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Berufszugang in der Beschäftigungskrise (LV-West III)

Einleitung

Das Projekt "Berufszugang in der Beschäftigungskrise" (LV-West III) ist ein Anschlussprojekt der Lebensverlaufsstudien "Lebensverläufe und Wohlfahrtsentwicklung" (LV-West I) und "Die Zwischenkriegskohorte im Übergang zum Ruhestand" (LV-West II), das in Kooperation mit Infratest Sozialforschung (München) durchgeführt wurde. Es wurden 2.008 Lebensverläufe von westdeutschen Frauen und Männern der Geburtskohorten 1954-56 und 1959-61 erhoben.

Mit den beim Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln verfügbaren Datensätzen (ZA-Studien-Nr.: 2648) können die Prozesse des Arbeitsmarkteinstiegs und der Platzierung auf dem Arbeitsmarkt sowie der Familienbildung in den siebziger und achtziger Jahren analysiert werden.

Ziel des Projekts

Mit den Jahrgängen 1954-56 und 1959-61 wurde eine Zielgruppe ausgewählt, die im Verhältnis zu älteren Geburtskohorten zwar von der Bildungsexpansion profitieren konnte, dann aber auf einen schwierigen Arbeitsmarkt traf. Deshalb haben wir die Folgen dieser Schwierigkeiten für den Einstieg in das Berufsleben und die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt untersucht.

Darüber hinaus waren angesichts der Zunahme nicht ehelicher Lebensgemeinschaften sowie unehelich geborener Kinder Veränderungen im Familienbildungsprozess und im demografischen Verhalten zu erwarten. Deshalb stand die Attraktivität von Partnerschaft und Elternschaft in der (alten) Bundesrepublik im Mittelpunkt des Analyseinteresses.

Frageprogramm

Ausgangspunkt für das Frageprogramm der LV-West III war das Erhebungsinstrument der LV-West II T. Um den Berufszugang in der Beschäftigungskrise zu untersuchen, wurde das Frageprogramm im Vergleich zu den vorhergehenden Teilprojekten in den Bereichen berufliche Ausbildung, Berufszugang und Zukunftsaspirationen erweitert. Im Unterschied zu den Vorgängerstudien, in denen die Angaben zur Herkunftsfamilie gleich am Anfang des Interviews, noch vor der Wohngeschichte, erhoben wurden, wurden in dieser Teilstudie alle Angaben zu Familienangehörigen im Anschluss an die Erwerbsgeschichte erfragt. Weiterhin wurden Fragen zu Geschwistern nicht im Anschluss an die Eltern, sondern erst nach den (Ehe-)Partnern und Kindern gestellt. Im Rückblick führte dies nicht selten sowohl bei Interviewern als auch bei Befragten zu Verwirrung und Missverständnissen, sodass dieses neue Design insgesamt schlechter zu funktionieren scheint.

Stichprobendesign

Die Auswahl der Adressen erfolgte wie auch beim Projekt LV-West II T über InfraScope. Zur Ermittlung der Zielpersonen wurden alle Teilnehmer der InfraScope Studie zusätzlich nach ihrem Geburtsjahr und ihrer Staatsangehörigkeit befragt, wodurch 3.376 Adressen bzw. Telefonnummern von Personen der Geburtsjahrgänge 1954-1956 und 1959-1961 gefunden wurden.

Dieses Verfahren hat den prinzipiellen Nachteil, dass ausschließlich Haushalte mit Telefon erfasst werden. Hinsichtlich der demographischen Struktur zeigte sich jedoch, dass bei den um 1956 Geborenen Arbeitslose, Auszubildende, Ledige sowie einkommensschwächere Personen deutlich seltener ein Telefon besitzen, und diese Teilgruppen damit von vorneherein unterrepräsentiert sind. Von Vorteil ist jedoch, dass die Adressen eine größere Aktualität aufweisen, was besonders bei den mobilen jüngeren Jahrgängen positiv zu bewerten ist.

Datenerhebung

In der Zeit von Oktober 1988 bis Anfang November 1989 wurde mithilfe computergestützter Telefoninterviews 2.008 Frauen und Männer befragt, die in den Jahren 1954-1956 und 1959-1961 geboren wurden und in den (alten) Bundesländern und West-Berlin lebten.

Tabelle 1: Ausschöpfung und Ausfallgründe

 
1954-56
1959-61
Gesamt
Gesamt
(in %)
Bruttoadresse InfaScope
1.667
1.709
3.376
 
Verweigerer in InfaScope
205
177
382
 
Nicht ins feld gegeben
136
181
317
 
Wegen Erreichen der Fallzahl nicht abschließend bearbeitet
111
129
240
 
Bruttostichprobe
1.215
1.222
2.437
100,0
Neutrale Ausfälle
51
54
105
4,3
Bereinigte Stichprobe
1.164
1.168
2.332
100,0
ZP auf Dauer nicht erreichbar
24
33
57
2,4
ZP verweigert
106
109
215
9,2
Sonstige Ausfallgründe
1
0
1
0,0
Realisierte Fälle
1.033
1.026
2.059
88,3
Nicht auswertbare Interviews
25
26
51
2,2
Auswertbare Interviews/ Ausschöpfungsquote
1.008
1.000
2.008
86,1

Quelle: Kortmann (1995), Seite 31

Gegenüber der LV-West II T verweigerten deutlich weniger Zielpersonen eine Befragung (20,1% vs. 9,2%). Allerdings hatte sich bereits in LV-West I gezeigt, dass jüngere Zielpersonen (Geburtskohorte 1949-51) wesentlich seltener verweigerten als ältere Zielpersonen.

Repräsentativität

Im Feldverlauf zeigte sich, dass die Männer der 1955er Kohorte (Geburtsjahre 1954-1956) im Verhältnis schwerer zu erreichen waren, was aber durch eine intensivierte Bearbeitung der ins Feld gegebenen Adressen ausgeglichen werden konnte. Dagegen lief die Erhebung bei den Frauen der 60iger Kohorte (Geburtsjahre 1959-1961) so gut, dass das Stichproben-Soll bereits vor Ablauf der Feldzeit erreicht war. Trotzdem wurde eine sehr gute Übereinstimmung von Stichproben-Soll und -Ist erzielt (Kortmann (1995), Seite 37f.). Hier zeigt sich der Vorteil der verbesserten Rücklaufkontrolle und Feldsteuerung, die durch die sofortige Verfügbarkeit der mit einem CATI-System erhobenen Daten ermöglicht wird.

Datenedition

Wie bereits in den beiden Vorgängerstudien (LV-West I und LV-West II) wurde eine gründliche Konsistenz- und Plausibilitätsprüfung durchgeführt. Anhand eines Biographieschemas wurde zunächst eine Vorselektion vorgenommen, wobei schwierig aussehende Fälle mit Priorität bearbeitet wurden. Jeder Fall wurde in der Regel von zwei verschiedenen Personen zweimal gründlich durchgesehen und gegebenenfalls mit Hilfe von Tonband und Fehlerprotokoll ediert. Angesichts der großen Fallzahl und des komplizierten Erhebungsinstruments war es angebracht, die auf den Einzelfall bezogene Durchsicht der Protokolle durch eine computergestützte Kontrolle der Verlaufsdaten zu ergänzen. Dafür wurde ein Computerprogramm entwickelt, das eine effiziente, bereichsübergreifende Kontrolle der zeitlichen Konsistenz und Vollständigkeit sowohl in der Wohngeschichte als auch im Bildungs- und Erwerbsverlauf ermöglichte (siehe Nuthmann und Brückner (1995)).

Hinweise zur Datenanalyse

Ursprünglich wurden die Daten in SIR-Datenbanken abgelegt. Um die Arbeit mit den Datensätzen zu erleichtern, wurden die Daten dem Zentralarchiv für Sozialforschung, Köln, als sogenannte Public-Use-Files in Form von SPSS Data Files, SPSS Portable Files und STATA Files zur Verfügung gestellt. Der entsprechende Datensatz kann über das Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln bezogen werden (ZA-Studien-Nr.: 2648).

Der Public-Use-File wurde datenschutzbedingt technisch-formalen Veränderungen unterworfen. In diesen Datenfiles sind alle direkten Ortsbezüge sowie alle offenen Texte nicht mehr enthalten. Die in der Befragung verwendete „Fragebogennummer“ wurde durch eine künstliche, mit Hilfe eines Zufallsgenerators erzeugte Fallnummer ersetzt, die so konstruiert wurde, dass kein direkter Bezug zwischen Public Use Files und Fragebögen hergestellt werden kann.

Dokumentation (Downloads)

Hannah Brückner und Karl Ulrich Mayer: Lebensverläufe und gesellschaftlicher Wandel
Konzeption, Design und Methodik der Erhebung von Lebensverläufen der Geburtsjahrgänge 1954-1956 und 1959-1961. Materialien aus der Bildungsforschung Nr. 48. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin 1995.

Teil I: Methodenbericht zur telefonischen Befragung LV III

Teil II: Materialien zur Durchführung der telefonischen Befragung LV III

Teil III: Datenbankdokumentation zur Lebensverlaufsdatenbank LV III