozent weniger Verdienst fällt der Equal Pay Day 2016 auf den 20. Januar, den Todestag der amerikanischen Schauspielerin Audrey Hepburn. Bis dahin hätte Frau Hepburn aber wohl schon mehr verdient als der durchschnittliche amerikanische Mann im ganzen Jahr.

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Anmerkung: Korrigierte Fassung vom 7.4.2016: Auch wir sind nicht ohne Fehler. Aufgrund von Rundungseffekten und der Nichtberücksichtigung der Osterfeiertage hatten wir ursprünglich mit dem 4. April ebenfalls einen falschen Equal Pay Day ausgewiesen.

337 Prozent zu warm!

Presseinformation vom 17. Februar 2016

Schneekanonen funktionieren nicht mehr. Sonnenbaden im T-Shirt im Wiener Burggarten – Die Unstatistik des Monats Februar ist die Berichterstattung der Tageszeitung „Österreich“ und des Wetter-Portals „wetter.at“ vom 7. Februar über den „wärmsten Winter aller Zeiten“.

Ein Klimaexperte erklärte, jedes Kind wisse, dass der Ausstoß von Treibhausgasen daran schuld sei. Und die Journalisten hatten eine innovative Idee, die Erwärmung zu messen. Nicht in Celsius, sondern in Prozent: Im Jänner 337 Prozent zu warm!

Wie fühlen sich 337 Prozent wärmer an? wetter.at berichtete im Artikel „Wärmster Winter aller Zeiten“, dass die übliche Durchschnittstemperatur in Wien im Jänner (deutsch: Januar) 0,8 Grad Celsius sei, während sie in diesem Jahr bei 3,5 Grad lag. Das ist ein Anstieg um 2,7 Grad. Aber auch um 337 Prozent – was dramatischer klingt. Dazu muss man nur 2,7 durch 0,8 teilen.

Beschreibt man Veränderungen (egal, ob Anstiege oder Abfälle) in relativen statt absoluten Zahlen, so kann man damit rechnen, dass mehr Menschen beeindruckt sind. Dies haben wir wiederholt im Rahmen der „Unstatistik des Monats“ veranschaulicht, zuletzt anlässlich der Wursthysterie (Oktober 2015; „18% höheres Darmkrebsrisiko“). Aber ein relativer Anstieg ist immer relativ zum Ausgangspunkt. Wenn man in Wien nicht mit Celsius, sondern mit Fahrenheit rechnen würde, wären relative Angaben weniger beeindruckend: Der Anstieg entspräche dem von 33,4 auf 38,3 Grad Fahrenheit, also einem absoluten Unterschied von 4,9 Grad. Das ergibt aber nur noch 15 Prozent wärmer. In Vienna (Ohio, USA) – ja, diesen Ort gibt es – würde also der Trick mit den 337 Prozent nicht glücken…

Laut dem befragten Klimaexperten wird es in Zukunft mit Sicherheit noch viel wärmer werden. Also können wir im Januar nächsten Jahres vielleicht auf 500 Prozent mehr Wärme hoffen und das T-Shirt hundertprozentig durch Bikini und Badehose ersetzen.

Glyphosat im Urin

Presseinformation vom 31. Januar 2016

Die Unstatistik des Monats Januar ist der wiederholt behauptete Verdacht, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei (Weltgesundheitsorganisation WHO) und „Grund zur Besorgnis“ bestünde (die Präsidentin des Umweltbundesamtes, zitiert in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Januar).

Internet-Plattformen überziehen die Republik seit Monaten mit Shitstorms und Aktivisten verstopfen Tausende von E-Mail-Accounts mit Alarmaufrufen: Glyphosat wurde im Urin von Menschen nachgewiesen!

Doch sogar das Umweltbundesamt selbst sagt, dass „der höchste gemessene Wert um den Faktor 1 000 niedriger“ liege als die EU-Lebensmittelbehörde für vertretbar hält. Es gibt auch keinen Nachweis der Krebsgefahr von Glyphosat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat entsprechend klargestellt, dass Glyphosat kein unverantwortliches Risiko darstelle, eine Einschätzung, die alle anderen nationalen Institute in der EU teilen. Seither muss sich der Präsident des BfR jedoch harte Vorwürfe aus der Bio-Szene anhören: das BfR verharmlose, sei unverantwortlich und gekauft.

Die Schreckensmeldung, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei, wurde von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO in die Welt gesetzt. Diese hat auch Kaffee, Mate, Sonnenlicht und Schichtarbeit als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Und vor kurzem hat sie uns mit der Nachricht in Aufregung versetzt, dass Wurst und Schinken das Risiko einer Darmkrebs-Erkrankung erhöhten (siehe Unstatistik von Oktober 2015). Wenn es nach der IARC ginge, müssten wir uns bald vor allem fürchten. Dabei liegt die größte Gefahr bei uns selbst: 20 bis 30% aller Krebserkrankungen sind die Folge von Zigarettenrauchen. Also: rauchen Sie lieber nicht und genießen ansonsten Ihr Leben!

Liebestrunken - Vermittlungsbörse schießt statistisches Eigentor

Presseinformation vom 21. Dezember 2015

Die Unstatistik des Monats November ist die Aussage der Singlebörse „Parship“, alle elf Minuten fände sich auf Ihrer Vermittlungsplattform ein neues Paar.

Ist also dort besonders gut aufgehoben, wer einen Partner fürs Leben sucht? Nein, denn mit etwas Wahrscheinlichkeitsrechnung entpuppt sich die Aussage "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship" als Anti-Werbung. Wenn sich bei geschätzten rund fünf Millionen Mitgliedern in Deutschland sogar alle zehn Minuten zwei davon ineinander verlieben, damit aus dem Sucherpool ausscheiden und durch zwei neue Singles ersetzt werden, beträgt für ein zufällig ausgewähltes Mitglied die Wahrscheinlichkeit einer neuen Liebe pro Jahr kaum mehr als zwei Prozent.

Warum? Wenn sich alle zehn Minuten zwei Singles verlieben, dann passiert das sechsmal in der Stunde, 144-mal am Tag oder 52.560-mal im Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, an einem beliebigen dieser 52.560 Zeitspannen von zehn Minuten Erfolg zu haben, beträgt 2 zu 5.000.000 (die anderen 4.999.998 suchen weiter). Damit ist die Wahrscheinlichkeit für Misserfolg an jedem beliebigen Zeitpunkt 4.999.998 zu 5.000.000, oder über das Jahr gerechnet (4.999.998/5.000.000)^52.560 = 0,979. Selbst wenn nur 750.000 Mitglieder auf aktiver Partnersuche wären, steigt für diese die Erfolgswahrscheinlichkeit auf gerade mal 13 Prozent in einem ganzen Jahr.

Viele Partnerbörsen werben damit, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, hervorragend sei, sogar „extrem höher als im Alltag“ (http://www.spruch.de/partner-finden/dating.htm). Wenn dem so wäre, dann wäre das gewöhnliche Verlieben eine Rarität.

Lebenselixier Kaffee

Pressemitteilung vom 30. November 2015

Die Unstatistik des Monats November ist die in verschiedenen Medien verbreitete Meldung, Kaffeetrinken befördere ein langes Leben.

So titelte beispielsweise das Hamburger Abendblatt am 18. November „Kaffee soll das Leben verlängern“. Auch die Augsburger Allgemeine berichtete am 19. November: „Kaffee verlängert das Leben“. Das klingt gut in den Ohren leidenschaftlicher Kaffeetrinker.In Wahrheit hatte aber die diesen Meldungen zugrundeliegende, in der Fachzeitschrift „Circulation“ erschienene Studie „Association of Coffee Consumption with Total and Cause-Specific Mortality in Three Large Prospective Cohorts” nur eine Korrelation notiert, also einen Zusammenfall von Kaffeekonsum und höherer Lebenserwartung. Ein Kausalzusammenhang, dass der Kaffeekonsum ursächlich für die höhere Lebenserwartung ist, wurde jedoch nicht festgestellt: „The association between consumption of caffeinated and decaffeinated coffee and risk of mortality remains inconclusive“ („Der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Todesrisiko ist weiter ungeklärt“). Vielleicht verhält es sich ja auch genau umgekehrt: Menschen, die aktiv im Leben stehen und deshalb auch länger leben, trinken gerne Kaffee.

Verschiedene Medien wie der Spiegel wiesen in diesem Kontext auf den zentralen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität ausdrücklich hin. Anderen Medien wie dem Hamburger Abendblatt und der Augsburger Allgemeinen scheint dieser leider immer noch nicht bekannt.

Wie groß wäre denn die Wirkung von Kaffee, wenn diese Korrelation wirklich kausal wäre? Lebt jeder länger, der Kaffee trinkt? Die Größe eines Effekts ist ja entscheidend, nur darüber wurde so gut wie nie berichtet. Die Antwort ist: Im besten Fall würde Kaffeetrinken jedes Jahr das Leben einer von je 1.000 Personen retten. Also vielleicht doch lieber abwarten und Tee trinken.

Wursthysterie

Pressemitteilung vom 30. Oktober 2015

Die Unstatistik des Monats Oktober ist die Zahl 18. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, dass pro 50 g täglichen Konsums von verarbeitetem Fleisch (wie etwa Wurst) sich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent erhöht. Wurst wird damit in die gleiche Kategorie der krebserregenden Stoffe wie Asbest oder Zigaretten eingestuft. Diese Meldung führte in Deutschland zu einer wahren Wursthysterie. Es gibt wohl keine Zeitung und keinen Radio- oder Fernsehsender, die nicht über dieses Ergebnis berichtet hätten.

So warnte die Bild-Zeitung am 27. Oktober „Wurst und Schinken als krebserregend eingestuft!“ und die „Zeit“ fragte am 26. Oktober „Rauchen kann töten, Wurst essen auch?“. Was bedeuten diese 18 Prozent? Heißt das, dass von je 100 Menschen, die 50 g Wurst täglich zu sich nehmen, 18 mehr an Darmkrebs erkranken? Nein! Denn bei dieser Angabe handelt es sich um ein relatives Risiko.

Um die Meldung der WHO richtig einordnen zu können, benötigt man jedoch das absolute Risiko an Darmkrebs zu erkranken, welches bei ungefähr 5 Prozent liegt (daran zu sterben: zwischen 2,5 und 3 Prozent). Im Klartext bedeutet „18 Prozent mehr“ also, dass sich das absolute Risiko von etwa 5 Prozent auf 6 Prozent erhöht. Das hört sich schon etwas weniger dramatisch an. Jedoch haben nur wenige Medien (darunter beispielsweise die FAZ am 28. Oktober in ihrem Beitrag „Es geht nicht nur um die Wurst“) auf den Unterschied zwischen dem relativen und absoluten Darmkrebsrisiko eines übermäßigen Wurstkonsums verwiesen und damit nicht zu der derzeitigen Wursthysterie beigetragen. Relative Risiken sind ein bewährtes Mittel, die Gefahr zu übertreiben und Menschen Angst zu machen.

Was bedeutet es, dass Wurst in die gleiche Kategorie wie Asbest und Rauchen eingestuft wurde? Es bedeutet, dass man vergleichbare Beweise für die krebsauslösende Wirkung hat, nicht aber, dass das Krebsrisiko gleich hoch sei. Nicht alle Medien stellen dies richtig dar. Die Münchner Abendzeitung etwa erklärt ihren Lesern fälschlicherweise, dass Wurst genauso krebserregend sei wie Asbest, Alkohol und Zigaretten.

Gesundheitsrisiken in Nahrungsmitteln sind Turbogeneratoren von Schlagzeilen. Dabei findet jedoch häufig keine sachliche Berichterstattung statt. Eine solche hätte das absolute Darmkrebsrisiko klargestellt und die krebsauslösende Wirkung von Wurst im Vergleich zu anderen Risikofaktoren korrekt eingeordnet.

Mindestlohn - Alle fühlen ihre Position bestätigt

Presseinformation vom 30. September 2015

Die Unstatistik des Monats September sind die vermeintlich positiven oder negativen Beschäftigungseffekte des Mindestlohns.

Während beispielsweise das „Handelsblatt“ am 15. September schrieb „Die Horrorstorys haben sich nicht bewahrheitet“ und „Bild“ am 16. September titelte „Mehr Geld für 3,7 Mio. Arbeitnehmer!“, berichtete der „Focus“ am 15. September „120.000 Mini-Jobs weg - Gewerkschaft und Arbeitgeber streiten über Mindestlohn“.

Die Befürworter des Mindestlohns führen ins Feld, dass sich die von vielen Ökonomen prognostizierten „Horrorszenarien“ nicht bewahrheitet hätten, da trotz des Mindestlohns die Beschäftigung angestiegen sei. Die Gegner des Mindestlohns kontern mit dem Hinweis auf den erheblichen Rückgang der Minijobs. Beide Argumente sind aus statistischer Sicht nicht aussagekräftig.  Weder die Entwicklung der Gesamtbeschäftigung in Deutschland, noch die Beschäftigungsentwicklung in einzelnen Branchen oder die Entwicklung der Anzahl der Minijobs kann für sich genommen einen Hinweis auf die Beschäftigungseffekte des Mindestlohns geben. Dazu müsste  die beobachtete Beschäftigungsentwicklung einer hypothetischen Entwicklung ohne Mindestlohn gegenübergestellt werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese hypothetische Entwicklung nicht direkt beobachtet werden kann. Hierfür wäre eine recht aufwändige wissenschaftliche Evaluation notwendig, die mit der derzeitigen Datenlage nicht möglich ist. Damit sind alle Aussagen zur Wirkung des Mindestlohns zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.

Es bleibt abzuwarten, wie Befürworter und Gegner eines Mindestlohns argumentieren werden, wenn die Arbeitslosigkeit in der nächsten Rezession zunehmen wird. Vermutlich werden die Mindestlohngegner argumentieren, die Arbeitslosigkeit wäre ohne Mindestlohn nicht so stark angestiegen, während die Befürworter behaupten werden, die Arbeitslosigkeit wäre ohne Mindestlohn noch stärker angestiegen. Auch diese beiden Behauptungen sind ohne eine eingehende wissenschaftliche Untersuchung kaum mit glaubwürdigen Fakten zu untermauern.

Viagra für Frauen: 0.7 mehr Lust?

Presseinformation vom 31. August 2015

Die Unstatistik des Monats August bezieht sich auf die Berichterstattung über die Markteinführung des Medikaments „Flibanserin“ in den USA.

So berichtete zum Beispiel Focus online am 19. August: „Erste Lustpille für Frauen kommt auf den Markt“; der Tagesspiegel veröffentlichte einen Tag später den Artikel „Mehr Lust auf Lust“.

Jeder weiß, dass Männer im Schnitt mehr Lust auf Sex als Frauen haben. Neu ist, dass es sich hier um eine klinische Störung handeln soll – bei Frauen wohlgemerkt, nicht bei Männern. Die Diagnose heißt „hypoactive sexual desire disorder (HSDD)“, also „Mangel an sexueller Lust.“ Und dagegen gibt es nun in den USA eine kleine rosa Pille: „Addyi“, auch „Viagra für Frauen“ genannt, die man täglich einnimmt und die voraussichtlich etwa 400 US-Dollar pro Monat kosten wird.

Die deutschen Medien haben durchwegs kritisch über dieses Geschäft mit der Lust berichtet: Ein deutsches Pharmaunternehmen hatte ursprünglich eine Pille gegen Depression entwickelt, suchte dann für diese Pille einen neuen Markt (Lust), aber die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) weigerte sich, diese Pille angesichts des minimalen Nutzens und der schlechten Verträglichkeit zuzulassen. Eine US-Firma kaufte dann die Rechte, scheiterte aber zunächst nochmals an der FDA. Erst als die Firma sehr viel Geld in eine massive Lobbykampagne steckte, ließ die FDA die Pille zu.

Eine große Kleinigkeit haben jedoch viele Medienberichte übersehen: Die Pille hilft überhaupt nicht gegen Mangel an Lust. Keiner der beiden amerikanischen Studien gelang es nachzuweisen, dass die Pille sexuelle Lust erhöht, obgleich es beide versuchten. Lediglich die Anzahl „zufriedenstellender sexueller Ereignisse“ pro Monat stieg von 3.7 (Placebo Pille) auf 4.4 (Addyi), also um 0.7. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn die den Frauen attestierte Störung heißt „Mangel an sexueller Lust“ und gerade dagegen hilft die Pille nicht.

Auch die möglichen Nebenwirkungen wie Ohnmacht, Schwindelgefühl und Übelkeit werden kaum mehr Lust machen. Von Alkohol lässt man auch besser die Finger, denn die Pille verträgt sich damit nicht. Dass die Studien nur wenig Positives vorweisen können, obwohl sie vom Hersteller der Pille selbst finanziert wurden, sollte jede Frau skeptisch machen. Es gibt ja noch andere Wege zum Glück. Mit einem Glas Rotwein und mehr gemeinsamer Zeit kann man 0.7 wohl schneller erreichen.

Macht uns eine vegetarische Lebensweise zu besseren Menschen?

Presseinformation vom 29. Juli 2015

Die Unstatistik des Monats Juli ist die mediale Darstellung einer Studie zu Zusammenhängen zwischen Ernährungsform und Einstellungen gegenüber anderen Menschen.

„Vegetarier und Veganer sind die besseren Menschen, denn sie haben weniger Vorurteile und widersetzen sich eher autoritären Strukturen.“ So oder ähnlich kommentierten viele Medien – wie zum Beispiel die Allgemeine Zeitung oder die NWZ Online – eine am 24. Juli publizierte Studie der Universitäten Mainz und Wuppertal. Mehr oder weniger deutlich wird dabei formuliert, dass die vegetarische Lebensweise ein bestimmtes soziales Verhalten fördere oder sogar die Ursache dafür sei.

Damit wird aber wie so oft kein Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität gemacht. Schon bei dem Mythos, Vegetarier lebten länger als andere, hat sich die vegetarische Lebensweise als solche – Vegetarier greifen seltener als andere zur Zigarette und treiben öfter Sport – als irrelevant herausgestellt (Studie: Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Cardiology  176(3): 680-6).

Und im vorliegenden Fall ist zu vermuten, dass unkonventionelle und antiautoritäre Charaktere auch bei der Ernährung zu eher unkonventionellen Methoden neigen. Dann gäbe es zwar eine Kausalbeziehung, aber eine in die umgekehrte Richtung: nicht von der vegetarischen Ernährung zum Charakter, sondern vom Charakter zur vegetarischen Ernährung.

Geschmacksirrläufer

Presseinformation vom 30. Juni 2015

Die Unstatistik des Monats Juni ist eine Werbekampagne der Supermarktkette Lidl für die von Lidl vertriebene Cola mit der Botschaft „Deutschland kommt auf den Geschmack! 80% finden Freeway Cola schmeckt wie eine Markencola.“

In einer Fußnote zum Werbeplakat ist außerdem zu lesen: „Cola Geschmackstest 2015: Bei einem Blindtest mit 510 Teilnehmern, denken 8 von 10 derjenigen, die Freeway als ihre Favoriten wählen, Coca Cola oder Pepsi Cola getrunken zu haben“ [Komma-Fehler sind vom Werbeplakat übernommen]. Diese Botschaft ist zwar korrekt, in der Darstellung jedoch irreführend.

Betrachtet man die Ergebnisse des Geschmackstests, haben nur 18% der Teilnehmer bzw. 92 der 510 Personen angegeben, dass ihnen Freeway Cola persönlich am besten schmeckt – und diese damit zu ihrem Favoriten gewählt. Der Rest präferierte eine andere Cola – die große Mehrheit davon Coca Cola oder Pepsi Cola. Von diesen 92 Personen dachten wiederum 80% oder knapp 74 Personen, Coca Cola oder Pepsi Cola getrunken zu haben. Bezieht man die Geschmacksirrläufer alternativ auf die gesamte Testgruppe, gabenlediglich 14% an, dass Freeway Cola wie eine Markencola schmeckt.

Dies ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass man zu Marketingzwecken verwendete Statistiken getrost ignorieren kann.

Ungleichheit: Schiefer OECD-Vergleich

Presseinformation vom 27. Mai 2015

Die Unstatistik des Monats Mai ist ein Produkt der OECD: Laut einer am 21. Mai publizierten Studie verdienen die obersten 10 Prozent der deutschen Erwerbstätigen 6,6-mal so viel wie die untersten 10 Prozent. Die Einkommensunterschiede in Deutschland seien größer als in vielen anderen Industrienationen.

Es folgten die üblichen Klagen der Gewerkschaften und von Teilen der Presse über eine vergleichsweise große Ungerechtigkeit am deutschen Arbeitsmarkt. So titelte zum Beispiel die Frankfurter Rundschau am 21. Mai „So ungleich ist Deutschland“. Das Problem der Studie: Der oben genannte Faktor 6,6 bezieht sich nur auf Menschen, die tatsächlich Arbeit haben. Verliert ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer mit geringem Verdienst seinen Arbeitsplatz, so geht die Ungleichheit zurück! Denn Einkommen von null fallen aus der Betrachtung völlig heraus. In dem Umfang aber, wie Teilzeitarbeitsverhältnisse selbst gewählt sind, liefert die Analyse der OECD einen schiefen Vergleich der Ungleichheit. Zudem ist die Teilzeitarbeit in Deutschland populärer als in Ländern, die bezüglich der Lohnungleichheit besser abschneiden.

Auch die auf der OECD-Studie basierenden und in vielen Medien kolportierten internationalen Vergleiche der Ungleichheit der Vermögen führen in die Irre. Demnach verfügen die reichsten 10 Prozent der Deutschen über beinahe 60 Prozent des gesamten Nettohaushaltsvermögens. Das ist mehr als der OECD-Durchschnitt von 50 Prozent. Allerdings fallen in Deutschland alle Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem von der OECD gemessenen Vermögen heraus. Für viele Haushalte ist das der größte Teil des Vermögens überhaupt. Würde der dem Vermögen hinzugerechnet, wie in Ländern mit vorwiegend privater oder kapitalgedeckter Altersvorsorge, wäre die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland wahrscheinlich beträchtlich kleiner.

Natürlich ist das hohe Ausmaß der Einkommens- und Vermögensungleichheit ein großes soziales und ökonomisches Problem. Aber dessen Bewältigung wird nicht dadurch leichter, dass man verschiedene Zustände auf falsche Art und Weise vergleicht.

Schlachtfeld Straße - Regionale Meldungen zur Verkehrstatistik

Presseinformation vom 30. April 2015

Die Unstatistik des Monats April sind die zahlreichen Meldungen in regionalen Medien zur Entwicklung der Verkehrstoten im Jahr 2014. So meldete die BZ Berlin am 29. April unter Hinweis auf den Verkehrssicherheitsreport der DEKRA: „Die Berliner werden im Straßenverkehr immer aggressiver. Die Folge: 40 Prozent mehr Verkehrstote in Berlin.“

Ein paar Tage vor der BZ Berlin meldete der Tagesspiegel unter Verweis auf das Statistische Bundesamt: „In Berlin sind in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 insgesamt 2020 Menschen im Straßenverkehr verunglückt, vier davon tödlich. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch acht Menschen gewesen.“ Das wiederum wäre ein Rückgang der Verkehrstoten in Berlin um 50 Prozent. Die Frankfurter Rundschau meldete einen Rückgang der Verkehrstoten in Frankfurt um rund 50 Prozent. Aus einer Informationsgraphik lässt sich dann entnehmen, dass im Vergleich zum Jahr 2013 mit 22 Verkehrstoten im Jahr 2014 11 Tote auf den Frankfurter Straßen zu beklagen waren. In Pforzheim stieg dagegen die Zahl der Verkehrstoten um 250 Prozent – von 4 auf 14.

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Nichtsdestotrotz müssen die genannten Meldungen aus mehreren Gründen mit Vorsicht interpretiert werden. Zum erhält man bei einer sehr kleinen Basis sehr schnell große Wachstumsraten. Bei Verkehrstoten in Pforzheim im Jahr 2013 bedeuten 10 zusätzliche Verkehrstote eine gigantische Wachstumsrate von 250 Prozent. In Frankfurt, mit 22 Verkehrstoten im Jahr 2013, würden 10 zusätzliche Verkehrstote nur eine Wachstumsrate von 45 Prozent ergeben. Auffällig ist, dass viele Medien gerne auf horrende Wachstumsraten hinweisen, um mit entsprechenden Schlagzeilen die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen. Dabei wird nicht in allen Fällen auf die absolute Zahl der Verkehrstoten hingewiesen.

Darüber hinaus werden von den Medien häufig unterschiedliche Bezugsräume zugrunde gelegt und damit – wie in Berlin – sehr unterschiedliche Zahlen ausgewiesen: Einmal wird das gesamte Jahr 2014 mit dem Jahr 2013 verglichen, eine andere Zeitung vergleicht die ersten beiden Monate des Jahres 2015 mit den Vergleichsmonaten des Jahres 2014. Schließlich geben weder die Anzahl der Verkehrstoten in einem Jahr noch deren Veränderungen zwischen zwei Jahren auch nur die geringsten Hinweise darauf, ob die Verkehrsteilnahme gefährlicher oder sicherer geworden ist. Hierzu müsste man die Verkehrsunfälle beziehungsweise die Verkehrstoten zum Verkehrsaufkommen in einer Region in Bezug setzen. Steigt das Verkehrsaufkommen, ohne dass die Straßen entsprechend ausgebaut werden, führt dies üblicherweise zu mehr Unfällen. Aber auch bei unverändertem Verkehrsaufkommen kann sich die Anzahl der Verunglückten im Straßenverkehr verändern, wenn beispielsweise ein wichtiger Zubringer gesperrt wird und die Umleitung vieler Kraftfahrzeuge über Wohngebiete zu mehr Unfällen mit Personenschaden führt.

Die Verkehrsstatistik ist sicherlich von hoher Bedeutung. Man sollte jedoch nicht durch den Ausweis zweifelhafter Wachstumsraten und der Verwendung von unterschiedlichen Zeiträumen Ängste bei der Bevölkerung schüren oder dieser eine Verbesserung der Verkehrssicherheit vorgaukeln. Insbesondere sollte man aber aus diesen Zahlen keinerlei Rückschlüsse über die Veränderung der Verkehrssicherheit ziehen.

Googeln mit Smartphone macht denkfaul!

Presseinformation vom 30. März 2015

Die Unstatistik des Monats März ist die Berichterstattung über eine kanadische Studie zu den Auswirkungen der Smartphone-Nutzung. Demnach scheint jetzt wissenschaftlich bewiesen, was mancher schon vermutete: Smartphone-Nutzung macht denkfaul. Wer häufig googelt, riskiert seine Intelligenz. Google statt Grips. Smartphone – oder eher Dummphone? Handy entmündigt.

All das, so versicherten Medien – wie beispielsweise das Internetportal gesundheitsstadt-berlin.de am 10. März 2015 – hätten Forscher der Universität im kanadischen Waterloo herausgefunden. Sinkt der Intelligenzquotient also mit jeder Google-Suche? So gerne manche glauben möchten, dass das Smartphone denkfaul macht oder gar in die digitale Demenz treibt – die kanadische Studie zeigt das nicht.

Die genauere Betrachtung ergibt: In der Internet-Studie wurden Erwachsene in Kanada befragt, ob sie ein Smartphone besitzen und wenn ja, wie viel Zeit sie damit in Suchmaschinen wie Google, in sozialen Netzwerken wie Facebook und mit Entertainment-Apps wie Videospielen verbringen. Zudem mussten die Teilnehmer logische Denkaufgaben lösen. Das Ergebnis: Im logischen Denken bestand kein Unterschied zwischen jenen, die ein Smartphone besaßen, und jenen, die keines hatten; kein Unterschied zwischen jenen, die mit ihrem Smartphone viel Zeit in sozialen Netzwerken verbrachten, und jenen, die das nicht taten; und auch kein Unterschied zwischen jenen, die viel Zeit mit Entertainment-Apps wie Videospielen verbrachten, und jenen, die das nicht taten. Nur wer mehr Zeit mit Suchmaschinen verbrachte, zeigte niedrigere Leistungen bei den Denkaufgaben.

Macht also der ausgiebige Einsatz von Suchmaschinen denkfaul oder gar weniger intelligent? Nein, hier liegt ein klassischer Denkfehler vor: aus einer Korrelation kann man nicht auf Kausalität (auf die Ursache) schließen – aus dem Umstand, dass die Geburtenrate dort höher ist, wo es mehr Störche gibt, folgt eben nicht, dass die Kinder vom Storch gebracht werden. Ebenso wenig kann man aus dieser Studie schließen, dass der intensive Einsatz von Suchmaschinen auf dem Smartphone die logischen Denkleistungen beeinträchtigt oder dass man logischer denkt, wenn man weniger oft sucht. Vielleicht verläuft die Kausalrichtung genau anders herum: Insbesondere Denkfaule oder Personen mit einer geringeren Allgemeinbildung greifen eher auf Suchmaschinen zurück.

Dass die vermutete ursächliche Beziehung sogar eher unwahrscheinlich ist, ergibt sich aus einem anderen Ergebnis der Studie. Wenn googeln mit dem Smartphone das logische Denken schwächen würde, dann müssten jene Erwachsene, die kein Smartphone besitzen, die besten Leistungen erzielen. Aber diese Gruppe unterscheidet sich überhaupt nicht von den anderen.

Im Gegensatz zur Presse sind die Autoren der Studie vorsichtiger mit kausalen Behauptungen; sie wissen nicht, wie der Zusammenhang zu deuten ist. Die wirkliche Erkenntnis ist vielleicht eine andere: Man braucht kein Smartphone, um denkfaul zu werden – die Verwechslung von Korrelation mit Kausalität in der Berichterstattung ist das beste Beispiel.

Deutschland - Das Armenhaus Europas?

Presseinformation vom 24. Februar 2015

Wie die allererste Unstatistik vom Januar 2012 ist auch die Unstatistik des Monats Februar 2015 wieder eine Armutsstudie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Über die Armutsstudie haben am 19. Februar unter anderem Spiegel Online (“Bericht des Wohlfahrtsverbands: 12,5 Millionen Menschen in Deutschland sind arm“) und n-tv („12,5 Millionen Deutsche sind arm“) berichtet. Auch wenn einige Medien sich diesmal durchaus kritisch zu dieser Studie äußerten, scheint die falsche Interpretation relativer Armutsquoten nicht auszurotten zu sein und daher Bedarf an einer wiederholten Richtigstellung zu bestehen.

Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband war die Armut in Deutschland noch nie so hoch wie heute. Dabei beruft sich der Paritätische Wohlfahrtsverband auf eine angebliche Armutsquote von 15,5 Prozent aller Bundesbürger, definiert als die Menschen, die pro Monat weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. Unabhängig davon, ob diese Zahl nun korrekt ist, hat sie mit Armut nichts zu tun. Denn dieser Prozentsatz bleibt der gleiche, auch wenn sich das reale Einkommen aller Bundesbürger verdoppelt. Und wenn es allen schlechter geht, nimmt die so gemessene Armut unter Umständen sogar ab.

Wie in unserer ersten Unstatistik sei auch diesmal wieder auf ein methodisches Problem der Studie hingewiesen. So argumentiert der Paritätische Wohlfahrtsverband, man müsse regionale Armutsquoten ausweisen, da man Stuttgart nicht mit dem Ruhrgebiet vergleichen könne. Dann sollte der Verband aber auch die zur Berechnung der Armutsquoten verwendeten Einkommen um die in den Regionen sehr unterschiedlichen Lebenshaltungskosten korrigieren. Dann würde sich hinsichtlich der „Armenhäuser“ in der Republik sehr wahrscheinlich ein sehr unterschiedliches Bild ergeben.

Man sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass relative Armutsquoten nur ein (schlechtes) Maß für die Einkommensungleichheit darstellen und mit Armut im herkömmlichen Sinne nichts zu tun haben. Wenn der Präsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sagt: „Nie war die Armut in Deutschland so hoch“, ist man versucht, ihm zuzurufen: „Beamen Sie sich mal zurück in das Jahr 1948! Da ging es allen gleichermaßen dreckig, aber nach Ihrer Definition war so gut wie niemand arm.“

Die armen Millionäre

Presseinformation vom 30. Januar 2015

Die Unstatistik des Monats Januar beschäftigt sich mit der Aussage, wonach bald die reichsten ein Prozent aller Menschen genauso viel wie die restlichen 99 Prozent zusammen besitzen. Diese Statistik des internationalen Oxfam-Verbundes zur Reduktion der Armut auf der Welt war im Januar Thema in vielen Medien der Republik.

So berichtete beispielsweise die Online-Ausgabe der „Zeit“ am 19. Januar darüber unter dem Titel „Ein Prozent der Weltbevölkerung hat mehr als alle anderen“, die Online-Ausgabe der FAZ titelte „Das reichste Prozent hat so viel wie der Rest der Welt“ und „Spiegel online“ schrieb „Armutsstudie von Oxfam: Das reichste Prozent besitzt mehr als alle anderen zusammen“. Grundlage dieser Aussage ist der Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse.

Der Global Wealth Report führt aber aus verschiedenen Gründen in die Irre; ein ähnlicher Bericht der Allianz ist auch in der Vergangenheit schon als Quelle einer Unstatistik aufgefallen (siehe „Schweizer auf Platz 1 des Reichen-Rankings“ vom 30. September 2013). Im aktuellen Kontext ist es die Definition von Vermögen, welche diesen Report als Zeugen für die weltweite Vermögensverteilung unglaubwürdig macht. Denn Vermögen ist hier definiert als Bruttovermögen minus Schulden, und damit für rund ein Zehntel der Weltbevölkerung negativ. Zu diesem „ärmsten“ Zehntel gehören auch Währungsspekulanten, die sich verzockt haben, gescheiterte Immobilienhaie oder ganz allgemein: Millionen Reiche, die es sich leisten können, hohe Schulden zu machen. Der am Existenzminimum dahindarbende Tagelöhner in Indien oder Indonesien dagegen gehört aus Sicht der Credit Suisse, sofern er nur seine eigene Hütte und ein paar Ziegen besitzt, schon zur reicheren Hälfte der Menschen auf der Welt.

Die ungleiche Verteilung von Reichtum und Vermögen auf der Welt ist sicherlich ein Problem. Mit ungeeigneten Statistiken trägt man zu dessen Lösung jedoch wenig bei.

Der Flughafen BER ist zu 98 Prozent fertig!

Presseinformation vom 17. Dezember 2014

Vor seinem Rücktritt als Regierender Bürgermeister am 11. Dezember 2014 versicherte Klaus Wowereit in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dass der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) „jetzt zu 98 Prozent fertig ist.“ Das klang verheißungsvoll. Aber 98 Prozent von was? Wowereit sagte es nicht, und „Der Spiegel“ fragte auch nicht nach. Also haben wir uns den Kopf zerbrochen.

Die erste und naheliegende Vermutung ist, dass sich die Zahl auf die Zeit bezieht – der Eröffnungstermin stand ja immer im Zentrum der Debatte. Der erste Spatenstich erfolgte am 5. September 2006. Wenn bis zu Wowereits Rücktritt 98 Prozent der Zeit verstrichen war, dann bleiben noch exakt zwei Monate. Demnach lässt Wowereit uns wissen, dass der BER am 11. Februar 2015 fertig sein wird. Das kann er aber nicht gemeint haben, da der scheidende BER-Chef Hartmut Mehdorn als Eröffnungstermin gerade die zweite Hälfte von 2017 angekündigt hat.

Wenn nicht Zeit, was dann? Vielleicht Geld. Bis Ende 2014 sollen die Gesamtkosten auf 5,1 Milliarden Euro steigen. Die verbleibenden zwei Prozent der Kosten lägen dann nur noch bei etwas über hundert Millionen. Da die Flughafengesellschaft im November dieses Jahres jedoch ankündigte zwei Milliarden mehr zu investieren und Mehdorn mehr als drei weitere Milliarden für nötig hält, kann Wowereit wohl auch nicht Geld gemeint haben.

Was sonst? Vielleicht die Gebäude und die Infrastruktur. Das ist aber ebenso unwahrscheinlich, da etwa nach Mehdorn ein Ausbau mit einer dritten Startbahn notwendig wird. Der BER war für 27 Millionen Passagiere geplant, doch die alten Flughäfen Tegel und Schönefeld versorgen bereits jetzt mehr Passagiere.

Eine letzte Hoffnung auf eine Antwort könnte der Nachsatz von Wowereit liefern, „aber die restlichen zwei Prozent sind die schwierigsten. Versuchen Sie mal, das öffentlich zu vermitteln.“ Nur wie können wir verstehen, warum die letzten zwei Prozente der Knackpunkt sind, wenn er nicht versucht uns zu vermitteln, worauf sich die ersten 98 Prozent beziehen?

Vielleicht ist die Antwort eine ganz andere, und viel einfacher: Wowereit hat an nichts gedacht. Wie er in dem „Spiegel“-Interview klarstellte, war sein Motto als „Berlins Regierender Partymeister“ ja auch das Prinzip der heiteren Gelassenheit. Und was er überhaupt nicht vermissen wird: „Dass ich mich für jeden Quatsch rechtfertigen muss.“

Frauen in DAX-Vorständen unerwünscht?

Presseinformation vom 28. November 2014

Die Unstatistik des Monats November sind die im Umfeld der in diesem Monat beschlossenen Einführung einer Frauenquote für DAX-Vorstände in verschiedenen Medien erschienenen Berichte über die im Vergleich zu Männern relativ kurze Verweildauer von Frauen auf einem Vorstandsposten sowie die Spekulationen zu den Ursachen dieser Beobachtung.

Beispielsweise veröffentlichte DIE WELT am 14. November ein Interview mit der Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne. Darin spricht sie unter anderem über mögliche Gründe für die meist unterschiedlichen Voraussetzungen von Frauen und Männern in der Arbeitswelt und insbesondere im Vorstand. Bereits am 18. August schrieb Thomas Sattelberger in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung: „Jeder Statistiker weiß, dass systemisch irgendetwas schiefläuft, wenn acht von insgesamt 17 weiblichen Vorständen nach nicht mal der Hälfte ihrer Vorstandsperiode ausscheiden. Neueste Studien zeigen, dass weibliche Vorstände durchschnittlich nach etwa drei Jahren aus ihrem Amt scheiden, während Männer acht Jahre verweilen – und damit fast drei Mal so lang. Ein mit Einzelfällen nicht erklärbares Muster."

Einmal davon abgesehen, dass die geringe Beobachtungszahl (8 von insgesamt 17 weiblichen Vorständen) keine gesicherten Aussagen zulässt und statistisch gesehen durchaus reiner Zufall sein könnte, werden bei einer derartigen Gegenüberstellung „Äpfel mit Birnen" verglichen.

Insbesondere bleibt bei diesem Vergleich vollkommen unberücksichtigt, dass Frauen weit häufiger als Männer quer einsteigen und das Personalressort verwalten. Diese Kombination ist aber generell mit niedrigen Verweildauern verbunden, und zwar für Männer wie für Frauen gleichermaßen. Betrachtet man alle seit 2007 in den DAX-30-Unternehmen neu berufenen Vorstände (insgesamt 24 Frauen und 209 Männer) und rechnet man diese Faktoren aus den Verweildauern heraus, gibt es zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied. Das heißt, es gibt immer noch wenig Frauen unter den Vorständen, doch wie lange sie im Amt bleiben, hat mehr mit dem häufigen Quereinstieg in das Personalressort zu tun als mit dem Geschlecht.

In diesem Monat hat die Gastautorin Katharina Schüller, Geschäftsleiterin und Gründerin von STAT-UP, die „Unstatistik“ verfasst.

5-Jahre-Überlebensraten und „Pink Ribbons“

Presseinformation vom 29. Oktober 2014

Die Unstatistik des Monats Oktober 2014 ist die Nicht-Information im „Brustkrebsmonat“ Oktober. Denn wieder einmal erhalten Frauen rosa Schleifchen („Pink Ribbons“) statt Aufklärung.

Die Österreichische Krebshilfe startete eine „Informationsoffensive“ ohne jede Information über Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings, aber mit dem Logo des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, welches eine exklusive Pink Ribbon Edition mit Pure Color Lipstick in der Farbe Dream Pink vermarktet. Die Krebsliga Schweiz warb mit einem begehbaren Brustmodell und einem Pink Nail-Day. Die Frauenzeitschrift „Brigitte“ präsentierte Kate Moss mit einer rosa Schleife am rosa Lingerie-Set und Delta Airlines eine Crew in pinkfarbenen Uniformen, die pinkfarbene Limonade und Kopfhörer verkauft. Und die Football-Spieler der amerikanischen National Football League (NFL) hatten rosa Schleifchen auf ihren Helmen. Statt Fakten gab es Ratschläge von Berühmtheiten.

Dabei könnte man den Nutzen einfach erklären, wie wir in der „Unstatistik des Monats“ im Oktober 2013 ausführlich berichteten. Randomisierte Studien mit über 500 000 Frauen haben gezeigt: Von je 1 000 Frauen im Alter 50+, die nicht am Screening teilnahmen, starben nach zehn Jahren etwa 5 an Brustkrebs; bei Frauen, die teilnahmen, waren es 4. In anderen Worten, 1 000 Frauen müssen am Screening teilnehmen, damit nach 10 Jahren eine weniger an Brustkrebs stirbt. Wenn überhaupt, wurde dies in den Medien als „20-prozentige Reduktion“ (von 5 auf 4) präsentiert, oft aufgerundet auf 30 Prozent. Über den Schaden, wie beispielsweise die Anzahl unnötiger Brust-Operationen, erfuhr so gut wie keine Frau etwas.

Was hat sich geändert? Im Oktober 2014 haben wir keine irreführenden 20 oder 30 Prozent mehr gesehen, was eine erfreuliche Nachricht ist. Dafür führte man Frauen mit einem anderen Trick in die Irre: 5-Jahre-Überlebensraten. Die Deutsche Krebshilfe hatte diese bereits 2009 aus ihren Blauen Ratgebern entfernt, weil sie über Sterblichkeit nichts aussagen. Das ist nicht schwer zu verstehen. Denken Sie an 100 Menschen, die alle im Alter von 70 Jahren an invasivem Krebs sterben. Wenn diese nicht zum Screening gehen, wird der Krebs spät entdeckt, sagen wir mit 67. Die 5-Jahre-Überlebensrate ist dann Null. Gehen sie zum Screening und wird der Krebs früh entdeckt, sagen wir im Alter von 60, dann steigt die 5-Jahre-Überlebensrate auf 100 Prozent! Dieses Beispiel erklärt, warum Überlebensraten nichts darüber aussagen, ob man länger lebt. Studien zeigen entsprechend, dass Verbesserungen in Überlebensraten nicht mit Verbesserungen in Sterblichkeitsraten einhergehen. Sterblichkeitsraten, wie die oben genannte 1 in 1 000, sind daher ehrliche Information über den Nutzen des Screenings.

Trotzdem wurde auch in diesem Jahr wieder mit irreführenden Überlebensraten für das Screening geworben. Der Nordkurier zitierte unter dem Titel „Liz Hurley ruft Frauen zu Brustkrebs-Kontrollen auf“ im Oktober die britische Filmschönheit Liz Hurley mit der Aussage, 95 Prozent der Brustkrebsfälle könnten geheilt werden, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt werde. Die nachrichten.at berichtete von einer „Heilungsrate, die mehr als 90 Prozent beträgt“. Selbst die Kooperationsgemeinschaft Mammographie führt nun Frauen mit diesem Trick hinters Licht. Unter der Überschrift „Mammographie-Screening auf Erfolgskurs – erstmalig Auswertung für ganz Deutschland“ zitiert sie auf ihrer Website ihren Sachverständigen Alexander Katalinic mit den Worten: „Wir diskutieren viel über die Brustkrebsmortalität. Dabei ist die 5-Jahresüberlebensrate in den vergangenen Jahren stetig gestiegen auf inzwischen 87 Prozent.” Im Klartext: diese 87 Prozent sind das gleiche wie 1 in 1 000, also 0,1 Prozent.

So geht Aufklärung für Frauen. Eine europaweite Studie, erschienen im Journal of the National Cancer Institute, zeigte entsprechend, dass die deutschen Frauen am wenigsten über den Nutzen des Mammographie-Screenings Bescheid wissen. Am aufgeklärtesten waren die Russinnen – nicht weil sie mehr Information erhalten, sondern weniger irreführende Information. Frauen und Frauenverbände sollten endlich die Pink Ribbons zerreißen und ehrliche Information verlangen.

Das Bundesländer-Ranking beim Blitz-Marathon

Presseinformation vom 30. September 2014

Die Unstatistik des Monats September 2014 ist das medial vielbeachtete Bundesländer-Ranking zum Blitz-Marathon. So titelte beispielsweise Spiegel-Online am 19. September 2014: „Die Blitzer-Bilanz der Bundesländer: Saarländer und Sachsen sind die schlimmsten Raser“.

Darüber hinaus kommt Spiegel-Online auf Basis der Angaben des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen zu dem Ergebnis, dass sich die Raser-Quote erhöht hätte: Im September dieses Jahres hielt sich jeder 32. Fahrer nicht an das Tempolimit; im Jahr 2013 war es nur jeder 36. Fahrer, obwohl im Jahr 2013 rund 2000 Polizisten mehr im Einsatz waren und rund 1000 mehr Standorte kontrolliert wurden.

Diese Aussagen sind wahrscheinlich in mehrerer Hinsicht irreführend: Zum einen ist ein seriöser Vergleich von Raser-Quoten über die einzelnen Bundesländer nicht möglich, solange man die sehr unterschiedliche Verkehrsstruktur, Fahrzeugdichte oder auch Altersstruktur der Bevölkerung nicht berücksichtigt. So ist sehr plausibel, dass in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen der Verkehr besonders stark durch Staus behindert wird und dadurch der Anteil der Geschwindigkeitsverstöße niedriger ausgefallen ist.

Aber auch die Meldung einer im Vergleich zu 2013 gestiegenen Raser-Quote dürfte auf ein statistisches Artefakt zurückzuführen sein. Wenn weniger Standorte kontrolliert werden, wird sich die Polizei voraussichtlich auf diejenigen Standorte konzentrieren, bei denen viele Geschwindigkeitsüberschreitungen zu erwarten sind. Dann ist es aber vollkommen natürlich, dass die Raser-Quote zunimmt, auch wenn weniger Polizisten im Einsatz sind und weniger Standorte kontrolliert werden. Vergleicht man das Durchschnittseinkommen der gesamten deutschen Bevölkerung mit dem Durchschnittseinkommen von Managern, wäre man auch nicht überrascht, wenn Letztere ein höheres Einkommen erzielen, obwohl es nur vergleichsweise sehr wenige Manager  gibt. Mit Blick auf den Blitz-Marathon lässt sich tatsächlich beobachten, dass Bundesländer mit relativ wenigen Kontrollen tendenziell höhere Anteile an Tempoverstößen aufweisen als Bundesländer mit relativ vielen Kontrollen.

Vermeintlicher Lebensretter PSA

Presseinformation vom 20. August 2014

Die Unstatistik des Monats August ist die Nachricht des Tagesspiegel online vom 7. August 2014: „Die Prostatakrebs-Vorsorge per PSA-Test kann das Sterberisiko um mehr als ein Fünftel senken.“ Focus-online, Merkur-online und DIE WELT-online berichteten in genau denselben Worten über die größte europaweite Studie mit über 162.000 Männern im Alter von 55 bis 69 Jahren.

Dieser eine Satz des Artikels enthält gleich drei Unstatistiken. So heißt es am Ende „mehr als ein Fünftel“. Bedeutet das, dass von je hundert Männern, die zum Screening gingen, das Leben von mehr als zwanzig gerettet wurde? Nein. Die Zahl ist eine relative, keine absolute Reduktion. Absolut gesehen starben in der Kontrollgruppe (ohne PSA-Test) nach 13 Jahren etwas mehr als 0,6 Prozent der Männer, in der Screeninggruppe (mit PSA-Test) etwas weniger als 0,5 Prozent. Die absolute Reduktion ist also 0,1 Prozentpunkte (gerundet), die relative Reduktion ein Fünftel.  Im Klartext bedeutet also „ein Fünftel“ nichts anders als „ein Mann von 1 000“ (genau: 1 von 781). Das steht auch so in der Zusammenfassung des Originalartikels. Aber „ein Fünftel“ klingt beeindruckender.

Die zweite irreführende Botschaft ist, dass sich diese Zahl auf das „Sterberisiko“ bezieht. Das ist aber nicht der Fall. Sie bezieht sich nur auf das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, nicht aber auf das allgemeine Sterberisiko (d.h., alle Ursachen, einschließlich Prostatakrebs). Denn dieses änderte sich durch PSA-Tests nicht: nach 13 Jahren waren genau so viel Männer am Leben – unabhängig davon, ob sie am Screening teilgenommen hatten oder nicht. Für diesen Unterschied zwischen Sterblichkeit und Prostatakrebssterblichkeit gibt es mehrere mögliche Ursachen. Beispielsweise werden Männer, die an den Folgen einer Prostata-Operation sterben, nicht in der Prostatakrebssterblichkeits-Statistik aufgeführt, aber in der Sterblichkeitsstatistik. Fazit: Die Studie erbrachte keinen Nachweis, dass durch das PSA-Screening Leben gerettet wurde.

Der dritte Irrtum: Es handelt sich nicht um „Prostatakrebs-Vorsorge“ sondern um „Prostatakrebs-Früherkennung.“ Als Vorsorge bezeichnet man Methoden, welche die Wahrscheinlichkeit von Krebs senken, wie etwa mehr Bewegung und weniger Alkohol. Um einen Krebs früh zu erkennen, muss er jedoch schon da sein. Früherkennung verringert also nicht die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen, wie viele Menschen glauben.

Man muss sich fragen, warum so viele Journalisten diese elementaren drei Fehler immer wieder machen – „Spiegel online“ beispielsweise hat dagegen richtig und verständlich berichtet. Positiv anzumerken bleibt, dass der Schaden des Screenings genau beziffert wurde: auf jeden Mann weniger, der mit der Diagnose Prostatakrebs stirbt,  kommen 27 Männer, welche unnötig operiert oder bestrahlt werden, was zu Inkontinenz und Impotenz führen kann. Und auch, dass die Autoren der Studie deswegen das PSA-Screening nicht empfehlen. Warum keine deutschen Urologen an dieser größten europaweiten Studie teilgenommen haben, thematisiert hingegen keiner der Berichte.

Unfug aus Luxemburg: Gesundes Altern?

Presseinformation vom 28. Juli 2014

Laut dem Statistischen Amt der EU in Luxemburg leben Frauen in Deutschland im Durchschnitt 83 und etwa in Bulgarien nur 71 Jahre lang. Davon verbringen sie in Bulgarien aber 66 Jahre, in Deutschland nur 58 Jahre gesund.

Diese und ähnliche Statistiken werden immer wieder durch die Medien ungeprüft verbreitet, zuletzt in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Juli 2014 unter dem Titel „Langes Leben, gesundes Leben“, sind aber aus mindestens zwei Gründen falsch: Erstens gibt die als Lebenserwartung genannte Zahl keinesfalls, wie oft behauptet, die durchschnittliche Lebenszeit von heute geborenen Menschen an. Sie sagt allein: Wenn alle altersspezifischen Mortalitätsraten (Todesfälle pro Altersklasse pro Zeit) auch in Zukunft so bleiben wie sie heute sind, dann lebt beispielsweise ein heute geborenes Mädchen in Deutschland im Mittel 83 Jahre. Da diese altersspezifischen Mortalitätsraten aber vermutlich weiter abnehmen werden, leben heute geborene Kinder im Durchschnitt weitaus länger. Dieser Effekt wird in der amtlichen Statistik durchaus anerkannt (man spricht hier von „Periodensterbetafeln“), auch Lebensversicherer berücksichtigen ihn bei ihrer Prämienkalkulation.

Zweitens wird die Zahl der gesund verbrachten Lebensjahre, der sogenannte Healthy Life Years-Indikator, aus Umfragen geschätzt. Da aber die Befragten selbst bewerten, ob sie in den letzten sechs Monaten vor der Befragung aus Krankheitsgründen in ihren üblichen Betätigungen behindert waren, sind diese Zahlen international nicht vergleichbar. Denn was als krank oder als eine Behinderung gilt, variiert beträchtlich – auch aufgrund kultureller Unterschiede – über Raum und Zeit. So ist aus zahlreichen empirischen Untersuchungen bekannt, dass sich Menschen auf dem Land von leichtem Fieber oder Rückenschmerzen kaum behindert fühlen, Menschen in der Stadt dagegen wohl.

Ohne objektives Messsystem sind die EU-Zahlen zur gesunden Lebenserwartung aber nicht belastbar und damit für eine international vergleichbare Beurteilung von wenig Wert.

Bummel-Bachelor

Presseinformation vom 30. Juni 2014

Die Unstatistik des Monats Juni 2014 bezieht sich auf Meldungen, dass Studenten der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge an der Freien Universität und der Humboldt-Universität Berlin wieder länger studieren würden. Darüber berichtete unter anderem die Zeitschrift „Forschung und Lehre“ in ihrer Juni-Ausgabe.

In dem Artikel „Wieder längere Studienzeiten an Berliner Universitäten“ heißt es, seien an der Freien Universität die durchschnittlichen Studienzeiten von Bachelorabsolventen von 6,8 Semestern im Jahr 2010 auf 7,3 Semester im Jahr 2012 und von Masterstudenten von 5,1 Semestern auf 5,5 Semester angestiegen. Insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften würden die Regelstudienzeiten wieder überzogen. Die Regelstudienzeiten für einen Bachelorabschluss an einer Universität sind üblicherweise 6 Semester, die für einen Masterabschluss weitere 2 bis 4 Semester. Diesen Befund nahm der Tagesspiegel zum Anlass, in einem weiteren Artikel über die möglichen Ursachen der ansteigenden Studiendauer zu berichten. 

Es kann durchaus sein und wäre wenig überraschend, dass die Studienzeiten von Bachelor- und Masterstudenten ansteigen. Zu einem nicht unerheblichen Teil dürfte es sich dabei jedoch um ein reines statistisches Artefakt handeln, dessen Ursache in der noch kurzen (und je nach Fachbereich unterschiedlichen) Laufzeit der neuen Studiengänge liegt.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Angenommen, ein Bachelorstudiengang ist zum Wintersemester 2009/2010 gestartet. Alle Studenten, die zum Ende des Sommersemesters 2012 ihr Zeugnis erhalten haben, haben das Studium in der Regelstudienzeit absolviert – die durchschnittliche Studiendauer ist genau 6 Semester. Einige Studenten, die im Wintersemester 2009/2010 begonnen haben, haben jedoch nicht alle Prüfungen bestanden und müssen ein Semester anhängen. Zum Wintersemester 2012/13 gibt es dann viele Studenten, die in der Regelstudienzeit abgeschlossen haben und einige, die erst im 7. Semester abgeschlossen haben – die durchschnittliche Studiendauer ist automatisch angestiegen. Und im Sommersemester 2013 gibt es Studenten, die in der Regelstudienzeit, Studenten die im 7. und Studenten, die im 8. Fachsemester ihren Abschluss erreichten – die durchschnittliche Studiendauer ist wieder gestiegen. Erst nach einigen Jahren wird sich die gemessene Studiendauer an die wahre durchschnittliche Studiendauer annähern.

Aufgrund dieses Automatismus sollten derzeit auch nur Studiengänge miteinander verglichen werden, die zum selben Zeitpunkt eingeführt wurden. Wenn die Geistes- und Sozialwissenschaften Vorreiter in der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen waren, ergibt sich die höhere Studiendauer in diesen Bereichen automatisch. Aus diesem Grund ist es derzeit auch noch unsinnig, eine durchschnittliche Studiendauer über alle Fachrichtungen hinweg zu berechnen.

Fazit: Auf Basis der derzeit gemessenen durchschnittlichen Studiendauer lässt sich in vielen Fällen noch nicht beurteilen, ob die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge wirklich zu einer Verkürzung der Studiendauer beitragen. Für eine wirklich aussagekräftige Statistik ist es einfach noch zu früh.

Behandlungsqualität schöngerechnet

Presseinformation vom 28. Mai 2014

Die Unstatistik des Monats Mai 2014 ist eine Pressemitteilung der Bundeszahnärztekammer vom 6. Mai. Demnach waren im Jahr 2013 nur 0,0013 Prozent aller Wurzelbehandlungen durch deutsche Zahnärzte fehlerhaft oder nicht dem medizinischen Standard entsprechend. Das ist rund eine von hunderttausend.

Diese Zahl führt aus verschiedenen Gründen in die Irre. Zum einen bleibt unklar, was als Behandlungsfehler gilt. Zum anderen werden längst nicht alle Fehler bei den jährlich rund acht Millionen Wurzelbehandlungen in Deutschland tatsächlich auch gezählt bzw. von den Patienten bemerkt.

Zum Beispiel sind deutsche Zahnärzte nicht verpflichtet, eventuelle Behandlungsfehler dem Patienten gegenüber freiwillig zuzugeben.

Insofern stellen die im Jahr 2013 tatsächlich gemeldeten 107 Behandlungsfehler vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs dar. Nach einer Studie der Göttinger Universitäts-Zahnklinik aus dem Jahr 2007 lag damals die wahre Zahl weit über einer Million, war also zehntausendmal höher, und die Behandlungsqualität dürfte sich in den vergangenen Jahren wohl kaum in diesem Ausmaß verbessert haben.

Die phänomenale Effizienz der Bio-Baumwoll-Bauern

Presseinformation vom 28. April 2014

Die Unstatistik des Monats April 2014 bezieht sich auf eine Studie der Biobaumwollmarke Cotonea, die besagt, dass Bio-Baumwolle genauso effizient zu produzieren ist wie konventionell erzeugte Baumwolle. Auf diese Studie wurde am 9. April unter dem Titel „Gentechnik verdrängt Biobaumwolle“ im Blog „Grüne Geschäfte“ der Online-Ausgabe der „Zeit“ verwiesen.

Als Beweis wird der Hektar-Ertrag in Kilogramm der besten Bio-Produzenten in Uganda und Kirgisistan mit dem durchschnittlichen Hektar-Ertrag konventioneller Produzenten anderer Länder wie etwa Türkei, Brasilien oder China verglichen.

Diese Vorgehensweise ist jedoch statistisch nicht korrekt, weil Durchschnitts- nicht mit Extremwerten verglichen werden können. Auf die gleiche Weise könnte man auch zeigen, dass die Bürger Liechtensteins die intelligentesten Europäer sind: Man nimmt die Extreme des einen und Durchschnitte des anderen Landes und schon hat man den gewünschten Effekt.

Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen, müsste man bei der vorliegenden Studie entweder die durchschnittlichen Hektar-Erträge von Bio- und konventionellen Baumwollproduzenten vergleichen oder die Extremwerte beider Erzeugungsarten einander gegenüberstellen.

Gewalt gegen Frauen und Zahlen

Presseinformation vom 25. März 2014

Die Unstatistik des Monats März ist die Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zur Gewalt gegen Frauen in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Demnach haben etwa sieben Prozent der interviewten Frauen in den zwölf Monaten vor der Befragung körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Jede dritte Frau hat seit dem 15. Lebensjahr einen körperlichen und/oder sexuellen Übergriff erlebt. Über die Ergebnisse der Studie berichteten unter anderem auch „Spiegel online“ am 4. März unter der Überschrift „EU-Studie: Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von Gewalt“ und die FAZ am 5. März unter der Überschrift „Es wird mehr geschlagen“.

Unabhängig davon, ob diese Zahlen zutreffen oder nicht, ist ihre internationale Variation bedenklich und irreführend. So führen etwa Dänemark, Finnland, und Schweden mit 52 Prozent, 47 Prozent und 46 Prozent weiblicher Gewaltopfer die Rangliste an. Am unteren Ende finden sich vor allem südliche Länder wie Zypern, Malta oder Portugal.

Liest man in den Begleitmaterialien nach, so erschließen sich mehrere mögliche Ursachen für diese großen Unterschiede. Zum einen fällt auf, dass die in Dänemark, Finnland und Schweden befragten Frauen im Unterschied zu allen anderen Ländern zuerst telefonisch kontaktiert wurden. Am Telefon lässt sich einfacher über Gewalterfahrungen sprechen als in einem persönlichen Gespräch mit einem Interviewer.

Zum zweiten zeigt sich eine negative (und signifikante) Korrelation zwischen dem Anteil der Frauen, die in den jeweiligen Ländern bereit waren, den Fragenbogen zu beantworten, und der Gewalt in diesen Ländern: Je höher die Antwortbereitschaft der Frauen, desto geringer die gemessene Gewalt. Einmal unterstellt, alle Gewaltopfer und ein mehr oder weniger großer Prozentsatz der übrigen Frauen nahm an der Befragung teil, ist der wahre Anteil der Gewaltopfer in Dänemark, Finnland und Schweden vielleicht sogar am kleinsten.

Aber auch andere Verzerrungsmechanismen sind denkbar. Auf den ein oder anderen weist die Studie der FRA auch hin. So ist der Punkt, ab dem sich eine Frau sexuell belästigt fühlt, in „emanzipierten Ländern“ möglicherweise schneller erreicht als in Ländern mit eher konservativer Rollenverteilung.  Dies kann sich auf die Ergebnisse auswirken, da in der Erhebung beispielsweise auch das Erzählen schlüpfriger Witze als sexuelle Gewalt gilt. Für  einen realistischen  EU-weiten Vergleich  sind diese Zahlen daher eher wenig geeignet.

Krebserkrankungen nehmen dramatisch zu

Presseinformation vom 7. Februar 2014

Die Unstatistik des Monats Februar sind die mehr als 20 Millionen an Krebs erkrankten Menschen, die nach dem Weltkrebsbericht der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2025 weltweit zu erwarten sind.  Vor allem in deutschen Medien hat dieser Bericht zu den üblichen hektischen Panikreaktionen und Forderungen nach staatlichen Eingriffen geführt. So titelte die „Zeit Online“ am 3. Februar beispielsweise „Krebserkrankungen steigen weltweit drastisch an“.

Die Zahl als solche sei hier auch nicht angezweifelt, wohl aber deren Interpretation. Denn in den Berichten wird meist bestenfalls am Rande erwähnt, welch bedeutenden Einfluss die steigende Lebenserwartung auf die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung hat. Je länger aber die Menschen leben, desto höher ist ebendiese Wahrscheinlichkeit und auch die Wahrscheinlichkeit eines Todes durch Krebs. Das Beispiel Prostatakrebs zeigt dies: Von den unter 50-jährigen Männern in den USA hat etwa einer von fünf Prostatakrebs. Wenn diese zehn Jahre länger leben, sind es schon zwei von fünf. Werden sie über 70 Jahre alt, dann sind es dcloserei von fünf. Und falls Männer das Glück haben, über 80 Jahre alt zu werden, haben etwa vier von fünf Männern Prostatakrebs. Dennoch sterben nur etwa 3 Prozent aller Männer an dieser Krebsart.

Wenn es nicht so zynisch klänge, könnte man geradezu sagen: Je mehr Menschen in einer Region an Krebs erkranken, desto höher ist dort die an der Lebenserwartung gemessene Umweltqualität und der Standard der Hygiene und Medizin. Die weltweit höchste Lebenserwartung unter allen größeren Nationen meldet man in Japan und Island. Gleichzeitig ist dort die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, maximal. Auf diesen Zusammenhang wird im aktuellen Weltkrebsbericht durchaus auch hingewiesen. Aber wie leider so oft werden diese Hinweise von angstmachenden Medien beiseite geschoben oder nur beiläufig erwähnt.

Olivenöl verhindert Diabetes

Presseinformation vom 31. Januar 2014

Die Unstatistik des Monats Januar ist die Meldung, eine mediterrane Diät verringere das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, um 30 Prozent – ohne Diät und Sport. Über diese Wirkung der Diät, zu der viel Früchte und Gemüse, etwas Fisch und Wein sowie kaum rotes Fleisch oder Süßigkeiten gehören, berichtete neben anderen Medien unter der Überschrift „Olivenöl, Nüsse, Gemüse: Mittelmeer-Diät senkt das Diabetes-Risiko“ auch „Spiegel online“ am 8. Januar 2014.

Was bedeuten 30 Prozent? Die Zahl stammt aus einer Untersuchung von 3.541 älteren Spaniern mit hohem Risiko für Herzkrankheiten (Salas-Salvadó et al., Annals of Internal Medicine 2014). Diese wurden zufällig drei Gruppen zugeordnet: mediterrane Diät mit extra-nativem Olivenöl (1l/Woche), mit Nüssen (210g/Woche), oder einer Kontrollgruppe. Nach etwa vier Jahren erkrankten 8,8 Prozent (101) Teilnehmer in der Kontrollgruppe an Diabetes, verglichen mit 7,4 Prozent (92) in der Nüsse-Gruppe und 6,9 Prozent (80) in der Olivenöl-Gruppe. Der Effekt trat also in der Olivenöl-Gruppe auf, mit einer absoluten Risiko-Reduktion von 1,9 Prozentpunkten (von 8,8 auf 6,9 Prozent). Wie kommt man von 1,9 Prozent auf 30 Prozent?

Hier wurde ein immer wieder erfolgreicher Kommunikations-Trick angewendet. Man stellt den Nutzen als relative Risiko-Reduktion dar: 1,9 Prozent dividiert durch 8,8 Prozent ergibt 21,3 Prozent, und mit ein paar Korrekturen, wie bezüglich Alter und Geschlecht, und gemittelt über Olivenöl und Nüsse, kommt man dann auf 30 Prozent. Relative Risiken sind große Zahlen und beeindruckend, absolute dagegen klein und wenig bemerkenswert.

Was diese Meldung zur „Unstatistik“ macht, ist nicht, dass die „30 Prozent“ falsch sind und mediterrane Kost nicht gesund wäre. Es geht darum, wie diese Information kommuniziert wird. Denn die Zahl bedeutet eben nicht, dass von je 100 Menschen, die mediterrane Kost essen, 30 weniger an Diabetes erkranken. Wie Studien gezeigt haben, führt die Angabe einer solchen relativen Risiko-Reduktion viele Menschen in die Irre, da diese mit absoluten Werten verwechselt werden. Selbst Ärzte verstehen den Unterschied nicht immer. Klartext kann man mit absoluten Risiken sprechen – doch dann sind die Zahlen nicht mehr so eindrucksvoll. Eine Reduktion von 1,9 Prozentpunkten käme wohl kaum in die Schlagzeilen.

Darüber hinaus enthält die Darstellung einen interessanten Nebenaspekt: Die Zahl „30 Prozent“ selbst wurde aus einer signifikanten Reduktion von 40 Prozent in der Olivenöl-Gruppe und einer nicht-signifikanten Reduktion von 18 Prozent in der Nuss-Gruppe gemittelt. Das steht bereits so im Originalartikel und erweckt bei flüchtigem Lesen den Anschein, die Nüsse hätten genauso gut wie das Olivenöl gewirkt. Könnte diese Großzügigkeit damit zusammenhängen, dass einige der Autoren von der Nuss-Industrie finanzielle Zuwendungen erhielten, wie der California Walnut Commission, die auch die Nüsse für die Studie gespendet hat?

Positive PISA-Studie – mehr Glück als Verstand?

Presseinformation vom 17. Dezember 2013

Die Unstatistik des Monats Dezember ist die aktuelle PISA-Studie der OECD. Über sie und auch über das im Vergleich zu früheren Studien bessere Abschneiden deutscher Schüler haben fast alle deutschen Medien ausführlich berichtet.

So titelte beispielsweise „Spiegel online“ am 3. Dezember „Neue Pisa-Studie: Deutsche Schüler holen auf“. Dabei wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass Deutschlands Schüler signifikant besser abschneiden als die durchschnittlichen Schüler in der OECD und dass Deutschland eines der wenigen Länder ist, in denen sich die Leistungen der Schüler in der Mathematik stetig verbessert haben. Darauf wies auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in seiner Pressemitteilung „PISA 2012: Schulische Bildung in Deutschland besser und gerechter“ vom 3. Dezember hin.

Dennoch muss man aus mehreren Gründen vor einer Überinterpretation dieser Zahlen warnen. Zum einen kann man sich grundsätzlich darüber streiten, welche Kompetenzen im Rahmen der PISA-Studie gemessen werden und ob die im Rahmen der Studie durchgeführten Tests bestimmte Lernformen bevorzugen. Zudem ist nur eine kleine Stichprobe deutscher Schüler getestet worden, bei einer anderen Stichprobe wäre etwas anderes herausgekommen. So erreichten die Schüler in der deutschen Stichprobe im Jahr 2012 in der Mathematik 514 Punkte, 11 Punkte mehr als in der letzten Studie 2003. Unter insgesamt 65 untersuchten Ländern belegen sie damit Rang 16. Aber aufgrund des Stichprobenfehlers hätten es auch 510 (Rang 16) oder 520 Punkte (Rang 12) werden können.
 
Zur Unstatistik des Monats wird die PISA-Studie jedoch, weil in der öffentlichen Diskussion weitgehend ignoriert wird, welchen Einfluss die Zusammensetzung der Stichprobe auf die Ergebnisse der Studie hat. Richtig ist, dass – in der Stichprobe – die Schüler in Deutschland in Mathematik besser abschneiden als der durchschnittliche Schüler in der OECD und dass sich die Mathematikergebnisse im Vergleich zu den Schülern in der Stichprobe des Jahres 2003 verbessert haben. Dabei wird aber außer Acht gelassen, dass sich über die Jahre hinweg die Zusammensetzung der Stichprobe verändert hat. Berücksichtigt man die Unterschiede der befragten Schüler in den verschiedenen Stichproben beispielsweise hinsichtlich des Alters, des Geschlechts, des sozio-ökonomischen Hintergrunds und des Migrationshintergrunds, haben sich die Leistungen der Schüler in Deutschland seit 2003 nicht signifikant verändert (siehe Abbildung I.2.19 des PISA-Berichts). Es kann also durchaus sein, dass die in Deutschland gemessenen Verbesserungen nicht auf Verbesserungen im Schulsystem, sondern auf eine veränderte Struktur der befragten Schüler zurückzuführen sind.
 

Mangelhaft für Mangelhaft

Presseinformation vom 3. Dezember 2013

Die Unstatistik des Monats November ist die Note 5 (=mangelhaft). So bewertete die Stiftung Warentest die Vollmilch-Nuss Schokolade der Firma Ritter Sport. Zahlreiche Medien berichteten über dieses Testergebnis, so titelte die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Online-Ausgabe am 22. November „Mangelhaft für Ritter Sport“. 

Diese Bewertung ist jedoch aus zwei Gründen irreführend: Zum einen  wird – wie so oft im Warentestgewerbe – die reine Existenz eines (vermeintlichen) Schadstoffs zum Kriterium des Urteils gemacht. Zum zweiten wird das negative Urteil vor allem damit begründet, dass der in der Schokolade gefundene Aromastoff Piperonal nicht wie auf der Verpackung angegeben natürlich, sondern künstlich sei. Abgesehen davon, dass Piperonal durchaus auch in der Natur vorkommt, führt dieses Argument aber noch aus einem viel wichtigeren Grund in die Irre. Denn es sind vor allem natürliche, nicht künstliche Schadstoffe, die unsere Ernährung gefährden.

Nach einer vielzitierten Studie des führenden amerikanischen Biochemikers Bruce Ames sind 99,9 Prozent aller Pestizide und Gifte in der menschlichen Ernährung von Natur aus enthalten. Mit ihrem Insistieren auf den restlichen 0,1 Prozent lenken die Warentester damit systematisch von den eigentlichen Gefahren unseres Essens ab.

Die Stiftung Warentest stand bereits im Dezember 2012 im Fokus der „Unstatistik des Monats“. Seinerzeit hatte sie vor Mineralölrückständen in Adventskalendern gewarnt, obwohl diese nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung nur in etwa dem entsprachen, was Kinder und Erwachsene ohnehin über die sonstige Ernährung gewohnheitsmäßig zu sich nehmen.

Auch die Unstatistik des Monats September 2012 zieht weitere Kreise. Da ging es um den Medienwirbel um angeblich krebserregenden genmodifizierten Mais, erzeugt von einem Wissenschaftlerteam um den Franzosen Gilles-Eric Séralini. Jetzt meldet die „Süddeutsche Zeitung“ vom 29. November 2013, dass die Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“,  in deren Online-Ausgabe Séralinis Studie im September 2012 veröffentlicht worden war, diese Publikation als wissenschaftlich unhaltbar zurückgezogen hat. 

Fehlende Informationen zu Nutzen und Schaden des Brustkrebs-Screenings

Presseinformation vom 4. November 2013

Die Unstatistik des „Brustkrebsmonats“ Oktober ist anders als üblich: es geht dieses Mal um Statistiken, die nicht berichtet wurden. Berichtet wurde, von Nord bis Süd, über Kampagnen zur „Brustkrebsvorsorge.“ So berichtete die Bild-Zeitung am 22. Oktober „Die Alster leuchtet pink – Kampagne gegen Brustkrebs“ und die Österreichische Krebshilfe bot „Pink Ribbon Toaster“ zum Verkauf an. Vom Nordkurier bis zur Krebshilfe sprachen viele irreführend von „Vorsorge“, obgleich es sich um Früherkennung handelt. Vorsorge verringert die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, Früherkennung nicht. Früherkennung setzt voraus, dass der Krebs schon da ist.

Im Brustkrebsmonat wurde über viele Statistiken berichtet, wie beispielsweise der Anteil der Frauen, die am Screening teilnehmen. Nur über jene Statistiken, welche Frauen eine informierte Entscheidung über die Teilnahme am Screening ermöglichen würden, wurde vom Nordkurier über Emma bis zur Österreichischen Krebshilfe nicht berichtet: Nutzen und Schaden. Obwohl diese aus randomisierten Studien mit etwa 500.000 Frauen bestens bekannt sind.

Von je 1.000 Frauen im Alter 50+, die am Screening teilnehmen, sterben innerhalb von 10 Jahren etwa 4 an Brustkrebs; bei Frauen, die nicht teilnehmen, sind es 5. In anderen Worten, 1.000 Frauen müssen 10 Jahre lang am Screening teilnehmen, damit eine weniger an Brustkrebs stirbt. In den wenigen Fällen, wo Frauen quantitative Information über den Nutzen überhaupt erhalten, wird ihnen dieser meist als „20-prozentige Reduktion“ dargestellt (von 5 auf 4), da eine relative Risikoreduktion (20%) beeindruckender als eine absolute Risikoreduktion (1 in 1.000) klingt. Die zuverlässigere Information wäre allerdings die Gesamtkrebssterblichkeit (einschließlich Brustkrebs): hier hat man keinen Unterschied durch die Teilnahme von  Frauen an der Früherkennung gefunden. Diese Statistik wird aber an Frauen kaum je weitergegeben.

Zudem sollte man Frauen auch über den möglichen Schaden informieren: Etwa 100 von je 1.000 Frauen, die 10 Jahre zum Screening gehen, erhalten falsch-positive Testergebnisse und Biopsien (Gewebeentnahmen) – obgleich sie keinen Brustkrebs haben. Diese falschen verdächtigen Befunde verängstigen viele Frauen, insbesondere wenn ihnen vorher nichts dazu erklärt wird. Und etwa 5 von je 1.000 Frauen unterziehen sich unnötigen Eingriffen wie einer teilweisen oder ganzen Entfernung der Brust – unnötig, da diese Frauen eine nicht-progressive Form von Brustkrebs haben, die ihnen während ihres weiteren Lebens keine Probleme bereitet hätte. In Kenntnis dieser Statistiken könnte jede Frau selbst informiert entscheiden, ob sie am Screening teilnehmen möchte oder nicht.

Auch und gerade im „Brustkrebsmonat“ verdienten Frauen ehrliche und transparente Statistiken über Nutzen und Schaden des Screenings. Die Zeit des Paternalismus, in der man Frauen sagt, was sie tun sollen, sollte eigentlich längst Geschichte sein. Emma und die Krebshilfe sollten darüber nachdenken, zum Pink ausgewogenere Informationen zu liefern

Schweizer auf Platz 1 des Reichen-Rankings

Presseinformation vom 30. September 2013

Die Unstatistik des Monats September 2013 ist das von einigen Medien auf Basis des Global Wealth Reports der Allianz vorgenommene „Reichen-Ranking“. So titelte die Bild am 25. September: „Deutsche sind Europas Sparmeister – Schweizer auf Platz 1 im Reichen-Ranking“.

Grundlage des Global Wealth Reports ist jedoch ein recht begrenzter Vermögensbegriff, denn er umfasst lediglich Abschätzungen des Geldvermögens privater Haushalte in verschiedenen Ländern. Darunter fällt Vermögen in Form von Aktien, Bankeinlagen, Bargeld oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen. Nicht in diesem Vermögensbegriff enthalten sind jedoch andere Vermögensgegenstände, wie beispielsweise  Immobilien, Kraftfahrzeuge oder auch Schmuck.  

Die Zusammensetzung des Vermögens der Haushalte eines Landes wird jedoch von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. So werden Haushalte in Ländern, in denen Kapitaleinkommen vergleichsweise hoch besteuert wird, tendenziell weniger Geldvermögen halten. Die staatliche Förderung von Immobilienbesitz wird sich ebenfalls in der Höhe des Geldvermögens niederschlagen. Ein weiterer bedeutender Grund für das über die Länder variierende Geldvermögen ist im Rentensystem zu finden: So ist es kaum verwunderlich, dass unter den im „Reichen-Ranking“ führenden Ländern insbesondere die Länder zu finden sind, die auf ein kapitalgedecktes Rentenversicherungssystem setzen. Für Deutschland und andere Länder, die die Altersvorsorge mittels Umlageverfahren finanzieren, müsste man für eine bessere Vergleichbarkeit aber die mit den Rentenversicherungsabgaben erworbenen zukünftigen Rentenansprüche der Haushalte gegenrechnen.

Es ist unbestritten, dass der Global Wealth Report der Allianz interessante und wirtschaftspolitisch hoch relevante Einblicke vermittelt, insbesondere wenn man die zeitliche Veränderung des Geldvermögens betrachtet. Für ein „Reichen-Ranking“ zu einem Stichtag ist der Report aufgrund seines begrenzten Vermögensbegriffs jedoch nur sehr bedingt geeignet. Diese Interpretation in einigen Medien macht ihn zur „Unstatistik“, nicht die in ihm enthaltenen Zahlen und Aussagen.  

Frühstück beugt Herztod vor

Presseinformation vom 28. August 2013

Die Unstatistik des Monats August bezieht sich auf eine Meldung, wonach Menschen, die das Frühstück ausfallen lassen, ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben. „Verzicht auf Frühstück erhöht das koronare Risiko signifikant“, meldete etwa die Ärzte Zeitung online am 2. August.

„Den Tag sollte man mit einem guten Frühstück beginnen. Denn: Wer nicht frühstückt, weist ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Herztod auf, hat eine aktuelle US-Studie ergeben.“ So ist es in der Onlineausgabe der Ärzte Zeitung zu lesen. In Wahrheit hat die hier zitierte US-Studie lediglich ergeben, dass ein Verzicht auf das Frühstück und ein möglicher Herzinfarkt häufiger zusammen auftreten, als man das bei Unabhängigkeit dieser Ereignisse erwarten sollte. Eine mögliche Kausalbeziehung, ob also das ausgefallene Frühstück tatsächlich die Ursache für das gesteigerte Infarktrisiko ist, lässt sich aber nicht herleiten.

Besonders auffällig war der Zusammenhang bei ledigen Männern mittleren Alters. Vielleicht erleiden diese aber auch deshalb überproportional häufig einen Herzinfarkt, weil sie in der Regel privat und beruflich mehr Stress ausgesetzt sind und deshalb häufiger das Frühstück ausfallen lassen. Denn bei älteren Männern war der Zusammenhang zwischen Herzinfarkt und Frühstück nicht zu finden.

Zwar unternehmen die Autoren der Studie ihr Bestes, solche weiteren Faktoren auszuschalten. Das ist aber bei Ernährungsstudien, in denen man nicht wie bei klassischen klinischen Studien mit Versuchs- und Kontrollgruppe arbeiten kann, niemals ganz möglich und erfordert zumeist zusätzliche Annahmen. So kann man auch mit den in der Studie verwendeten Methoden nicht ausschließen, dass der Zusammenhang zwischen Frühstück und Herzinfarkt auf einen Faktor zurückgeht, den man bei dieser Untersuchung nicht beachtet hat. Wie fast immer in seriösen Studien weisen die Autoren auch auf diese Grenzen hin. Und wie fast immer in der medialen Aufarbeitung wird dieser Hinweis ignoriert.  

Statistiken zur Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa führen in die Irre

Presseinformation vom 22. Juli 2013

Die Unstatistik des Monats Juli nimmt die Berichterstattung über die Jugendarbeitslosigkeit in den von der Staatsschuldenkrise betroffenen EU-Ländern in den Blick. Sie bezieht sich beispielsweise auf eine Meldung „Griechenland, trauriges Beispiel der Eurozone - 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit“ des Nachrichtensenders n-tv vom 1. Juli.

Nach Angaben von Eurostat erreichten im ersten Quartal dieses Jahres die Arbeitslosenquoten der 15- bis 24-Jährigen in Griechenland 60 Prozent, in Spanien 57 Prozent und in Italien und Portugal jeweils 42 Prozent. Zum Vergleich: in Deutschland lag die Arbeitslosenquote dieser Altersgruppe bei knapp 8 Prozent. Die von Eurostat ausgewiesenen Arbeitslosenquoten sind jedoch für die Beschreibung der Arbeitsmarktprobleme von Jugendlichen nur bedingt hilfreich. Denn sie lassen die hohe Anzahl an Jugendlichen außen vor, die sich in der Ausbildung oder im Studium befinden. Dies liegt im Konzept der Arbeitsmarktstatistik begründet, das Eurostat selbst in einer Pressemitteilung vom 12. Juli erläutert.

Unter den Begriff Erwerbspersonen fallen dort alle Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Dies sind sowohl Erwerbstätige als auch Erwerbslose. Die von Eurostat ausgewiesene Arbeitslosenquote berechnet sich als der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen. Erwerbspersonen sind alle Personen ab 15 Jahren, die zu einem Zeitpunkt als Arbeitnehmer, Selbständiger oder mithelfender Familienangehöriger gearbeitet haben. Als erwerbslos wird man bezeichnet, wenn man zu einem Zeitpunkt ohne Arbeit ist, für die Aufnahme einer Arbeit zur Verfügung steht und in den vergangenen vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht hat.

Nicht-Erwerbspersonen hingegen sind alle Personen, die zu einem Zeitpunkt dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen oder keine Arbeit suchen. Darunter fallen beispielsweise Hausfrauen und -männer, aber auch alle Personen einer Bevölkerungsgruppe, die sich noch in einer Ausbildung befinden. Die Gruppe der Nicht-Erwerbspersonen wird bei der Berechnung der Arbeitslosenquote nicht berücksichtigt – weshalb die Arbeitslosenquote nur eine unzureichende Aussagekraft für die Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen hat.

Hierzu ein Beispiel: Wenn in einem Land mit 100 Jugendlichen alle mit 15 Jahren die Ausbildung abgeschlossen haben und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, aber nur 80 von diesen Jugendlichen einer Arbeit nachgehen, liegt die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent. Gehen jedoch 50 der 100 Jugendlichen auf eine weiterführende Schule und sind 20 der verbleibenden 50 Jugendlichen arbeitslos, liegt die Arbeitslosenquote bei 40 Prozent, da die Jugendlichen auf der weiterführenden Schule nicht in die Berechnung der Arbeitslosenquote eingehen.

Viele Jugendliche in Krisenländern weichen auf Ausbildung oder Studium aus

Wie kann man nun eine aussagekräftige Statistik der Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen erhalten? Zum einen könnte man den Anteil der erwerbslosen Jugendlichen an allen Jugendlichen berechnen. Führt man dies mit den Daten von Eurostat durch, erhält man für Griechenland eine alternative Arbeitslosenquote von 17 Prozent (statt 60 Prozent), eine von 21 Prozent für Spanien (statt 57 Prozent), für Italien 12 Prozent und für Portugal 15 Prozent (statt jeweils 42 Prozent). In Deutschland läge die so berechnete Jugendarbeitslosenquote bei 4 Prozent.

Darüber hinaus hat sich der Anteil der Nicht-Erwerbspersonen an allen Jugendlichen in allen Krisenländern erhöht. Vom ersten Quartal 2006 bis zum ersten Quartal 2013 stieg dieser Anteil in Griechenland von 66 Prozent auf 71 Prozent, in Spanien von 53 Prozent auf 63 Prozent, in Italien von 66 Prozent auf 72 Prozent und in Portugal von 58 Prozent auf 64 Prozent. In Deutschland hingegen blieb er im selben Zeitraum konstant bei 50 Prozent. Offensichtlich führt die angespannte Arbeitsmarktlage in den Krisenländern dazu, dass besonders viele Jugendliche eine Ausbildung machen oder studieren.

Der Fokus auf die Jugendarbeitslosigkeit und der auf der Basis der „dramatischen“ Statistiken zu beobachtende Aktionismus der Politik ist nicht nur irreführend, sondern kann sogar schädlich sein: Zum ersten wird der Blick auf die wahren Probleme des Arbeitsmarkts in nahezu allen Ländern verschleiert. Denn das Problem ist meist nicht das Alter der Arbeitslosen, sondern deren mangelnde Qualifikationen. Zum zweiten wird durch die gestarteten Programme der Anpassungsdruck für notwendige Arbeitsmarktreformen genommen. Hier können die Krisenländer durchaus von Deutschland lernen, wobei eine Reform der Arbeitsmarktinstitutionen mit Reformen des Sozialversicherungssystems kombiniert werden sollte. 

Vergifteter Urin

Presseinformation vom 21. Juni 2013

Die Unstatistik des Monats Juni bezieht sich auf eine Meldung des Südwestrundfunks in der SWR Landesschau vom 13. Juni 2013. Danach  konnte bei 70 Prozent aller deutschen Großstädter das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Urin nachgewiesen werden.Diese Zahl resultiert aus einer Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie seines europäischen Dachverbands Friends of the Earth. Untersucht wurden insgesamt 182 Stadtbewohnern aus 18 Ländern, davon zehn aus Deutschland.   

 Die Zahl wurde auch von anderen Medien übernommen und ist aus mindestens zwei Gründen als grober statistischer Unfug einzuordnen: Zum einen ist es schlicht unmöglich, aus einer Stichprobe von zehn Personen auf die gesamte deutsche Großstadtbevölkerung rückzuschließen. Zum anderen sagt allein die Existenz eines Schadstoffs noch nichts über dessen Gefahrenpotenzial aus. Speziell letzteres wird in der Medienberichterstattung über Umweltgifte in aller Regel ignoriert und zur Verunsicherung und Panikmache genutzt. Wie der „Spiegel“ einmal treffend formulierte („Die Angst vor der Endzeit“, Nr. 39/1995), sind diese Giftfunde in erster Linie ein Artefakt von immer präziseren Analysemethoden: „Das Aufspüren kleinster Schadstoffmengen hat zur Folge, dass überall alles gefunden wird.“

 Wie der weltweit angesehene Nahrungsmittelchemiker Bruce Ames in mehreren Untersuchungen nachgewiesen hat, sind chemische Umweltgifte im Vergleich zu natürlichen Schadstoffen quantitativ weitgehend unerheblich. Mehr als 99 Prozent aller Pestizide, welche Menschen essen, werden von den Pflanzen selbst erzeugt, in der Regel zum Schutz vor Schädlingen, weniger als ein Prozent sind synthetisch. Und nahezu alle diese Gifte und sonstigen krebserregenden Substanzen, ob natürlich oder synthetisch, sind in Spuren in so gut wie allem enthalten, was wir im Supermarkt kaufen. Etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen sind hingegen verhaltensbedingt und werden durch Rauchen, Fettleibigkeit, zu viel Alkohol und ungesunde Ernährung verursacht.

Frankfurt und der Vatikan als Horte des Verbrechens

Presseinformation vom 14. Mai 2013

Die Unstatistik des Monats Mai ist die Aussage "Frankfurt/Main deutsche Hauptstadt des Verbrechens", die am 12. Mai 2013 von der Online-Ausgabe der "Welt" verbreitet und von vielen anderen Medien übernommen wurde. Grundlage dieser Meldung ist die "Polizeiliche Kriminalstatistik 2012", die am 15. Mai vom Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich, in Berlin vorgestellt wird. Diese Statistik fasst die in den verschiedenen Städten und Gemeinden Deutschlands polizeilich erfassten Straftaten zusammen und ist als solche nicht zu beanstanden.

Bei der Interpretation dieser Statistik wird jedoch häufig übersehen, dass zum Beispiel in einigen Städten Rauschgiftdelikte oder Schwarzfahrer aggressiver verfolgt und angezeigt werden als in anderen. Dies führt zu einer höheren Kriminalität in der offiziellen Statistik. Am bedenklichsten aus statistischer Sicht ist jedoch die Ermittlung von Rangfolgen durch Bezug der gemeldeten Fälle auf jeweils 100.000 Einwohner. Nach der so ermittelten aktuellen Statistik liegen Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln auf den drei ersten Plätzen, Augsburg und München auf den letzten.

Eine seriöse Rangfolge müsste aber nicht nur die reinen Einwohnerzahlen, sondern alle Menschen berücksichtigen, die in der jeweiligen Stadt Opfer wie auch Verursacher einer Straftat werden könnten. Dazu zählen auch Einpendler, Messebesucher, umsteigende Reisende am Hauptbahnhof oder Fluggäste. Die Stadt Frankfurt hat beispielsweise fast so viele Einpendler wie Einwohner, am Flughafen Frankfurt fliegen jedes Jahr rund 30 Millionen Menschen ab. Und genauso viele kommen an. Jede dort verübte Straftat – in der Regel Diebstähle – fällt statistisch der Stadt Frankfurt zur Last. Ähnliches gilt für Düsseldorf, mit ebenfalls überdurchschnittlich vielen Einpendlern, Messebesuchern und Fluggästen. Würde man die Zahl der verübten Straftaten durch die Zahl sämtlicher potenzieller Opfer und Täter teilen, käme vermutlich eine ganz andere und weitaus realistischere Rangliste heraus.

Zu welch absurden Ergebnissen die Kriminalstatistik auf Basis von Einwohnerzahlen führen kann, zeigt der Vatikanstaat. Er ist demnach das kriminellste Land der Erde. Wie "Radio Vatikan" berichtet, gab es dort im Jahr 2011 insgesamt 640 Zivil- und 226 Strafverfahren – deutlich mehr als eines je Vatikanbürger (492). Aber in 99 Prozent der Fälle waren nicht die Einwohner, sondern einer der rund 18 Millionen Besucher jährlich als Opfer oder Täter involviert. Deshalb sollte man versuchen, auch für die deutschen Städte Zahlen der potenziell Betroffenen zu ermitteln.

Stress in der Lehre?

Presseinformation vom 26. April 2013

Zur "Unstatistik des Monats" April wählten die Urheber der gleichnamigen Aktion die Aussage: "Jeder vierte Azubi schmeißt seine Ausbildung hin". Das meldete beispielsweise "Spiegel Online" am vergangenen 15. April.  Auch in vielen anderen deutschen Leitmedien, Zeitungen und Zeitschriften war im Zusammenhang mit dem deutschen System der dualen Berufsausbildung vom "Stress in der Lehre" zu lesen. Quelle der Information ist der Entwurf des Berufsbildungsberichts 2013 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Tatsächlich schmeißt längst nicht jeder vierte Lehrling seine Ausbildung hin. Wahr ist: Jedes vierte Ausbildungsverhältnis wird vorzeitig aufgelöst. Laut einer BIBB-Befragung aus dem Jahr 2002 verbleiben jedoch mehr als 60 Prozent dieser Lehrlinge im Bildungssystem, sie nehmen beispielsweise eine andere Lehrstelle an, beginnen eine neue Ausbildung oder starten ein Studium.

Von den 25 Prozent der Auszubildenden, deren Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst wurde, wird noch nicht einmal jeder fünfte arbeitslos. Insgesamt wirft also nur etwa jeder zwanzigste Azubi seine Ausbildung hin in dem Sinne, dass er oder sie arbeitslos wird. Auch wenn die Befragung des BIBB aus dem Jahr 2002 stammt, ist nicht davon auszugehen, dass sich die Situation für Auszubildende, deren Vertrag vorzeitig gelöst wurde, bis heute bedeutend verändert hat.

Das deutsche System der dualen Berufsausbildung gilt weltweit als vorbildlich und wird vielfach als einer der wichtigsten Gründe für die vergleichsweise geringe deutsche Jugendarbeitslosigkeit angesehen. Mit derzeit 7,7 Prozent ist diese die niedrigste der ganzen EU.

Die Strahlentoten von Fukushima

Presseinformation vom 3. April 2013

Mit der "Unstatistik des Monats" hinterfragen der RWI-Vizepräsident Thomas Bauer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, jeden Monat aktuell publizierte Zahlen und deren Interpretationen. Für den März haben sie die Zahl der 16.000 Toten in den Blick genommen, die in einer Meldung der ARD-Tagesschau vom 11. März im Zusammenhang mit dem Reaktorunglück von Fukushima genannt wurde.

Die Nachrichtensendung meldete: "Japan gedenkt heute der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vor zwei Jahren. Ein Erdbeben der Stärke neun hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu 20 Meter hohe Tsunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben. Tausende gelten immer noch als vermisst."

Diese Meldung suggeriert, dass die 16.000 zu beklagenden Toten auf den Reaktorunfall zurückzuführen sind. Tatsächlich sind im unmittelbaren Umfeld des Kernkraftwerks bisher zwei Menschen ums Leben gekommen – und das wohl auch nicht durch die Strahlenbelastung: Die beiden Mitarbeiter der Betreiberfirma wurden zwar auf dem Gelände der Atomanlage tot aufgefunden, vermutlich wurden aber auch sie durch das Beben oder den Tsunami getötet.

Ausmaß der Armutseinwanderung kleiner als berichtet

Presseinformation vom 28. Februar 2013

Die Unstatistik des Monats Februar thematisiert die Berichterstattung über das Ausmaß der Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien. So berichtete neben anderen großen Tageszeitungen beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 15. Februar unter der Überschrift "Städtetag besorgt über Armutseinwanderung": "Die jährliche Zahl der Armutseinwanderer aus Rumänien und Bulgarien hat sich in den vergangenen vier Jahren von 64 000 auf rund 147 000 mehr als verdoppelt; im ersten Halbjahr 2012 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 24 Prozent."

Das Blatt nahm dabei Bezug auf ein "Positionspapier des Deutschen Städtetages zu den Fragen der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien". Während darin jedoch lediglich die Einwandererzahlen genannt wurden, wurden in der Berichterstattung alle Zuwanderer aus diesen beiden Ländern als Armutsmigranten klassifiziert.

Diese Darstellung vermittelt allerdings ein falsches Bild der Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland. Daten des Mikrozensus zeigen, dass 80 Prozent der Menschen, die seit Beginn der EU-Mitgliedschaft im Jahr 2007 aus diesen beiden Ländern nach Deutschland gekommen sind, einer Erwerbsarbeit nachgehen.* Von diesen sind 22 Prozent hochqualifiziert und 46 Prozent qualifiziert. Bei diesen Zuwanderern handelt es sich häufig um Menschen mit Berufen, die wir in Deutschland dringend benötigen.

Sicherlich findet auch Zuwanderung von Migranten ohne Schul- oder und Berufsausbildung statt, die hier in prekären und teilweise menschenunwürdigen Verhältnissen leben und auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Die Freizügigkeit innerhalb der EU kann neben vielen Vorteilen eben auch dazu führen, dass arme Menschen nach Deutschland kommen, die das deutsche Sozialsystem belasten. Gerade in solch einer Situation sollte man sich jedoch die Struktur der Zuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedstaaten genau ansehen, um daraus eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu entwickeln. Eine pauschale Klassifizierung aller Zuwanderer aus diesen Ländern als Armutsmigranten, die das Problem der Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme übertreibt, schadet da nur.

* Corrigendum vom 11. April 2013: Statt "einer Erwerbsarbeit nachgehen" muss es heißen: "Erwerbsbeteiligte sind".

Die Medien übertreiben bei der Lebensmittelverschwendung

Presseinformation vom 29. Januar 2013

In der ersten "Unstatistik des Monats" im neuen Jahr werden die regelmäßigen Schreckensmeldungen über weggeworfene Lebensmittel in Deutschland untersucht. Zuletzt hatten die beiden christlichen Kirchen beim ökumenischen Landkirchentag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin die Verschwendung von Nahrungsmitteln angeklagt. Jeder deutsche Verbraucher werfe im Durchschnitt pro Jahr 83 Kilogramm Lebensmittel auf den Müll.

Im "Spiegel" 50/2012 wurde ähnlich alarmierend berichtet, weniger als die Hälfte des in Europa angebauten Obstes und Gemüses würde tatsächlich auch gegessen. Dieser Rechnung lag jedoch ein populärer Denkfehler zugrunde: Wenn 50 Prozent von einer Sache verlorengehen und vom Rest dann nochmals 50 Prozent, so sind das insgesamt nicht 100 Prozent sondern 75 Prozent. Der Spiegel hatte aber die Verlustraten auf den verschiedenen Stufen vom Anbau bis in den Verbrauchermagen einfach aufaddiert und kam bei Obst und Gemüse auf insgesamt 56 Prozent, bei Wurzeln und Knollen sogar auf 68 Prozent der Ausgangsmenge. Tatsächlich sind es aber nur 46 Prozent beziehungsweise 52 Prozent – immer noch viel, aber nicht ganz so alarmierend.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich überdies ein Großteil dieser verbleibenden Prozentsätze – ebenso wie ein großer Anteil der von den Kirchen beanstandeten 83 Kilogramm Nahrung, die weggeworfen werden – als unvermeidbarer oder teilweise unvermeidbarer Abfall wie beispielsweise Brotrinden oder Apfelschalen. So schätzt die Studie, auf die sich die Meldungen der Kirchen beziehen, dass nur 38 Kilogramm des von den Verbrauchern entsorgten Essens definitiv vermeidbar waren.

Als beklagenswert verbleiben die nur wegen angeblicher Schönheitsfehler auf dem Müll landenden Nahrungsmittel, hier wäre sicherlich ein Umdenken ökologisch wie auch ethisch angebracht. Aus ethischer Sicht fast noch bedenklicher erscheint dagegen der kaum beklagte Umstand, dass allein in Deutschland jedes Jahr mehr als vier Millionen Tonnen Lebensmittel zu Kfz-Treibstoff verarbeitet werden.

Mineralöl in Adventskalendern

Presseinformation vom 12. Dezember 2012
 
Im Fokus der "Unstatistik des Monats" stehen im Dezember Mineralölrückstände in Adventskalendern. Von dieser Substanz hatte die Stiftung Warentest Ende November in manchen Produkten mehr als zehn Milligramm pro Kilogramm Schokolade festgestellt. In der Folge mussten mehrere Firmen ihre Produkte aus den Regalen nehmen, mit Schäden für die Hersteller von mehreren 100.000 Euro. Inzwischen haben die betroffenen Firmen Klage angedroht.
 
Nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung gehen von diesen Mineralölrückständen keine zusätzlichen Gesundheitsgefahren aus; sie entsprechen in etwa dem, was Kinder und Erwachsene ohnehin gewohnheitsmäßig über die Ernährung zu sich nehmen. Auch der beunruhigende Hinweis der Stiftung Warentest, die gefundenen Stoffe stünden im Verdacht, Krebs zu erzeugen, erhöht hier eher die Desinformation. Denn in dieser Annahme wären auch viele andere Nahrungsmittel in den Mülleimer zu werfen, bei denen dies jedoch nicht im Geringsten zur Debatte steht.
 
Eher illusorisch scheint auch die Einschätzung der Stiftung Warentest, wonach 'Substanzen, die unter Krebsverdacht stehen, nichts in Lebensmitteln zu suchen' haben. Hier offenbart sich ein bedenkliches Kenntnisdefizit, da mutmaßlich krebserregende Stoffe in sämtlichen Lebensmitteln vorhanden sind. Das allerdings in so minimalen Mengen, dass sie für die Gesundheit völlig unbedenklich sind. So steht schon in den inzwischen 500 Jahre alten Schriften des berühmten Arztes Paracelsus die bis heute unwidersprochen gültige naturwissenschaftliche Theorie: "Was das nit Gift ist? Alle Ding sind Gift und nichts ist ohn Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist!"
 
Viele der in Deutschland so populären regelmäßigen Meldungen über Giftfunde aller Art sind daher eher in die Kategorie "kontraproduktive Panikmache" einzuordnen. Denn die stetige Verfeinerung der Analysemethoden führe dazu, wie es der "Spiegel" einmal schrieb, dass "alles in allem gefunden wird". Unter derartigen Bedingungen aber sollten solche Funde keine Zeitungsmeldung wert sein.
 

„Polen sind fleißiger als Deutsche“

Presseinformation vom 28. November 2012

Als Unstatistik des Monats bezeichnen die Urheber der gleichnamigen Aktion die Aussage: "Polen sind fleißiger als Deutsche", geäußert von Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich eines Treffens mit den Staatsoberhäuptern Italiens und Polens am vergangenen 19. November in Neapel.

Dieser Satz mag als Kompliment hingehen, nicht aber als aussagekräftige Statistik. Verwendet man die jährliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen, wie sie beispielsweise von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ausgewiesen wird, ist Joachim Gauck insofern korrekt, als die in dieser Erhebung erfassten Polinnen und Polen pro Jahr im Durchschnitt 1.937 Stunden arbeiten, die in dieser Statistik registrierten Deutschen dagegen nur 1.413 Stunden.

Abgesehen von potenziell erheblichen Messfehlern (viele Überstunden und ein großer Teil der Arbeit aller Selbständigen fallen etwa aus dieser Statistik heraus), betreffen diese Zahlen aber nur Personen, die tatsächlich einer Erwerbsarbeit nachgehen. Das waren 2011 nach Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) in Deutschland 76 Prozent, in Polen nur 65 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. Insbesondere gehen in der Bundesrepublik viel mehr Menschen als in Polen einer Teilzeitarbeit nach, bringen also nur wenige Stunden in diese Statistik ein. Würde man die geleisteten Arbeitsstunden durch alle Bürger im erwerbsfähigen Alter teilen, ergäbe sich ein völlig neues Bild.

Noch größer ist der Abstand beim durchschnittlichen Geldvermögen pro Bürger: Es beträgt hierzulande 60.000 Euro, bei den polnischen Nachbarn knapp über 7.000 Euro. Dabei sind in beiden Ländern auch jene Personen mitgezählt, die überhaupt kein Vermögen besitzen oder sogar Schulden haben. Für Letztere ist das Vermögen negativ. Niemand käme auf die Idee, in diesem Durchschnitt nur solche Menschen zu berücksichtigen, die tatsächlich über ein Vermögen verfügen. Genau das wurde aber von Bundespräsident Gauck bei seinem Vergleich der durchschnittlichen Arbeitsstunden getan.

Völlig außer Acht bleiben dabei auch die private Kinderbetreuungs-, Haus- und Gartenarbeit sowie der Wert der Güter beziehungsweise Dienstleistungen, die tatsächlich während der Arbeitszeit produziert worden sind. Hier erzeugte im Jahr 2011 laut OECD ein polnischer Arbeitnehmer im Durchschnitt in einer Stunde Güter und Dienstleistungen im Wert von 26,20 Euro, ein deutscher Arbeitnehmer im Wert von 55,30 Euro.

Armut ist nicht Ungleichheit

Presseinformation vom 23. Oktober 2012

Die Unstatistik des Monats Oktober beträgt 15,8 Prozent und stammt vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden: "15,8 Prozent der Bevölkerung waren 2010 armutsgefährdet", meldeten die Amtsstatistiker am vergangenen 17. Oktober.

Die Zahl ist korrekt, nicht aber deren Interpretation. Als "armutsgefährdet" gilt, wer jährlich netto weniger als 11.426 Euro zur Verfügung hat. Der Hauptkritikpunkt dabei ist die Berechnung dieser Armutsgrenze. Dieser liegen europaweit 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zugrunde. Wenn sich also alle Einkommen verdoppeln, dann verdoppelt sich auch die Armutsgrenze, und der Anteil der Armen bleibt der gleiche wie zuvor.

Ferner ist in armen Ländern die Armutsgrenze geringer als in wohlhabenden Staaten. Zieht also ein in Deutschland lebender Gastarbeiter aus Portugal, der hier im Jahr 11.000 Euro netto zur Verfügung hat, in seine Heimat zurück, so nimmt die kollektive Armut in Deutschland und Portugal gleichermaßen ab. Denn in der Bundesrepublik gilt man mit 11.000 Euro jährlich als arm, in Portugal dagegen nicht. Selbst wenn besagter Portugiese zuhause lediglich ein Nettoeinkommen von 7.000 Euro jährlich hätte, wäre er dort statistisch-offiziell nicht arm.

Jeder am Durchschnittseinkommen festgemachte Armutsbegriff misst daher nicht die Armut (wie beispielsweise die Definition der Weltbank, die alle Menschen als arm einstuft, die von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen), sondern die Ungleichheit. Deshalb ließe sich auch die in den deutschen Medien auf Grundlage der oben genannten Statistik vielfach beklagte Armut sehr leicht dadurch beheben, dass man zum Beispiel allen Menschen in Deutschland die über die derzeitige Armutsgrenze hinausgehenden Einkommen wegnähme und nach Peking an die chinesische Staatsbank überwiese. Damit wären die Einkommen hierzulande gleichmäßiger verteilt, die neue Armutsgrenze läge sehr viel niedriger, und die Armut wäre nahezu vollständig verschwunden.

Gen-Mais tötet

Presseinformation vom 28. September 2012

Als Unstatistik des Monats September deklarieren die Urheber der gleichnamigen Aktion die Meldung, wonach genmodifizierter Mais Krebs erzeuge.

Ein Wissenschaftlerteam um den Franzosen Gilles-Eric Séralini hatte berichtet, dass bei Ratten, die über einen längeren Zeitraum mit genmodifiziertem Mais gefüttert worden waren, schwere gesundheitliche Schäden aufgetreten wären. Insbesondere starben diese Ratten häufiger als andere an Krebs. Damit sei die genetische Modifikation des Futters als Verursacher von Krebs identifiziert.

Diese Meldung wurde recht unkritisch als „alarmierend“ in vielen deutschen Medien verbreitet, und drei französische Minister forderten die EU angeblich zum Handeln auf. Aus Sicht der Statistik aber ist diese Meldung nur als Unfug zu bezeichnen. Denn die Anzahl von Ratten, die binnen eines gegebenen Zeitraums an Krebs versterben, schwankt sehr stark. Und die französische Forschergruppe hatte nur zehn Tiere in der Kontrollgruppe der nicht mit Genmais gefütterten Ratten untersucht.

Bei derart kleinen Stichproben können Unterschiede in der Krebsmortalität sehr leicht allein durch Zufall auftreten. Sie sind im Sinne der mathematischen Statistik „nicht signifikant“, also nicht aussagekräftig genug, um auf einen ursächlichen Zusammenhang schließen zu können. Das lässt sich einfach anhand statistischer Tests nachweisen; das kann aber auch jeder daran erkennen, dass die Gruppe von Ratten, welche mit dem höchsten Anteil an Gen-Mais gefüttert wurde, tatsächlich die höchste (!) Überlebensrate hatte.

Eine Analogie kann den Irrtum verdeutlichen: Drei von zehn Bundesbürgern sterben derzeit an Krebs. Greift man beliebig zehn Bundesbürger heraus, sterben aber nur selten genau drei davon an Krebs. Die tatsächliche Zahl der Krebsfälle schwankt zwischen null und zehn. Wenn man wissen möchte, ob der Genuss von Bonbons die Krebssterblichkeit erhöht, aber nur zehn Bürger untersucht, die keine Bonbons essen, dann kann es leicht sein, dass von diesen zehn nur zwei an Krebs sterben. Daraus kann man aber nicht schließen, dass der Verzehr von Bonbons die Sterblichkeit um 50 Prozent (von zwei auf drei) erhöht. Genau dieser Fehler wurde aber bei der Gen-Mais-Studie gemacht.

"Dick macht doof und depressiv"

Presseinformation vom 31. August 2012

Als Unstatistik des Monats August deklarieren die Urheber der gleichnamigen Aktion Meldungen in deutschen Medien, die ursächliche Zusammenhänge von Essgewohnheiten, Depressionen, Intelligenz, Körpergewicht und Schulbesuch suggerieren.

So meldete die "Apotheken-Umschau" Anfang des Monats, der übermäßige Konsum von Fast Food löse Depressionen aus. Dabei fasste sie eine spanische Studie zusammen, die zwischen dem Verzehr von Industriebackwaren und Fast Food auf der einen und der Häufigkeit von Depressionen auf der anderen Seite einen positiven Zusammenhang festgestellt hatte. Besonders gefährdet seien Singles, die mehr als 45 Stunden die Woche arbeiteten, ansonsten aber wenig aktiv seien und sich insgesamt ungesund ernährten.

Einige Tageszeitungen ergänzten das Ende des Monats mit Meldungen wie "Dick macht dumm" (Focus online), basierend wiederum auf einer Beobachtungsstudie, die einen negativen Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Ergebnissen von Intelligenztests aufzeigt. Und dick wiederum werde man unter anderem durch die Schule, wenn man anderen Zeitungsmeldungen des Monats August glauben darf: "Schule macht dick". Hintergrund war diesmal eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Mainz, derzufolge Kinder gerade in dem Alter, in dem sie üblicherweise eingeschult werden, besonders an Gewicht zulegten.

In all diesen Meldungen wird, wie so oft, der Trugschluss von Korrelation auf Kausalität gemacht oder dieser in den von den Zeitungen gewählten Überschriften zumindest suggeriert. Während eine Korrelation lediglich eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also Ursache und Wirkung. Dieser Fehler wurde in der "Unstatistik des Monats" bereits in der Vergangenheit thematisiert. 

So ist es beispielsweise bei Fast Food mindestens ebenso plausibel, dass Depressionen zu Essstörungen führten und damit die Kausalität in die umgekehrte Richtung verläuft. Ganz allgemein können aus Beobachtungsstudien, die all diesen Meldungen zugrunde liegen, nur unter erheblichen Zusatzinformationen und häufig sehr unrealistischen Annahmen Schlüsse auf Kausalbeziehungen abgeleitet werden. Darauf wird auch in allen Studien, auf die sich diese Meldungen beziehen, mehr oder weniger deutlich hingewiesen. Aber leider bleiben diese Einschränkungen in den Medienberichten in aller Regel unerwähnt. Jedenfalls müssen nach aktueller Faktenlage keine Eltern fürchten, dass ihre Kinder durch die Schule erst einmal dick und dann auch noch dümmer werden.

Keine Angst vor Cholera

Presseinformation vom 27. Juli 2012

Horrormeldungen wie "Cholera kann über Ostsee nach Deutschland kommen" (Die Welt), "Gefährliche Keime in der Ostsee" (Frankfurter Rundschau) oder "Klimawandel: Gefährliche Keime breiten sich in Ostsee aus" (Hamburger Abendblatt) haben in den vergangenen Tagen deutsche Zeitungsleser erschreckt. Gerd Gigerenzer vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Walter Krämer von der TU Dortmund und Thomas Bauer vom Rheinisch-Westfälischen-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen haben das vermeintliche Risiko im Rahmen ihrer gemeinsamen Initiative "Unstatistik des Monats" unter die Lupe genommen.

Eine aktuell im Fachmagazin "Nature Climate Change" veröffentlichte Studie hat einen positiven Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Ostsee und dem Vorkommen des Bakteriums Vibrio gefunden, das unter anderem auch Choleraerkrankungen auslöst. Wie die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst anmerken, kann diese Korrelation auf einer Vielzahl anderer Ursachen beruhen, beispielsweise einem verbesserten Meldesystem für Cholera. 

Blitzschlag fünfmal wahrscheinlicher als Cholerainfektion

Dass der Zusammenhang zwischen Meerestemperatur und Krankheitsfällen tatsächlich zutrifft, ist durchaus möglich. Selbst dann jedoch sei kein Grund zur Beunruhigung vorhanden, stellen die Akteure der "Unstatistik" fest: Nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts wurden von 2001 bis 2010 lediglich 15 Cholerafälle gemeldet. Sollte sich diese Zahl, wie die Urheber der genannten Studie befürchten, in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, ergäbe das im Durchschnitt künftig drei Cholerafälle pro Jahr. Damit betrüge die Wahrscheinlichkeit eines Cholerafalls in Deutschland immer noch weniger als ein Fünftel der Gefahr, vom Blitz erschlagen zu werden. Obwohl sich die Zahl der Cholerafälle relativ gesehen verdoppeln würde, bliebe ihre absolute Häufigkeit verschwindend gering.

Das Fazit zur Unstatistik des Monats Juli lautet entsprechend: viel Lärm um (praktisch) nichts. Man kann weiterhin beruhigt in der Ostsee baden.

VCD-"Städtecheck" liefert falsche Zahlen zur Verkehrssicherheit

Presseinformation vom 29. Juni 2012

Die Unstatistik des Monats Juni ist der "Städtecheck 2012" des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Hier teilt der VCD 76 deutsche Großstädte je nach der Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche in unterschiedliche Gefährdungsklassen ein. Dazu werden die Veränderungsraten der Verkehrsunfälle der vergangenen fünf Jahre arithmetisch gemittelt. Diese Vorgehensweise ist irreführend und wissenschaftlich nicht zulässig.

Angenommen, in einer Stadt gibt es erst zehn, dann 16, dann acht Verkehrsunfälle pro 1.000 Kinder und Jahr. Dem entsprechen jährliche Veränderungsraten von plus 60 Prozent und minus 50 Prozent, im Mittel also plus fünf Prozent. In Wahrheit hat aber die Zahl der Verkehrsunfälle abgenommen. In Deutschland hat sich die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder in den vergangenen Jahren mehr als halbiert.

Deshalb geht auch die ausführliche Medienberichterstattung über diesen Städtecheck an den wahren Tatsachen vorbei. So titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am 18. Juni: "Im Ruhrgebiet verunglücken mehr Kinder auf den Straßen". In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. So verunfallten nach Angaben des VCD bundesweit, also unter Einbezug der ländlichen Gebiete, im Jahr 2010 insgesamt 260 von 100.000 Kindern. Dabei lagen nur acht der untersuchten 76 Städte am oder unter diesem Bundesdurchschnitt, darunter Bochum, Hagen und Herne. Betrachtet man nur Städte, waren 320 von 100.000 Kindern an Unfällen beteiligt. Mit Ausnahme von Moers, Recklinghausen und Krefeld lagen alle Ruhrgebietsstädte unter diesem Wert. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten leben Kinder im Ruhrgebiet also vergleichsweise sicher.

Auch die vom VCD angeführten internationalen Vergleiche hinken. Demnach verunglückten in Deutschland im Jahr 2009 insgesamt 277 von 100.000 Kindern im Straßenverkehr, in den Niederlanden dagegen nur 52. Das ist zum großen Teil auf eine andere Definition zurückzuführen: In den Niederlanden werden – anders als in Deutschland – geringfügige Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern statistisch nicht erfasst. Nur Kinder, die wegen eines Unfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, gehen in die Statistik ein. In Deutschland dagegen wird jedes Kind gezählt, auch wenn es sich bei einem Verkehrsunfall beispielsweise lediglich das Knie aufgeschürft hat und direkt nach Hause gehen kann.

Die verlorenen Mädchen von Gorleben

Presseinformation vom 1. Juni 2012

Die Unstatistik des Monats Mai sind die "verlorenen Mädchen von Gorleben". Anfang des Monats haben vermeintliche Defizite von Mädchengeburten rund um deutsche Atomanlagen die Medien bewegt. Besonders in der Nähe des Atomzwischenlagers Gorleben sei das Jungen-Mädchen-Verhältnis mit 109 zu 100 deutlich gestört. Eine Arbeitsgruppe um den Münchner Epidemiologen Hagen Scherb behauptet, daran sei die von diesen Atomanlagen ausgehende Strahlenbelastung schuld. Diese Behauptung wird durch die Fakten nicht belegt.

Auf 100 geborene Mädchen kommen weltweit zwischen 102 und 109 Jungengeburten (von gewissen ostasiatischen Ländern abgesehen, wo Mädchen offensichtlich systematisch abgetrieben werden und der Jungenanteil nochmals höher ist). In den meisten Ländern schwankt diese Zahl zwischen 104 und 106. Für diese minimalen Veränderungen gibt es Dutzende bekannter Faktoren. So steigt etwa der Jungenanteil leicht mit dem Einkommen der Eltern oder dem Körpergewicht der Mutter. Dagegen nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Jungengeburt mit dem Alter der Mutter, der Zahl der Geschwister oder einer Umweltbelastung durch Pestizide ab.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Theorien, die mit den geringfügigen Schwankungen der Jungenquote gut vereinbar sind. In den Ländern Europas etwa korreliert der Jungenanteil positiv mit der Nähe zum Mittelmeer. In den meisten Fällen dürfte aber eine Variation der Jungenquote ein Produkt des Zufalls sein.

Allen systematischen Erklärungsversuchen ist gemeinsam, dass sie sich durch die vorliegenden Daten nie beweisen lassen. Bestenfalls lässt sich die Möglichkeit, dass all die genannten Faktoren einen Einfluss auf das Jungen-Mädchen-Verhältnis haben, nicht widerlegen. Die Theorie der Strahlenbelastung als Ursache erscheint aber besonders unplausibel, da die Strahlenbelastung aus natürlichen oder medizinischen Quellen diejenige aus Atomanlagen bei weitem übersteigt.

"Schokolade macht dünn"

Presseinformation vom 3. Mai 2012

Die Unstatistik des Monats April ist die Meldung "Schokolade macht dünn". So oder ähnlich überschrieben verschiedene deutsche Tageszeitungen und Wochenmagazine zur Monatswende Berichte über eine einschlägige Studie der Universität von Kalifornien in San Diego/USA. Darin hatten Forscher eine negative Korrelation zwischen der Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem sogenanten Body-Mass-Index (BMI) entdeckt.

Nun bedeutet aber Korrelation nicht das Gleiche wie Kausalität: Während eine Korrelation lediglich eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also Ursache und Wirkung. Zwei Merkmale heißen dabei "positiv korreliert", wenn sie sich mehr oder weniger systematisch in die gleiche Richtung bewegen: Wenn die eine steigt, steigt in der Regel auch die andere, wenn die eine fällt, fällt auch die andere.

Ein Beispiel ist das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Große Menschen wiegen im Allgemeinen mehr als kleine; nicht unbedingt in jedem Einzelfall, aber im großen und ganzen schon. Von negativer Korrelation spricht man dagegen immer dann, wenn hohe Werte des einen Merkmals mit niedrigen des anderen zusammengehen und umgekehrt. So gibt es etwa bei Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: je weniger Haare, desto mehr Geld.

Daraus folgt aber nicht, dass Männer durch Haarausfall ihr Einkommen erhöhen können, also ein kausaler Zusammenhang besteht. Diese negative Korrelation kommt dadurch zustande, dass bei Männern mit wachsendem Alter das Einkommen steigt und die Haare ausfallen. Mit anderen Worten, eine dritte Variable im Hintergrund, das Lebensalter, wirkt ursächlich auf Einkommen und Haare ein. Zwischen den beiden Ausgangsvariablen selbst dagegen ist keinerlei Kausalbezug vorhanden.

Ähnlich verhält es sich wohl auch mit der Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem Gewicht. Vielleicht belohnen sich manche Menschen für einen Verzicht auf eine Currywurst oder fette Schweinesteaks mit einem kleinen Bissen Schokolade? Auf diese und ähnliche Hintergrundvariablen, die eine solche negative Korrelation erzeugen könnten, weisen die Autoren der Studie durchaus hin. Aber wie bei so vielen wissenschaftlichen Untersuchungen werden diese Zusatzinformationen in der medialen Aufarbeitung unterdrückt. Sollte es tatsächlich eine Kausalbeziehung geben, wäre die eher in umgekehrter Richtung zu vermuten: dicke Menschen versuchen, Kalorien da zu sparen, wo es ihnen eher leicht fällt, und essen deshalb weniger Schokolade.

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern?

Presseinformation vom 3. April 2012

Die Unstatistik des Monats März heißt 23 Prozent. So hoch ist der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, der im Umfeld des "Equal Pay Day" eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren hat und selbst im Bundestag Gegenstand einer Debatte war. Dieses durch­schnittliche Lohndifferential enthält jedoch keinerlei Information darüber, ob bei der Entlohnung Frauen und Männer wirklich ungleich behandelt werden. Dies liegt darin begründet, dass mit dem durchschnittlichen Lohndifferential "Äpfel mit Birnen" verglichen werden.

Die in Deutschland beschäftigten Frauen und Männer unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer durchschnittlichen Ausbildung, Berufserfahrung und Arbeitszeit. Darüber hinaus sind Frauen und Männer weiterhin überwiegend in unterschiedlichen Berufen und Industrien tätig. Werden im Rahmen einer Regressionsanalyse diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern berücksichtigt, reduziert sich das durchschnittliche Lohndifferential auf zwölf Prozent. Das ist immer noch nicht gleich, aber deutlich weniger ungleich.

Doch auch eine derartige Korrektur des Lohndifferentials ist nicht hinreichend, um einen gesicherten Eindruck über eine mögliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern zu gewinnen. Vielmehr müssten Frauen und Männer miteinander verglichen werden, die über die gleichen arbeitsmarktrelevanten Charakteristika verfügen und in denselben Unternehmen die gleiche Tätigkeit ausüben. Würden wirklich vergleichbare weibliche und männliche Beschäftigte miteinander verglichen, wäre es überraschend, wenn ein nennenswertes Lohndifferential festzustellen wäre. Wäre dies der Fall, würden nicht nur eine Vielzahl von Unternehmen gegen geltendes Recht – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – verstoßen, sondern auch die Betriebsräte und Gewerkschaften bei einer ihrer wichtigsten Kontrollaufgaben weitgehend versagen.

Schließlich ist zu befürchten, dass der Fokus auf das obige Lohndifferential die wahren Gleichstellungsprobleme verschleiert. Anstatt der Konzentration auf medienwirksame Lohnunterschiede sollte sich die Politik fragen, warum überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten, Kinder betreuen und Familienangehörige pflegen. Auch sollte die Frage gestellt werden, warum Frauen andere Berufe als Männer wählen, was nicht zuletzt die Absolventenstatistik der Universitäten verdeutlicht. Diesen Unterschieden sollte sich die Politik zuwenden, wenn sie ernsthafte Gleichstellungspolitik betreiben möchte. So dürften beispielsweise Maßnahmen zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf die beste Gleichstellungspolitik sein, während andere Maßnahmen wie das Betreuungsgeld eher kontraproduktiv sind.

Pünktliche Bahn? Unstatistik des Monats Februar

Presseinformation vom 5. März 2012

Die Unstatistik des Monats Februar sind die Pünktlichkeitszahlen der Deutschen Bahn AG. Diese hat im Rahmen einer "Transparenzoffensive" in ihrem Internetportal für den Monat Januar 2012 ein Pünktlichkeitsmaß von 96,5 Prozent publiziert.

Diese Zahl bedarf einer Interpretation. Richtig ist: 96,5 Prozent aller Haltepunkte des Nah- und Fernverkehrs inklusive S-Bahnen wurden mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten erreicht. Dies ist angesichts der gewählten Berechnungsmethode aber nicht weiter verwunderlich. Einen Wert von 96 Prozent erreicht man bereits, wenn beispielsweise die Züge der Bahn durchschnittlich 25 Haltestellen anfahren und alle diese Züge am Zielbahnhof um mehr als sechs Minuten verspätet ankämen, unterwegs aber immer knapp unter dieser Grenze blieben. Nur bei einem von 25 Haltepunkten, also bei vier Prozent, würde nach den Kriterien der DB Verspätung angezeigt.

Der Prozentsatz der Züge, die pünktlich (d.h. mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten) ihren Zielbahnhof erreichten, wird von der Bahn nicht angegeben. Darüber hinaus werden Totalausfälle nicht als verspätet mitgezählt. Ferner sagt diese Statistik nichts über die Zahl der Fahrgäste, die pünktlich ihr Ziel erreichten, und über deren durchschnittliche Verspätung. Bei verpassten Anschlüssen addiert sich zu den Zugverspätungen hier noch die Wartezeit hinzu.

Auch die Sechs-Minuten-Grenze versteht sich nicht von selbst. In der Schweiz gilt ein Zug bereits ab drei Minuten als verspätet, in Japan sogar schon ab zwei. Würde man diese Kriterien auf Deutschland übertragen, sähe die Statistik der Deutschen Bahn wohl längst nicht mehr so freundlich aus.

Die Schweizer Bahn ist darüber hinaus ein Vorbild hinsichtlich der Transparenz. Sie legt nicht nur im Vergleich zur Deutschen Bahn härtere Kriterien an, sie weist auch die Anteile der pünktlich angekommenen Züge und Reisenden sowie die jährlichen Verspätungsminuten aller Reisenden aus.

Missverständliche Zahlen bei der Hähnchenmast: Die Unstatistik des Monats Januar ist 96,4 Prozent

Presseinformation vom 9. Februar 2012

Die Zahl von 96,4 Prozent verbreitete das Umweltministerium NRW am 20. Januar 2012 in einer Pressemitteilung; so viele Hähnchen der untersuchten Mäster aus NRW sollen nach Angaben von NRW-Umweltminister Remmel mit Antibiotika behandelt werden oder worden sein.

Hier ist Umweltminister Remmel und mit ihm viele andere, die diese Zahl seit ihrem ersten Auftauchen verbreitet haben, ohne sie zu hinterfragen, einem Irrtum aufgesessen. Dieser Irrtum liegt darin, dass "Betriebe" mit "Hähnchen" verwechselt werden. Wahr ist vermutlich, dass nur 3,6 Prozent der Hähnchen in Betrieben aufgezogen werden, die grundsätzlich auf Antibiotika verzichten. Es gibt aber viele Mastbetriebe, die einmal bei einem Mastdurchgang Antibiotika brauchten und beim nächsten Durchgang nicht. Alle Personen, die die Zahl 96,4 Prozent verbreitet haben, haben fälschlicherweise alle gemästeten Hähnchen dieser Betriebe als durch Antibiotika kontaminiert klassifiziert. Daher ist der Prozentsatz der mit Antibiotika behandelten Masthähnchen wahrscheinlich kleiner als 96,4 Prozent.

Eine genauere Betrachtung der dieser Zahl zugrunde liegenden Studie zeigt, dass bei 83 Prozent der untersuchten Mastdurchgänge mindestens eine Arzneimittelbehandlung vorgenommen wurde, während bei 17 Prozent der Durchgänge keine Behandlung stattfand. Aber auch diese Zahl liefert keinen Hinweis, wie viele Hähnchen tatsächlich mit Arzneimitteln behandelt wurden, da sich die Anzahl der Hähnchen je Mastdurchgang stark unterscheidet. Mehr Aufschluss liefert eine repräsentative Untersuchung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, die die tatsächliche Anzahl der behandelten Masthühner ausweist. Nach dieser Studie wurden 76 Prozent der Masthühnchen in Niedersachsen mit Antibiotika behandelt.

Wissenschaftler gründen Aktion "Unstatistik des Monats" / Erstes Beispiel ist das Ruhrgebiet als Armenhaus

Presseinformation vom 3. Februar 2012

Der erste Stein des Anstoßes der neu gegründeten Aktion ist der im Dezember vorgestellte "Armutsbericht 2011" des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Daraufhin wurde in vielen deutschen Medien das Ruhrgebiet als neues Armenhaus der Republik identifiziert. So wäre z.B. die Armutsgefährdungsquote in Dortmund zwischen 2005 und 2010 von 18,6 auf 23 Prozent angestiegen, verglichen mit 14,5 Prozent in Gesamtdeutschland. Aber auch landesweit ginge der wirtschaftliche Aufschwung an den Armen vorbei.

Beide Aussagen sind irreführend. Als armutsgefährdet gilt hier, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommes zur Verfügung hat. Für die Bestimmung der Armut ist die so definierte Armutsgefährdungsquote jedoch irrelevant, da sie nicht die Armut, sondern lediglich die Ungleichheit misst. Auch ging der wirtschaftliche Aufschwung an den Armen nicht vorbei. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist das monatliche Medianeinkommen eines Haushalts mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren zwischen 2005 und 2010 von 2.575 auf 2.892 Euro gestiegen. Entsprechend ist das Einkommen, ab dem ein Haushalt als armutsgefährdet bezeichnet wird, in diesem Zeitraum von 1.545 auf 1.735 Euro gestiegen. Die Armutsgefährdungsquote verringerte sich jedoch im gleichen Zeitraum leicht von 14,7 Prozent auf 14,5 Prozent, d.h. alle Haushalte haben im gleichen Maße vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert, die "Armen" sogar leicht überproportional.

Entscheidend ist der Vergleichsmaßstab. Für die Armut im Ruhrgebiet verwendet der Paritätische Wohlfahrtsverband das (leicht gestiegene) Medianeinkommen der Bundesrepublik Deutschland als Berechnungsgrundlage. Wird dagegen das Medianeinkommen der jeweiligen Großstadt als Berechnungsgröße verwendet, hatte Dortmund in 2010 eine geringere Armutsgefährdungsquote als Düsseldorf, Hannover, München oder Stuttgart. Duisburg hatte mit 13,9 Prozent sogar die geringste Armutsgefährdungsquote aller ausgewiesenen Großstädte überhaupt.

Ungleichheit ist aber nicht dasselbe wie Armut. In Dortmund und Duisburg gibt es nicht mehr Ungleichheit unter den Menschen in der Stadt, sondern nur relativ zum Median für Deutschland.

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