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30.07.2018 | Unstatistik des Monats: Kaputter Mietmarkt?


Die Unstatistik des Monats stammt diesmal von der Süddeutschen Zeitung, die in ihrer Ausgabe vom 16. Juli das nach ihrer Meinung unsozial hohe Niveau der Mieten in vielen deutschen Großstädten beklagt.

Basis des Artikels „Deutschlands Mietmarkt ist kaputt“ ist eine Stichprobe von 57.000 Personen, die an einer Umfrage der Zeitung teilgenommen hatten; 3.000 davon haben ihre persönliche Geschichte mitgeteilt. Aus einer solchen Stichprobe lässt sich aber nicht auf die Grundgesamtheit aller Mietverhältnisse zurückschließen. Aufgrund eines ähnlichen Fehlers hatte die Zeitschrift Readers Digest einmal gemeldet, fast alle in den USA verlorenen Geldbörsen würden den Besitzern mitsamt Inhalt retourniert. So die Rückmeldung von Lesern, die sich auf einen entsprechenden Aufruf gemeldet hatten. Genauso wie an dieser Umfrage vor allem Menschen teilgenommen hatten, denen etwas Ungewöhnliches widerfahren war, sind in der Stichprobe der Süddeutschen Zeitung vermutlich soziale Härtefälle konzentriert. Zwar weist die Zeitung in ihrem Methodenbericht auf die fehlende Repräsentativität ihrer Stichprobe hin. Dennoch macht sie die Stichprobe nicht durch eine geeignete Gewichtung der Beobachtungen repräsentativer.

Auch der als ungewöhnlich steil kritisierte Anstieg der Mieten in München von 80 Prozent seit Mitte der 1990er Jahre ist alles andere als steil - pro Jahr ergibt das im Durchschnitt rund drei Prozent und damit in etwa den Anstieg der Lebenshaltungskosten insgesamt. Nichtsdestoweniger ist aktuell in Städten wie Berlin, München oder Hamburg ein starker Anstieg der Mietpreise zu beobachten, wenn auch mit erheblichen Unterschieden innerhalb derselben Stadt. Die Ursachen sind ein von der Politik gebremstes Angebot (auch durch Restriktionen bei der Ausweisung von Bauland), erhöhte Baukosten (nicht zuletzt aufgrund der Energieeinsparverordnung), und sicher auch Airbnb und ähnliche Angebote, die eine zeitlich befristete Vermietung von Wohnraum unterstützen und damit die Nachfrage zusätzlich erhöhen. Daran werden auch staatlicher Wohnungsbau und Mietpreisbremsen so schnell nichts ändern. Mit einem angeblich kaputten Mietmarkt hat das nichts zu tun.

Kontakt: 

Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-3125
Jörg Schäfer (Pressestelle RWI), Tel.: (0201) 8149-244 

Weitere Informationen: 

Gemeinsam mit dem RWI-Vizepräsidenten Thomas Bauer (RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) und dem Dortmunder Statistiker Walter Krämer (TU Dortmund) hat der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Mit dieser Maßnahme hinterfragen die Wissenschaftler jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Dossier zur Unstatistik
www.unstatistik.de

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