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Ostdeutsche Lebensverläufe im Transformationsprozess (LV-Ost Panel)

Einleitung

In der Studie „Ostdeutsche Lebensverläufe im Transformationsprozess (LV-Ost Panel)“ (ZA-Studien-Nr.: 3925) wurden von März 1996 bis Juni 1997 dieselben Personen der DDR-Geburtsjahrgänge 1929-31, 1939-41, 1951-53 und 1959-61 interviewt, die bereits 1991/92 in der Studie „Lebensverläufe und historischer Wandel in der ehemaligen DDR (LV-DDR)“ ausführlich zu ihrem bisherigen Lebensverlauf befragt wurden. Von den 2.331 Personen, die an der LV-DDR-Studie teilgenommen hatten, konnten wir im Rahmen der LV-Ost Panel-Studie 1.407 Personen für ein weiteres telefonisches oder persönliches, computergestütztes Interview gewinnen. Darüber hinaus wurde im Rahmen dieses Projektes versucht, diejenigen Zielpersonen der DDR-Geburtsjahrgänge 1929-31, 1939-41, 1951-53 und 1959-61 zu befragen, die an der ersten Welle nicht teilgenommen hatten. In dieser Non-Response-Studie kamen von den 2.131 systematischen Ausfällen der LV-DDR 1.246 Adressen zum Einsatz und konnten 188 Interviews realisiert werden.

Mitglieder der Projektgruppe waren Heike Solga, Martin Diewald, Anne Goedicke, Britta Matthes und Sylvia Zühlke. An der Datenedition und -korrektur waren wesentlich Ralf Künster, Sonja Menning, Karin Visser, Sandra Wagner und Sigrid Wehner beteiligt.

Ziele des Projekts

Beim ersten Panel der Deutschen Lebensverlaufsstudie standen die Folgen der institutionellen Veränderungen während der ostdeutschen Transformation für die Lebensverläufe der DDR-Geburtskohorten 1929-31, 1939-41, 1951-53 und 1959-61 im Mittelpunkt des Interesses. Dabei sollte vor allem der Wandel des sozialen Ungleichheitsgefüges während der ostdeutschen Transformation beschrieben und erklärt werden. Welche sozialen Positionen sind verschwunden, welche neu entstanden? Wie haben sich die Allokationskriterien und -mechanismen für die Zuordnung von Personen zu diesen Positionen verändert?

Durch die Wiedervereinigung hat sich der ostdeutsche Arbeitsmarkt drastisch verändert - deshalb konzentrierte sich das Projekt vor allem auf die Frage, wer nach der Wiedervereinigung noch gute Arbeitsmarktchancen hatte und wer mit Benachteiligungen rechnen musste. Von besonderem Interesse war erstens der Einfluss des branchenspezifischen Beschäftigungsabbaus und -wachstums auf die Erwerbschancen, zweitens die Verwertbarkeit der in der DDR erworbenen Qualifikationen (sowohl der erlernte Beruf als auch angesammelte Berufserfahrungen) sowie drittens die Arbeitsmarktchancen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen (insbesondere von Frauen, „Älteren“ (40- bis 50-Jährige), Parteimitgliedern und ehemaligen Leitungskadern sowie Personen in bestimmten beruflichen Tätigkeiten).

Frageprogramm

Auf der Grundlage des Erhebungsinstruments der Studie „Lebensverläufe und historischer Wandel in der ehemaligen DDR (LV-DDR)“ wurde ein standardisiertes, computergestütztes Befragungsprogramm entwickelt, mit dem sowohl telefonisch als auch persönlich Interviews (CATI-/CAPI-Methodenmix) durchgeführt werden konnten. In einem Pretest wurde das Erhebungsinstrument auf Verständlichkeit und Akzeptanz unter den Zielpersonen sowie auf Handhabbarkeit seitens der Interviewer getestet. In dem Erhebungsinstrument wurde besonderer Wert auf die Erfassung der Erwerbsgeschichte nach 1989 gelegt, sodass getrennt für die Geburtskohorte 1929-31 die aktuelle Erwerbssituation, bzw. bei Ruhestand die letzte Erwerbstätigkeit sowie die Alltagsgestaltung im Ruhestand und für die Geburtskohorten 1939-41, 1951-53 und 1959-61 der Erwerbsverlauf inklusive der Aus- und Weiterbildungsgeschichte erfragt wurde.

Darüber hinaus wurden Angaben zu den Veränderungen der Wohnsituation seit 1989, den aktuellen Mitgliedschaften in Organisationen, den sozialen Kontakten und Freundschaften vor und nach 1989 und den Veränderungen in Ehe und Partnerschaft seit 1989 erfragt (siehe Codebuch (pdf-Format, 355 KB). In der Nonresponse-Studie wurden zusätzlich die Segmente Herkunftsfamilie und Geschwister erhoben, und bei der Erfassung der Erwerbsgeschichte auch alle Erwerbsphasen vor 1989 erfasst sowie im Partnermodul alle (Ehe-)Partner vor 1989. Darüber hinaus wurden Fragen zum höchsten Schulabschluß und zum höchsten Ausbildungsabschluss bis 1989 sowie zur Parteizugehörigkeit der Zielperson bis 1989 gestellt.

Stichprobendesign

Den Ausgangspunkt für diese Anschlusserhebung bildete der Adressenbestand der 2.331 realisierten Fälle der LV-DDR. Die Recherche und Aktualisierung dieses Bestandes ergab aufgrund der Panelmortalität eine Bruttostichprobe von 2.159 Adressen. Vor und während der Anschlusserhebung wurden intensive Bemühungen unternommen, die Anzahl neutraler Ausfälle zu minimieren. Deshalb wurden die Zielpersonen in Vorbereitung auf die Erhebung ausführlich über das Thema und die Methode der Studie informiert und für eine Teilnahme ein Los der „Aktion Sorgenkind“ angeboten. Im November 1996 wurde der Anreiz für ein vollständig realisiertes Interview durch eine Aufwandsentschädigung von 50,- DM erhöht.

Für die Nonresponse-Studie wurden alle Zielpersonen der LV-DDR ausgewählt, deren Kontaktprotokoll einen Bearbeitungsstatus "nicht angetroffen", "nicht erreichbar", "länger abwesend", "Zielperson vorübergehend krank", "Zielperson aus zeitlichen Gründen nicht bereit", "Grundsätzlich Auskunft verweigert", "Zielperson ließ sich verleugnen", "Interview durch andere Person verhindert" und "Zielperson verweigert Interview" aufwies. Dabei wurden nur diejenigen Personen einbezogen, deren Kontaktprotokoll eine nochmalige Befragung rechtfertigen konnte (siehe Methodenbericht, S. 26).

Datenerhebung

Die LV-Ost Panel dauerte von März 1996 bis Juni 1997. Die Zahl der auswertbaren Fälle beträgt 1.407 Personen, mit jeweils ca. 330 Interviews pro Kohorte und nahezu gleichen Anteilen an Männern und Frauen. Die Ausschöpfungsquote liegt damit bei 74 Prozent (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Ausschöpfung und Ausfallgründe bei der LV-Ost Panel

 
Geburtskohorte
Gesamt
 
1929-31
1939-41
1949-51
N
%
Bruttostichprobe
548
540
534
2.159
100,0
Neutrale Ausfälle
79
47
63
261
12,1
Bereinigte Stichprobe
469
493
471
1.898
100,0
Kein Kontakt zu Haushalt oder Zielperson
21
23
22
92
4,8
Krank
27
9
4
40
2,1
Verweigert
89
85
89
328
17,3
Realisierte Fälle
332
376
356
1.438
75,8
Nicht auswertbare Interviews
3
10
13
31
1,6
Auswertbare Interviews/Ausschöpfungsquote

Damit konnten für etwa 60 Prozent der 1991/92 befragten Personen die Lebensverläufe bis 1996/97 „fortgeschrieben“ werden. Es wurden telefonische (CATI), aber auch – wenn die Zielpersonen telefonisch nicht zu erreichen waren bzw. es wünschten – persönliche, mündliche (CAPI) Interviews durchgeführt. Die Interviews dauerten in der Geburtskohorte 1929-31 ca. 50 Minuten bei der CATI- und ca. 60 Minuten bei der CAPI-Methode, in den anderen Geburtskohorten ca. 65 Minuten bei der CATI- und ca. 75 Minuten bei der CAPI-Methode (siehe Methodenbericht, S. 26)

In der Nonresponse-Studie wurden von den 2.131 systematischen Ausfällen der LV-DDR (48% der Adressen der Bruttostichprobe) 1.246 Personen einbezogen. Insgesamt konnten 188 Interviews realisiert werden, so dass die Ausschöpfungsquote bei 19,5% lag (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 2: Ausschöpfung und Ausfallgründe bei der LV-Ost Nonresponse

 
N
%
Bruttostichprobe
1.246
100
Neutrale Ausfälle
282
22,6
Bereinigte Stichprobe
964
100
Kein Kontakt zu Haushalt oder Zielperson
61
6,3
Krank
29
3
Verweigert
670
69,5
Realisierte Fälle
204
21,2
Nicht auswertbare Interviews
16
1,7
Auswertbare Interviews/Ausschöpfungsquote

Der hohe Anteil an Verweigerern in der Nonresponse-Studie zeigt, dass der Erfolg eines erneuten Kontaktversuchs bei systematischen Ausfälle nur spärlich ist.

Repräsentativität

Zur Überprüfung der Repräsentativität der Panelstudie wurden einerseits Unterschiede zwischen Panelteilnehmern und Nicht-Panelteilnehmern analysiert und andererseits ausgewählte Randverteilungen zwischen der Panelstudie und dem Mikrozensus 1995 verglichen (siehe Wehner 2003). Abgesehen von einem – in der Lebensverlaufsforschung schon häufiger festgestellten – Bildungseffekt und einer erhöhten regionalen Mobilität vor allem der jüngeren, ledigen Männer sind kaum Unterschiede zwischen den Panelteilnehmern und den Nicht-Panelteilnehmern sowie dem Mikrozensus 1995 festzustellen. Allerdings muss bei Analysen des Panels immer in Betracht gezogen werden, dass die (ledigen) Männer der 1950er und 1960er Geburtskohorte sowie die Facharbeiter unterrepräsentiert sind.

Die höheren Anteile von Angestellten in der Panelstudie spiegeln zum einen die größere Teilnahmebereitschaft von Personen mit höherem Bildungsniveau, sind aber auch möglicherweise auf individuelle Zuordnungsprobleme hinsichtlich der beruflichen Stellung zurückzuführen. Dieses Problem taucht gehäuft bei Studien über ostdeutsche Personen auf, da die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten in der DDR nicht so deutlich war und Ausbildungsberufe in der Regel die Bezeichnung “Facharbeiter für ...” unabhängig von der mit der Tätigkeit verbundenen beruflichen Stellung trugen.

Datenedition

Im Anschluss an die Erhebung wurden die Daten einer gründlichen fallweisen Edition unterzogen. Besondere Schwierigkeiten für die Datenedition ergaben sich daraus, dass für den Zeitraum von 1989 bis 1991/92 sowohl Daten aus der LV-DDR als auch aus der LV-Ost Panel vorlagen, die nicht immer identisch waren, die es jedoch zu einer widerspruchsfreien Struktur zusammenzufügen galt. Die Datenprüfung und -korrektur erstreckte sich von Frühjahr 1997 bis Sommer 1999 und konzentrierte sich insbesondere auf die Themenbereiche Erwerbsgeschichte, Aus- und Weiterbildung, Nebentätigkeiten sowie Partnerschaft, Kinder und Mitgliedschaft in Organisationen (siehe Editionsregeln (Langfassung)). Zur Klärung von – nach Zweit- und Drittedition weiterhin bestehenden – Mehrdeutigkeiten und Widersprüchen erfolgte parallel und im Anschluss an die Datenedition eine Nachrecherche, bei der die betreffenden Personen nochmals kontaktiert wurden (siehe Nachrecherchebericht). An die Eingabe der bereinigten Daten schloss sich die Codierung der (halb-)offenen Angaben (siehe Bericht über die Bericht über die Codierung) und ein umfangreicher Datenprüfungsprozess an, bei dem insbesondere die Filterführung und Datenbereiche, aber auch die Zulässigkeit zeitlicher Überschneidungen von Episoden in unterschiedlichen Themenbereichen nochmals überprüft wurden (siehe Bericht über die Prüfung der Daten).

Auch die Nonresponse-Studie wurde einer gründlichen fallweisen Edition unterzogen. Diese Datenprüfung erstreckte sich über den Zeitraum Frühjahr 1997 bis Sommer 1999 und orientierte sich weitgehend an den Editionsregeln der LV-Ost Panel, mit der Einschränkung, dass keine Vergleichsdaten aus der LV-DDR-Studie vorlagen, die abgeglichen werden mussten (siehe Editionsregeln). Die Nachrecherche der Nonresponse wurde im Zeitraum von Juni bis Juli 1999 durchgeführt. Ziel der Nachrecherche war es, die nach der Edition verbliebenen Uneindeutigkeiten und Widersprüchlichkeiten zu klären sowie Informationen zu den schulischen und beruflichen Ausbildungen vor Dezember 1989 zu erhalten (siehe Nachrecherchebericht). Parallel zu den und im Anschluss an die Editions- und Nachrecherchearbeiten wurden die offenen Angaben codiert. Insbesondere bei den halboffenen Fragen wurden Codierungen, sofern diese Angaben mit dem vorhandenen Kategorienschema verschlüsselt werden konnten, bereits während der Edition und Nachrecherche vorgenommen (siehe Bericht über die Codierung). An die Eingabe der bereinigten Daten schloss sich ein umfangreicher Datenprüfungsprozess an, der von Ralf Künster, zusammen mit zwei studentischen Hilfskräften, durchgeführt wurde (siehe Bericht über die Prüfung der Daten).

Hinweise zur Datenanalyse

Der im Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln vorliegende Public-Use-File der Studie „Ostdeutsche Lebensverläufe im Transformationsprozess (LV-Ost Panel)“ besteht aus einzelnen SPSS-Datenfiles für die jeweiligen Lebensbereiche. Der Public-Use-File wurde identischen datenschutzbedingten technisch-formalen Veränderungen unterworfen, wie der Public-Use-File der Vorgängerstudie LV-DDR. In diesen Datenfiles sind alle direkten Ortsbezüge sowie alle offenen Texte nicht mehr enthalten. Die in der Befragung verwendete „Fragebogennummer“ wurde durch eine neue künstliche Personenidentifikations-Variable ersetzt, deren Werte mithilfe eines Zufallsgenerators erzeugt wurden. Außerdem wurde die Sortierung der Fälle geändert, sodass kein direkter Bezug zwischen Datenfiles und Fragebögen hergestellt werden kann.

Die Daten der Nonresponse-Studie können über Gastwissenschaftlermodelle bzw. andere spezielle Abmachungen mit der Projektgruppe genutzt werden.