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Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland (LV-West 64/71)

Einleitung

Bei dem Teilprojekt "Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland" handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Mit der Stichprobenziehung und der Datenerhebung war infas Sozialforschung in Bonn beauftragt.

Die Daten stehen unter der Studiennummer 3927 beim Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln zur Verfügung (ZA-Studien-Nr.: 3927). Die Studie enthält Lebensverlaufsdaten von 2909 Personen, die zum Zeitpunkt der Stichprobenziehung in Westdeutschland lebten, und erlaubt detaillierte Längsschnittanalysen, insbesondere zum Ausbildungsverhalten, zu Arbeitsmarkteinstieg und Erwerbsverläufen sowie zu Prozessen der Familienbildung in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Ziele des Projekts

Mit dem Projekt "Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland" konnten die Daten früherer Befragungen um die Lebensverläufe der Geburtsjahrgänge 1964 und 1971 bis Ende der neunziger Jahre ergänzt werden.

Unter dem Gesichtspunkt der schwierigen Ausbildungs- und Arbeitsmarktlage der achtziger und neunziger Jahre fiel die Wahl auf die Kohorte 1964, weil für den geburtenstärksten Jahrgang seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vermutet wurde. Die Geburstkohorte 1971 sollte einen direkten Vergleich mit der Teilstudie LV-Ost 71 ermöglichen.

Frageprogramm

Auf der Grundlage der früheren Teilstudien wurde ein Fragebogen entwickelt, mit dem Daten für die folgenden Themenbereiche erhoben wurden:

  • Allgemeine Personenmerkmale/Einstellungen
  • Schul- und Berufsausbildung
  • Erwerbstätigkeiten/Phasen der Nichterwerbstätigkeit
  • Familie
  • Haushalt/Wohnen

Eine Besonderheit des Projekts "Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland" war die erbetene Zustimmung der befragten Personen zur Verknüpfung der erhobenen Daten mit den Sozialversicherungsdaten der IAB-Beschäftigtenstichprobe.

Stichprobendesign

Aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung der Geburtsjahrgänge 1964 und 1971 wurde eine nach Bundesland, Typ der Region und Geburtskohorte geschichtete Einwohnermeldestichprobe in 97 ausgewählten Gemeinden der alten Bundesländer gezogen. Die Stichprobenziehung fand zwischen Juni und Dezember 1997 statt.

Die Besonderheit des Projekts "Ausbildungs- und Berufsverläufe der Geburtskohorten 1964 und 1971 in Westdeutschland" lag hierbei in der Einbeziehung Deutsch sprechender Ausländer in die Stichprobe.

Datenerhebung

Nach Methodentest und Pretests wurde die Hauptstudie im Zeitraum Mai 1998 bis Januar 1999 durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte computerunterstützt, wobei erstmals bereits während des Interviews eine automatisierte Datenprüfung erfolgte. 2.685 Personen wurden telefonisch und 250 Personen "face-to-face" befragt. An der Befragung waren insgesamt 53 Interviewerinnen und Interviewer beteiligt. Im September 1998 wurde zusätzlich eine Non-Response-Studie begonnen, um die Ausschöpfung zu erhöhen.

 

 
Geburtskohorte
Gesamt
 
1964
1971
Absolut
%
Bruttostichprobe
3299
3220
6519
100,0
Neutrale Ausfälle
968
1147
2115
32,4
Bereinigte Stichprobe
2331
2073
4404
100,0
Nicht erreichbar
64
61
125
2,8
Verweigert
710
520
1230
30,5
Andere Ausfallgründde
58
42
100
2,3
Realisierte Interviews
1499
1450
2949
67,0
Nicht auswertbare Interviews
25
15
40
32,0
Auswertbare Interviews/Ausschöpfungsquote

Mit einer Ausschöpfungsquote von 66 Prozent (netto) liegt die Studie über den Quoten vergleichbarer Befragungen. Durch die spätere Nachbefragung konnten darüber hinaus die Lücken in einzelnen Fragen überwiegend gefüllt werden.

Repräsentativität

Um erste Anhaltspunkte für die Repräsentativität der Stichprobe zu bekommen, wurden ausgewählte, auf Basis der Lebensverlaufsstudie gewonnene, jeweils altersspezifische Verteilungen mit verschiedenen Jahrgängen des Mikrozensus verglichen (vgl. Hillmert/Kröhnert 2001). Bei der Gegenüberstellung der einfachen Merkmalsverteilungen finden sich einige - im Übrigen für Surveys typische - Abweichungen zwischen Mikrozensus und Lebensverlaufsstudie. So sind in den Lebensverlaufsdaten Personen ohne oder mit nur geringer Schul- und Berufsausbildung offenbar unterrepräsentiert, Personen mit mittleren Bildungsabschlüssen hingegen etwas überrepräsentiert. Auch sind die jeweils errechneten Arbeitslosenquoten in den Lebensverlaufsdaten durchweg geringer.

Datenedition

Im Anschluss an die Erhebung wurden die Daten einem aufwändigen Editionsprozess unterzogen. Hierbei wurden alle Fälle einzeln im Hinblick auf fehlende oder unplausible Angaben geprüft (zum Prozess der Edition in dieser Teilstudie und Konsequenzen für inhaltliche Analysen vgl. Hillmert 2002a). Bereits im Juli 1998 wurde mit einer Voredition der bereits verfügbaren Daten begonnen. Die eigentliche Edition der Daten wurde am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Anfang Januar 1999 begonnen. Sie dauerte einschließlich Nachrecherche, Eingabe der Korrekturdaten und Datenprüfung bis Ende 2002. Für die Edition wurde ein differenziertes Regelwerk konstruiert, das sukzessive angepasst wurde. In einer telefonischen Nachrecherche wurden ca. 1.000 Zielpersonen noch einmal um klärende oder ergänzende Informationen gebeten.

Hinweise zur Datenanalyse

Zu den Besonderheiten bzw. Stärken dieser Studie zählt die besondere Datenqualität, die durch aufwändige Vorbereitung, Erhebung und Edition der Daten gesichert wird. Hinzu kommt die Detailliertheit der Angaben, die für eine Vielzahl von Variablen Längsschnittanalysen ermöglicht. Die zentralen verlaufsrelevanten Merkmale wurden jeweils gesondert für jede einzelne (Teil-)Episode erhoben. Darüber hinaus ermöglicht der modulweise Aufbau der Erhebung, Querbezüge zwischen parallelen Aktivitäten bzw. unterschiedlichen Lebensbereichen herzustellen. Schließlich besteht noch die Möglichkeit, die Daten auf Individualebene mit prozessproduzierten Daten zu verknüpfen (vgl. Bender et al. 2001), um sie einerseits zu validieren und andererseits mit zusätzlichen Informationen anzureichern. Diese Möglichkeit steht externen Nutzern allerdings nicht zur Verfügung.